Raumklang für den Akustikbass

Reußenzehn Kontrabass Tube Preamp im Test

Bei akustischen Instrumenten prägt der Resonanzkorpus den Klang und fügt eine räumliche Komponente hinzu. Die kann bei der elektrischen Verstärkung auf der Strecke bleiben – was der Kontrabass-Preamp von Thomas Reußenzehn zu verhindern weiß.

Reussenzahn Tube Preamp_02
(Bild: Dieter Stork)

Denn wo der Akustikton per Körperschall- oder Magnet-Tonabnehmer abgetastet wird, geraten die Ergebnisse schnell zu hart und direkt, denn ein Groß- teil des akustischen Phänomens fehlt, weil die Tonabnehmer es nicht oder zu schwach aufnehmen. Da ist es tatsächlich eine schlüssige Idee, den Raumklang im Preamp wieder neu zu erzeugen, um dem elektrisch verstärkten Akustikinstrument (es muss kein Kontrabass sein) wieder mehr akustischen Charakter zu verleihen.

Anzeige

Für den harmonischen Grund-Sound sorgt ein zweistufiger Röhren-Preamp, der realistisch mit Hochspannung betrieben wird. Dazu führt ein externes Steckernetzteil eine ungefährliche Wechselspannung zu, die im Preamp-Gehäuse dann hochtransformiert wird – ein bewährter Reußenzehn-Trick, mit dem echte Röhrenverstärker unkompliziert wie Effektpedale verwendet werden können. Der Preamp besitzt getrennte Regler für Volume und Master, schaltungsmäßig dazwischen ein klassisches Tone Stack für Bässe, Mitten und Höhen, wobei hier die beherzte Wirkung in allen Klangbereichen positiv auffällt. Zusätzliche Kippschalter sind für Eingangsempfindlichkeit und Deep-Preset vorhanden; soweit der gewohnte Tube Preamp, aber der besondere Clou liegt hier in der Erweiterung durch ein Reverb-Poti.

Natürlich kommt in dem kompakten Alu-Kistchen nur eine elektronische Lösung in Frage, und seinen geheimen „Reußenzehn Hallgenerator“ hat der Erbauer geschickt unter der Röhrenplatine versteckt. Ist auch eigentlich egal, wie es funktioniert, wenn die Ergebnisse stimmen: Schon im aufwendigen Tube Mixer hat das Aggregat überzeugt, auch wenn es nur eine einzige, mittellange Reverb-Einstellung gibt, die hier hinzugedreht werden kann. Durch das im Hall vorhandene Slapback-Echo ist das wohl eher für Rockabilly-Kontrabass gedacht, auch der eigentliche Reverb-Anteil klingt mehr nach mittlerer Halle als nach ResonanzKorpus. Aber die Idee geht in die richtige Richtung, und Thomas Reußenzehn kann auf Kundenwunsch den Hall-Generator auch auf kleineres Raumformat einstellen.

Reussenzahn Tube Preamp_01
Der Hallgenerator ist unter der Platine der Röhrenschaltung versteckt. (Bild: Dieter Stork)

So wie der Reverb-Preamp jetzt funktioniert, liefert er einen Effekt-Hall, und der ergibt nicht nur mit einem Kontrabass, sondern auch mit dem E-Fretless eine wirksame Klangbereicherung. Dabei kann man das Zauberkistchen sowohl Live wie auch bei Aufnahmen für den großen Ton verwenden, denn der hochwertige Röhren-Preamp entfaltet seine harmonischen Qualitäten ohne hörbare Nebengeräusche in Studioqualität.

Resümee

Mit dem Halleffekt in einem Preamp hat Thomas Reußenzehn zwar prinzipiell nichts Neues erfunden, aber eine praktische Lösung für ein spezielles Problem geschaffen. Schließlich haben die wenigsten Bassverstärker einen Nachhall an Bord, und so ist der neue KontrabassRöhrenvorverstärker eine sinnvolle Erweiterung für die Tieftöner-Sounds. Wobei der zusätzliche Raum im Klang nicht nur den Akustikbass-Ton bereichert, sondern auch mit einem normalen Brettbass Spaß macht.

Plus
• hohe Signalqualität
• wirksame Wiederherstellung akustischer Räumlichkeit
• Kompaktheit, unkomplizierte Speisung

Minus
• Hallzeit zu lang (kann nach Kundenwunsch eingestellt werden)

 

Reussenzahn Tube Preamp_profil

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: