Attacke!

Rickenbacker 4003 LTD Fire Alarm Red im Test

In dieser limitierten Auflage präsentiert sich das ausgefuchste Bass-Urviech besonders offensiv, in alarmierendem Feuerwehrrot und mit hartem Ahorngriffbrett. Die peppige Optik passt hervorragend zum knackigen Präsenzton des Ahornbasses.

Rickenbacker 4003_0135 Stück wurden von den Feuerwehr-Viersaitern für den deutschsprachigen Raum in Europa gebaut, was Exklusivität sichert. Und für den Charakter-Sound sorgt die bewährte 4003er-Basis des Sondermodells. Wobei das Ahorngriffbrett noch einen Schuss zusätzlicher Aggressivität verspricht, gegenüber dem sonst beim aktuellen 4003 verwendeten Palisander.

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Konstruktion

Ahorn (-Body), Ahorn (-Hals), Ahorn (-Griffbrett) heißt es hier. Das homogen strukturierte Material ist ein Standard bei E-Bässen und sichert exakte Tonartikulation mit strahlendem Obertonspektrum. Ricky-typisch ist der Hals durchgehend, die seitlichen Ahornflügel sind angeleimt. Ricky-typisch sind auch die großen Dreiecks-Einlagen im eingefassten Griffbrett, ein Extra des Sondermodells ist das Checker-Bindung rund um den Korpus. Bei der Ausstattung ist viel Tradition im Spiel, das Modell 4003 gibt es immerhin schon seit 1979 und selbst das hat viele Details von seinen Vorgängern aus den 1960ern übernommen.

Die abenteuerliche Konstruktion des Steg-Pickups mit überdimensioniertem Montagerahmen und massiver Handauflage gehört ebenso zum typischen Erscheinungsbild wie der große Guss-Steg mit den seltenst benutzten Saitendämpfern. Ebenfalls Folklore ist die Rick-O-Sound-Schaltung, wo man an einer zweiten Buchse in der Zarge die einzelnen Singlecoil-Tonabnehmer auf verschiedene Amps geben kann. Warum man aber nach wie vor ein Y-Kabel dafür braucht, wo doch zwei Klinkenbuchsen vorhanden sind, ist ein Geheimnis der Rickenbacker-Designer, und kein Geheimnis ist, dass kaum jemand dieses witzige Feature wirklich nutzt.

Praxis

Zu den neuzeitlichen Errungenschaften gehören die serienmäßig montierten Security Locks, mit denen sich der schmucke Bass sicher am Gurt fixieren lässt. Ansonsten ist der Ricky ergonomisch unver- ändert geblieben, mit seinem am Sattel relativ breiten Griffbrett, welches sich nach oben kaum verbreitert und dem eigentlich gar nicht so dicken Hals, der aber durch sein beinahe kastenförmiges Profil ziemlich fett in der Hand liegt. Zwar erschwert der etwas hohe Sattel zarten Fingern das Greifen in tiefen Lagen, man wird allerdings durch die Ricky-typische, verkürzte Mensur entschädigt, die gegenüber einem normalen 34″-Lonscale zwei Zentimeter kürzer und entsprechend leichter zu greifen ist.

Zwei Spannstäbe sind ebenfalls Tradition, um perfekte Krümmung auch bei stark unterschiedlichen Saitenzügen einstellen zu können. Mit 4,4 kg ist der Feuerwehrbass ein gewichtiger Viersaiter, der sich am Gurt in der Waagerechten einpendelt. Ergonomisch war der Rick schon immer Geschmackssache und klanglich ein Spezialist. Der drahtige Präsenzton geht zum einen auf die Ahorn-Konstruktion zurück, aber auch die Singlecoil-Pickups mit den engen Magnetfeldern sorgen dafür, dass selbst bei zugedrehten Höhenblenden kein Mumpf aufkommt. Das soll aber nicht bedeuten, dass man mit dem Ricky keine Powershow abziehen kann – Lemmy und etliche andere prominente Rocker haben das wohl ausreichend unter Beweis gestellt.

Früher wurden sogar beim Steg-Pickup noch zusätzlich die Bässe ausgefiltert, während modernere Ausführungen das volle Frequenzspektrum liefern. Unser Feuerwehr-4003 kann übrigens beides, weil eine Tonblende einen Push-Pull-Schalter für den dünneren Vintage Tone beinhaltet. Man hört den Basscut für den Steg-PU deutlich, aber am interessantesten wirkt der Vintage-Klang, wenn beide Tonabnehmer benutzt werden und ein markant nasales Timbre entsteht.

Rickenbacker 4003_05
FOTO: Dieter Stork
Rustikal wirken die abgerichteten Bünde, bei denen auf nachträgliche Verrundung verzichtet wurde.

Resümee

Dass der Rickenbacker eines der schönsten Bassdesigns darstellt, ist wohl mehrheitsfähig, und diese Sonderausgabe mit hellem Griffbrett und Checker-Binding bringt das offensiv rüber. Ergonomisch und klanglich ist der 4003 ein eigenständiger Charakter, man kann den kastigen Hals ebenso lieben oder hassen wie den präsenten Drahtklang mit den luftigen Bässen, der doch schon etlichen Top-Acts zu markanten Ergebnissen gereicht hat. Und eigentlich ist es doch schön, dass man diesem Urcharakter im Laufe der Zeit nicht seine Eigenheiten wegmodernisiert hat!

Plus
• Aussehen, Design
• charaktervolles Klangverhalten
• ausgefuchste PassivSchaltung
• Ausstattung

Minus
• Bundkronen nicht verrundet
• hoher Sattel

Rickenbacker 4003_profil

 

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