China-Modelle mit Niveau?

Rockbass by Warwick Streamer LX fretted & fretless im Test

Zwei E-Bässe, fretted bzw. fretless, von Rockbass, stehend
FOTO: Dieter Stork

 

Seit Jahren lässt Warwick die günstigsten Modellreihen in China fertigen, was ja längst bei großen Marken nichts ungewöhnliches mehr ist. Entscheidend für das, was am Ende dabei herauskommt, ist allerdings die richtige Modellplanung und vor allem strikte Kontrolle der Herstellungsprozesse. Bei der Rockbass-Serie liegt das Hauptaugenmerk nicht auf dem niedrigstmöglichen Preis, sondern auf der bestmöglichen, bezahlbaren Qualität.

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Aufwendige Formspielereien bieten die schlicht gehalteten Streamer-LX-Bodies absichtlich nicht, dennoch kommen sie mit ihren makellosen Hochglanz-Lackierungen attraktiv rüber. Und in der Ausstattung wachsen die günstigen Rockbässe immer mehr in die großen Schuhe ihrer deutschen Nobel-Vorbilder hinein, was man beispielsweise an der hochklassigen Hardware erkennt. Der Streamer LX wird als Vier- und als Fünfsaiter gebaut, in typischer Warwick-Manier gibt es dabei die bundierte und die Fretless-Version zum gleichen Preis. Für Linkshänder gibt es die bundierten Bässe ebenfalls ohne Aufgeld.

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FOTO: Dieter Stork
Sogar Sicherheits-Gurthalter gehören zur Standardausstattung.

 

Konstruktion des Rockbass Streamer LX

Der aufgeschraubte Hals ist dreistreifig aus Ahorn gebaut, wobei feine Zwischenlagen aus schwarzem Ekanga-Furnier die Konstruktionsweise optisch betonen. Bei bundierten Bässen sitzen 24 akkurat verarbeitete Jumbobünde in einem 6 mm starken Palisandergriffbrett, beim Fretless kommt hingegen das noch dichter gewachsene Tigerstripe Ebony mit seiner homogen glatten Oberfläche zum Einsatz. Für die Bodies wird Carolena verwendet, das Holz dieser Kiefernart hat sich in der Rockbass-Linie inzwischen vielfach bewährt. Bei unseren Testbässen fällt neben dem schlanken Dreistreifenhals vor allem die rundum akkurate Verarbeitung und der wertige Gesamteindruck auf.

Dazu trägt nicht unwesentlich die hochwertige Ausstattung bei, und insbesondere der aufwendige, in die Korpusoberfläche eingelassene Warwick-Steg mit separatem Saitenhalter dürfte nicht zu toppen sein. Die gekapselten Tuner auf der Kopfplatte arbeiten exakt und feingängig, sogar arretierbare Sicherheits-Gurthalter und höhenjustierbare Metallsättel finden sich an diesen China- Modellen. Praktischerweise lassen sich E-Fach-Deckel und Spannstab-Cover ohne Werkzeuge öffnen, genau wie den bei großen, teureren Brüdern aus Deutschland. Die viersaitigen Streamer sind mit einer P/J-Pickup-Konfiguration bestückt, es handelt sich um passive „Dynamic Correction“-Typen von MEC. Per Überblender sind alle möglichen Mischungsverhältnisse abrufbar und eine aktive Zweiband-Klangregelung erlaubt weitere klangliche Variation.

 

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FOTO: Dieter Stork
Der dreistreifige Ahornhals ist vierfach mit dem Carolena-Body verschraubt.

 

Rockbass by Warwick Streamer LX fretted & fretless in der Praxis

Dank der Nadelholz-Bodies wiegen unsere beiden Testbässe lediglich 3,6 kg, was für ausgewachsene Longscales sehr günstig und rückenschonend ist. Trotzdem hängen sie tadellos ausbalanciert und stabil in allen Spielpositionen am Gurt. Die schlanken Hälse orientieren sich mit 38,5 mm Sattelbreite am komfortablen Jazz-Bass-Maß und sind bis fast zum letzten Bundstäbchen völlig ungehindert bespielbar; in jeder Hinsicht kann man hier von angenehmen Playern sprechen, die entspanntes und präzises Bassspielen leicht machen.

