Produkt: Gitarre & Bass 8/2019 Digital
Gitarre & Bass 8/2019 Digital
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Schön ist er und klug zugleich

PRS Gary Grainger 4 Orange Tiger im Test

PRS ist ja zuerst Gitarrenmarke und hatte früher nur gelegentlich etwas für Bassisten zu bieten. Dann aber auf hohem Niveau, versteht sich. Private-Stock-Bass-Designer Gary Grainger entwickelte für Paul Reed Smith jüngst diesen schmucken Signature-Player.

PRS Gary Grainger_01
(Bild: Dieter Stork)

Typisch PRS, wird man zur spektakulären Decke aus Porno-Riegelahorn sagen; noble Zierde auch die Vögel, die übers Griffbrett in die Weite ziehen. Dass der GG4 aber mehr ist als nur edel und schön, kann man bei einem Blick auf die recht spezielle Ausstattung erahnen. Denn hier kommt der Player ins Spiel, den sich Gary Grainger vorstellt – wer im Laufe der Jahrzehnte mit Deodato, Scofield, Nancy Wilson, George Duke, Dennis Chambers und vielen anderen Stars gespielt hat, wird schon seine Rezepte für den guten Ton haben.

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Konstruktion

Um eine solide Basis kommt die attraktivste Riegelahorndecke nicht herum, wenn der Bass gut klingen soll. Sie besteht beim GG4-Korpus zu drei Vierteln aus einem einzigen Stück Mahagoni, dazu kommt dann die fette Bookmatched-Decke mit dem markanten Carving. Ein toller Trick ist die naturbelassene Ahornflanke, die wie ein Binding die tieforange eingefärbte Tiger-Front einrahmt. Wow! Auf den ersten Blick sieht der Grainger wie ein Schraubhalsbass aus, aber wo sind die Schrauben? Der vermeintlich aufgeschraubte Hals sitzt präzise in der Korpustasche und ist dort fest verleimt.

Er ist einstreifig aus bemerkenswert gerade gewachsenem Ahorn gebaut, stehende Jahresringe verleihen ihm eine „harte“ Statik. Das Griffbrett mit den besagten Vogel-Inlays besteht aus Palisander. Man spielt bei diesem hauchdünn versiegelten Hals direkt auf dem Naturholz, während eine erstklassige Hochglanzlackierung die Korpusmaterialien edel präsentiert. Zwar ist hinten PRS eingeprägt, aber die gekapselten Tuner sind unverkennbar von Schaller.

Beim montierten Steg fallen zunächst die Vintage-mäßigen Messing-Saitenreiter auf, dann die ungewöhnlich langgestreckte, solide Bodenplatte, in der weit hinten tief die Ballends verankert werden und somit kräftigen Andruck ohne Steife erzeugen. Nicht minder kompetent sehen die beiden großen Bass-Humbucker mit ihren durchgehenden Polklingen aus; sie versprechen schon optisch einen pfundigen Klang mit knackiger Präsenz.

Statt modernem Überblender plus Mastervolume bevorzugt Gary Grainger zwei traditionelle Volume-Regler, allerdings durch einen aktiven Dreiband-EQ erweitert, der von zwei 9- Volt-Blocks versorgt wird. Gespart wird hier nicht, auch was den Verbrauch betrifft; bei 7,9 mA Stromaufnahme ist etwa alle hundert Betriebsstunden ein Boxenstopp zum Auftanken nötig. Zum Glück funktioniert der Passiv-Modus immer.

Praxis

4,1 kg bringt der kompakt wirkende Longscale auf die Waage, am Gurt hängt er bequem und neutral mit leicht aufragendem Hals. Insgesamt schlank, leitet das Halsprofil die Greifhand durch seine fein angedeutete V-Form in eine günstige Haltung; entsprechend leichtgängig und sicher wandert man übers gesamte Griffbrett. Der Grainger 4 ist für präzise Ergebnisse ausgelegt und macht dem Spieler die Sache leicht. Die Schaltung ist übrigens spezieller, als es zunächst scheint. Denn als Zugfunktion stecken in beiden Volume-Reglern separate Aktiv/Passiv-Umschalter.

PRS Gary Grainger_03
Die gewölbten Pickups stellen ausgewogene Lautstärke der Saiten sicher. (Bild: Dieter Stork)

Egal, welchen der Potiknöpfe man herauszieht, die aktive Klangregelung wird in jedem Fall abgeschaltet – allerdings hört man dann nur den Passiv-Sound des Pickups, dessen (aufgedrehter) Volume-Knopf gerade gezogen wurde. Um beide Tonabnehmer zu hören, müssen beide Pull-Schalter bedient werden. Der tiefere Sinn der ungewöhnlichen Schaltung ergibt sich durch einfaches Probieren und Hinhören: Man hat auf die Schnelle vier verschiedene Sounds parat! Und die haben es in sich. Mit resoluter Kernigkeit schicken die Klingen-Humbucker den gediegenen Holzklang zum Verstärker, detailscharf, direkt, dicht und pfundig.

Im kühlen Sinne neutral klingt der noble PRS freilich weniger, sondern bezieht mit souverän eigenem Präsenzklang Stellung, spielt die Licks mit frischer Lebendigkeit. Schon bei sanfteren Anschlägen kommt bereits eine gewisse Dramatik auf, der Grainger ist ein ansprechfreudiger Groove-Bass. Strammer Draht und fest geführte Bässe laden zu treibenden Basslinien ein, die mit leicht gedämpften Nasalmitten bereits „fertig“ präsentiert werden. Da benötigt man den aktiven EQ eigentlich nur für feinere Geschmackskorrekturen, und genauso filigran (und dennoch wirksam) greifen die Klangregler zu.

 

Plus

  • Klangverhalten, Sustain, Sounds
  • Bespielbarkeit
  • Hölzer, Verarbeitung
  • Ausstattung

Minus

  • Batterieverbrauch

 

Resümee

Ja, der Grainger 4 von PRS ist ein bildschöner Bass, und ein klug organisierter Praxis-Player ist er auch. Der treibende Live-Charakter in seiner Darbietung feuert auch Studio-Sessions an, er ist zudem komfortabel in jeder Spielsituation. Wo Schönheit, Klangstärke und ansprechende Handhabung zusammenkommen, kann es sich nur um einen Traumbass handeln. Den bekommt man von PRS inklusive Koffer für rund 4 Mille zuverlässig geboten.

 

profil

Produkt: Gitarre & Bass Digital 04/2018
Gitarre & Bass Digital 04/2018
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