Lupenrein

Ritter Princess Isabella Bass im Test

Ritter Princess Arabella Bass
(Bild: Dieter Stork)

2009 brachte Jens Ritter sein erstes Gitarren-Design heraus, welches in schlichter Vollkommenheit sofort in der Oberliga der Guitar Beauties seinen Platz fand. Acht Jahre haben wir auf die Bass-Version gewartet, und es kommen, wie erwartet, irritierende Signale.

Denn die Prinzessin ist nicht etwa angefüllt mit Highend-Technik, protzt nicht mit gekonnt präsentierten Edelhölzern oder sonstigen Superlativen. Außer natürlich in der Klarheit und Sparsamkeit des Gegebenen, mit atemberaubend schöner Form, ganz wenig sichtbaren Hölzern und sonst nur dem Nötigsten, um einen elektrischen Ton herauszubekommen. Verbeugen wir uns vor dem Kunstbassschöpfer Ritter und lassen uns darauf ein, welche Askese er uns verschreibt, um im Auftritt ganz vorne zu sein.

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special effects

Ein Mattweiß wie frischer Pulverschnee frisst und streut das Licht, lässt Konturen aufweichen, der weibliche Viersaiter setzt sich selbst in nüchterner Atmosphäre mit weicher, strahlender Aura in Szene. Den Effekt muss man Ritter erst mal nachmachen, von der perfekten Flunderform ganz abgesehen. Er sagt selbst, dass der UV-beständige Carrara-Frosted-Lack ein Horror in der Verarbeitung ist, aber das Ergebnis lohnt sich. Unter der Schneedecke liegen altbewährte Stoffe, der Hals dreistreifig aus Ahorn gebaut, mit dem Korpus aus Erlenholz achtfach verschraubt. Das tiefschwarze Ebenholzgriffbrett setzt einen starken Kontrast und ist mit 21 bronzenen Jumbobünden im Medium-Format bestückt, natürlich ohne dass in der Flanke Bundschlitze zu sehen sind.

Ritter Princess Arabella Bass
Die Bronzebünde sind so eingesetzt, dass in der Griffbrettflanke keine Schlitze sichtbar sind. (Bild: Dieter Stork)

Den filigranen Saitenhalter der Gitarre spart sich der Bass und verankert die Ballends lieber fest in der Korpusdecke; der dreidimensional justierbare Steg ist von der solideren Sorte und setzt die Saitenreiter mit Klemmschrauben fest. Einfach schön sind die herzförmigen Knöpfe auf den gekapselten Gotoh-Tunern. Das noble Instrument lässt sich nur mit arretierbaren Gegenstücken am Gurt umhängen, die Aufnahmebuchsen des Dunlop-Systems sitzen beide versenkt in der Korpusrückseite. Ein fertig bestückter Ritter-Edelgurt aus Leder mit dickem Tempur-Polster innen ist von vornherein dabei, ebenso wie das professionell stabile Flightcase.

Ritter Princess Arabella Bass
In dieser Preisklasse ist selbstverständlich auch das Zubehör von gediegener Qualität. (Bild: Dieter Stork)

Elektrisch ist der Viersaiter erschreckend schlicht ausgestattet. Ein zierlicher Slimbucker sitzt ziemlich weit in der Halsposition – das ist es! Auch wenn die hölzerne Pickup-Kappe und die Potiknöpfe für Volume und Höhenblende schön aussehen, so viel Purismus zeugt von entschiedener Radikalität.

Ritter Princess Arabella Bass
Elektrisch ist der Bass ein absoluter Purist. (Bild: Dieter Stork)

purismus spezial

Als „Vintage“ hat mir Jens Ritter den Bass angekündigt, und so könnte man es auch erwarten bei der reduzierten Elektro-Abteilung. Dabei liefert das erste Antesten eine Überraschung – mit altbackenem Mainstream hat dieser druckvolle, extrem lebhafte und offensiv klare Piano-String-Sound jedenfalls nichts gemein. Die weiße Prinzessin schießt auch einen saftigen Ausgangspegel zum Amp, was daran liegt, dass dem Master Slimbucker eine maximale Drahtportion extra aufgewickelt wurde. Daher rührt also die gehypte, leicht heisere Artikulation, wenn man fester in die Saiten geht.

Was die spartanische E-Ausstattung leistet ist grandios, aber sie ist nicht alleine für die allumfassende Präsenz verantwortlich. Die Holzkonstruktion liefert nämlich wichtige Grundlagen für den lebendigen Saitenton. Der biegesteife Dreistreifen-Hals geht in der präzisen Direktansprache und dem strahlenden, sehr gesunden Sustain wohl eher in Richtung Spector und prägt auch in ähnlicher Weise das dynamisch anspringende Verhalten des Isabella-Basses. Ein solider Steg ist vorhanden, der sich dämpfungsarm wie ein Teil verhält, die Saitenenden sind direkt im großen Flächenkorpus verankert. Für den energetischen Ton sorgen hier viele Maßnahmen.

Ritter Princess Arabella Bass
Von hinten gibt sich die Schneeprinzessin fast genauso elegant wie von vorne. (Bild: Dieter Stork)

Dazu gehört womöglich auch, wie sich der Longscale beim Spieler unterbewusst einschmeichelt, die Prinzessin spielt sich nämlich mit erfrischender Leichtfingerigkeit. Am Komfortgurt hängt sie ausgewogen und stabil in Position, lässig liegt der schlanke Halbrund-Hals in der Hand, die Saitenlage ist entgegenkommend niedrig – aber hier steckt noch ein Trick dahinter. Man bemerkt es zunächst nicht, aber Jens Ritter hat die Standardmensur unauffällig um fast zwei Zentimeter verkürzt.

Dass die Finger so leichtgängig übers Griffbrett flutschen, macht Ressourcen frei für musikalische Ideen, die auf einen gehypten, in allen Frequenzlagen aufgeregt lebendigen Elektrosound treffen. Die Prinzessin kann sich durchaus wie eine wilde Furie aufführen, je nachdem, wie man rangeht. Spielerische Nuancen stellt der sensible, zugleich starke Bass besonders deutlich heraus und gibt sich damit am Ende verblüffend wandelbar, ganz ohne weitere Pickups und Klangregler. Nicht nur optisch, sondern auch klanglich wird man mit dem Princess Isabella in jeder Stilrichtung vorne spielen.

resümee

Gediegene Schlichtheit und perfekte Formen bestimmen das Bild, der schöne Princess Isabella Bass ist dabei nicht nur ein preiswürdiges Designstück, sondern zugleich ein beeindruckender Player von verblüffender Breitbandigkeit. Sein aufgeregter, saftig fundierter und Output-starker Piano-String-Sound garantiert umfassende Präsenz für alle Stile: Grandios, wie dieses Instrument dabei die Persönlichkeit des Spielers abbildet, die präsente Offensivität wirkt wie eine Lupe dafür. [2922]

Ritter Princess Arabella Bass

Ritter Princess Arabella Bass

(erschienen in Gitarre & Bass 12/2017)

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