Präzision ist überhaupt eine große Stärke dieser Rockbass-Modelle, bei denen jeder Ton ungemein direkt und schwingstark anspricht. Die kerngesunde Sustain-Entwicklung kommt nochmals in besonderer Weise dem Fretless zugute, der auch ungeübten Spielern einen samtig schnurrenden Charakterton ohne Kampf bereitstellt. Zwar sind in der Griffbrettflanke hier nur die wichtigsten Lagen markiert, aber die exakte Tonartikulation macht Fretlines für jede Lage durchaus entbehrlich.

Bei etlichen günstigen China-Modellen liegt der Schwachpunkt in der Elektrik, auch wenn sonst Erstaunliches für kleines Geld geboten wird. Die Rockbässe leisten sich von vornherein hochwertige Marken-Tonabnehmer, die jedes weitere Gebastel und teure Nachrüstmaßnahmen am Instrument überflüssig machen. Unsere beiden Testbässe klingen sogar so überzeugend, dass man sie bei geschlossenen Augen glatt in der Edelbassklasse verorten könnte! Mit den sonst üblichen Billigbass-Kompromissen haben die Streamer LX nicht das geringste zu tun, sie gehen mit zupackender und betont frischer Dynamik zu Werke und leuchten den kraftvollen Breitband-Ton sauber vom tiefsten Bassfundament bis in spritzig-filigrane Highlights aus.

Auch die aktive Klangregelung überzeugt durch musikalisch sinnvolle und dabei auch wirkungsstarke Abstimmung. Enormes Pfund im Punch-Bereich lässt sich am Bassregler hinzufügen, silbrige Brillanzen stehen beinahe im Übermaß am Höhenregler bereit. Nur ein Passiv-Schalter ist an den Rockbässen nicht vorhanden.

 

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FOTO: Dieter Stork
Die zweiteilige Steg/Saitenhalter-Kombination ist nicht zu toppen.

 

Resümee

Man sollte sich von der schlichten Korpusgestaltung nicht täuschen lassen – diese Rockbass-Modelle bieten rundum Qualitäten, die für chinesische Instrumente sehr außergewöhnlich, wenn nicht gar bislang einzigartig sind. Die Hardware erreicht volles Spitzen-Niveau, auch Tonabnehmer und Elektronik liefern beeindruckende Ergebnisse, die wunschlos glücklich machen können.

Und nicht zuletzt schöpfen die beiden Rockbass-Streamer ihre beeindruckenden Klangergebnisse aus einer hochwertigen und betont akkurat verarbeiteten Holzbasis. Was Warwick in China fertigen lässt, ist in jeder Hinsicht stimmig und von verblüffender Güte – diese hochwertigen Bässe setzen Maßstäbe, die weit oberhalb des Preisniveaus liegen!

 

Übersicht

Fabrikat: Rockbass by Warwick

Modell: Streamer LX fretted / fretless

Typ: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus

Herkunftsland: China

Mechaniken: verchromt; gekapselte Stimmmechaniken, zweiteilige Steg/Saitenhalter-Kombination, höhenverstellbarer Sattel Just-A-Nut III, arretierbare Gurthalter

Hals: aufgeschraubt; dreistreifig Ahorn

Griffbrett: Palisander

Halsbreite: Sattel 38,5 mm, XII. 55,4 mm

Bünde: 24 Jumbo Nickelsilber extrahoch / keine

Mensur: 864 mm, Longscale

Korpus: Carolena

Oberflächen: Hals matt versiegelt, Korpus hochglänzend lackiert

Tonabnehmer: passiv; MEC P/J Dynamic Correction

Elektronik: aktiv; Zweiband-EQ

Bedienfeld: Volume, PU-Überblender, Bässe, Höhen

Saitenabstände Steg: einstellbar; justiert auf 18,4 bis 19,5 mm

Gewicht: ca. 3,6 kg

Lefthand-Option: ohne Aufpreis

Vertrieb: Warwick

08258 Markneukirchen

www.warwick.de

Zubehör: Manual, Einstellschlüssel, Gurt-Gegenstücke

Preis: ca. 689

 

Plus

  • Klangverhalten
  • Sounds
  • Bespielbarkeit
  • Präzision
  • Ausstattung & Konstruktion
  • Qualitätsniveau

 

Minus

  • kein Passiv-Schalter
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