Hell & dunkel

Rickenbacker 4003S Maple & Walnut im Test

Traditionell herrscht bei Rickenbacker Ahorn als Klangholz vor, im strahlenden Sound klar erkennbar. Inzwischen ist auch Walnut als Alternative erhältlich, was womöglich nicht nur eine optische Sache ist.

(Bild: Dieter Stork)

Der Ricky ist ein harter Bass und auch noch klar in der Sache, wenn es mit fetter Anlage extralaut wird. Das hat er nicht zuletzt seiner Holzkomposition zu verdanken, und dort geht es natürlich ans Eingemachte, wenn dunkle Walnuss zum Einsatz kommt. Mit exakt gleicher Ausstattung tritt ein schwarzer Ahornbass gegen die schmucke Walnut-Ausführung an.

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S wie Sport

Das S in der Modellbezeichnung steht für Standard, was bedeutet, dass die Standard-Bässe um einige ziersame, aber eben auch kostentreibende Details erleichtert wurden. Im Griffbrett sitzen keine auffälligen Dreiecks-Inlays sondern schlichte Punkte, auf die Bindings bei Hals und Korpus wurde verzichtet und die eher selten benutzte Rick-O-Sound- Stereoschaltung auch weggelassen. Ansonsten, und das ist ja das Wesentliche, bieten unsere 4003S-Testbässe aber alle Rickenbacker-Charaktermerkmale zum reduzierten Preis. Und mancher meint, dass die etwas runderen Korpuskanten ohne Einfassung sogar angenehmer am Körper liegen.

Während die klassische Ahorn-Version in schwarzen Hochglanzlack gekleidet ist, will der Walnut-Bass seine schönen Hölzer natürlich offen im Matt-Finish präsentieren. Die Konstruktion ist im Prinzip die gleiche: im Zentrum sitzt ein durchgehender, zweistreifiger Ahornhals mit dickem, aufgeleimtem Griffbrett. Beim Bass mit den Walnut-Wings wurde dafür heller Ahorn verwendet, beim schwarzen Ahorn-Bass Palisander, jeweils mit 20 Bundstäbchen im Medium-Jumbo-Format bestückt.

Bei allen Unterschieden in Hölzern und Oberflächen ist die Ausstattung beider Ausführungen exakt gleich: Zwei Singlecoil-Tonabnehmer mit stählernen Polschrauben sind per Toggle-Switch anwählbar und mit separaten Volume- Reglern und Höhenblenden einstellbar. Von der Qualitätsmarke Schaller stammen die offenen Tuner auf der Kopfplatte, ebenso die Sicherheits-Gurthalter mit arretierbaren Gurt-Gegenstücken. Original Rickenbacker ist natürlich die große, auffällige Guss-Bridge mit den integrierten Saitendämpfern, deren Schaumstoffpolster mit Rändelschrauben an die Saiten gelegt werden können.

Urviech

Viele Details stammen bei Rickenbacker aus alten Zeiten und wurden auch im Zuge von Modernisierungen nie verändert. Man kann das teilweise als Glück bezeichnen, beispielsweise bei den völlig unmodischen Saitendämpfern, die – gerade auf der Suche nach unkonventionellen Sounds – ein tolles Werkzeug darstellen und kultig-kurze Plomm-Klänge ermöglichen, die man selbst mit geübter Stopptechnik sonst nicht hinbekommt. Dazu gehört am markanten Guss-Steg andererseits auch die schon immer schlechte Erreichbarkeit der Kreuzschlitz-Schrauben für die Einstellung der Oktavreinheit, auch individuell justierbare Saitenhöhen bietet ein moderner Ricky nicht. Zu diesen traditionellen Überbleibseln (ganz frühe Rickenbacker-PUs hatten einen entsprechend geformten Hufeisen-Magnet) kann man auch die Handauflage über dem Tonabnehmer in der Mittelposition zählen, die zwar für manche Spielstile bequem ist, jedoch bei anderen (und beim eiligen Saitenwechsel) stören kann.

Die unlackierte Walnut-Version ist stellenweise rustikal verarbeitet. (Bild: Dieter Stork)

Es ist wohl eher eine Frage der Gewichtung von kultigem Aussehen und moderner Spielbarkeit, die man für sich selbst entscheiden muss. Das verchromte Kunststoffteil lässt sich nämlich entfernen, wozu freilich die Saiten abgenommen und der komplette Tonabnehmerrahmen demontiert und zerlegt werden muss. Wer sich für einen 4003 entscheidet, tut dies wohl bewusst im Hinblick auf seine besonderen Eigenarten. Der breite Hals mit dem kastenförmigen Profil liegt fett in der Hand, die kantige Korpusoberfläche spürt man unter dem aufgelegten Arm. Zumindest Letzteres ist bei der SVersion allerdings ein wenig entschärft. Für angenehme Spielbarkeit sorgt auch die leicht verkürzte Longscale-Mensur von 845 mm.

Neue und alte Charakterzüge

Präsente Draht-Sounds gehören zum Stammkapital, man kann der Marke sogar nachsagen, einst die ersten Bässe mit HiFi-Frequenzumfang auf den Markt gebracht zu haben, wo andere noch dumpf vor sich hin brummelten. Aber die modernen Singlecoils mit den mächtigen Keramikmagneten bescheren den beiden Testbässen gleichfalls zeitgemäß drückenden Punch, sodass diese Passivinstrumente sogar manchen Aktivbass lasch dastehen lassen! Nur die brummfreie Kombination à la Jazz Bass, wenn beide PUs angewählt sind, bieten die Rickys bis heute nicht. Dafür kann man per Zugschalter in einem Tone-Poti den helleren, traditionellen Sound mit gekapptem Tiefbass für den Mittel-Pickup abrufen, was auch in Kombination mit dem Halstonabnehmer erstaunlich verschiedene Klangnuancen ergibt.

In der Sustain-Entwicklung hat ihr kultivierter Ton aufgrund der durchgehenden Halskonstruktion ohnehin keine Probleme, und wer genau das Gegenteil möchte, kann ja die vorhandenen Saitendämpfer hochschrauben. Nur die Behauptung des Herstellers, dass auch die Walnut-Version genau die typische Brillanz-Charakteristik der Marke erzeugt, kann so nicht bestätigt werden, zumal man das ja anhand unserer verschiedenen Testbässe direkt überprüfen kann. Unwahrscheinlich, dass es nur die Lackschicht ist, die einen so deutlichen Unterschied ausmacht: Beim glanzlackierten Ahorn-Bass unterstützt sie die ohnehin vorhandenen Brillanzen und die strahlende Sustain-Kultur, beim mattversiegelten Walnut- Bass steht der hölzerne Ton wesentlich trockener formuliert im Vordergrund. Unterschiedlicher können sie nicht sein, die sonst exakt gleich gebauten Brüder.

Resümee

Starke Sounds liefern beide S-Ausführungen, aber das in verblüffender Unterschiedlichkeit. Während der klassische Ahornbass die strahlende Brillanz mit üppig drahtiger Sustain-Kultur herausstellt, agiert der mattversiegelte Walnut- 4003 viel trockener, holziger und auch dunkler im Timbre. Beide sind starke Player mit charakterstarken Eigenarten, für den typischen Ricky-Sound mit offensivem Plektrumspiel hat fraglos die traditionelle Ahorn-Variante die Nase vorn; wer mit Fingeranschlag das trockenere, intimere Holztimbre darstellen möchte, kann dies jetzt auch auf Rickenbacker- Basis mit dem Walnut-Modell tun. Die Walnuss-Variante ist somit eher eine neue Klangausrichtung als nur schmucke Optik.

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Plus

  • Klangverhalten, Sound-Variabilität
  • kultige Optik
  • Spielbarkeit
  • Ausstattung

Minus

  • teils rustikale Verarbeitung (Walnut-Ausführung)
  • schlecht erreichbare Stegschrauben

Aus Gitarre & Bass 01/2017

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