Tausendsassa & Praxisheld

Peavey Headliner 1000 & 410 Speaker Cabinet im Test

Große 19″-Amps wirken fast schon wie Dinosaurier zwischen den ultrakompakten Class-D-Knirpsen, selbst wenn sie sich der gleichen Technik wie die Kleinen bedienen. Doch in einem größeren Gehäuse ist auch Platz für nützliche Extras, und Peaveys Headliner 1000 bietet sie übersichtlich dar.

Peavey Headliner 1000 & 410 (6)
(Bild: Dieter Stork)

Als passenden Lautsprecher dazu haben wir die 410 im Test, wobei das 8-OhmModell alleine schon 800 Watt verarbeiten kann. Natürlich ist der Amp stark genug, noch weitere Boxen zu fahren, wofür die Headline-Serie noch eine 1×15″ und eine 2×10″-Variante bereithält. Interessant sind die Preise und was man dafür bekommt.

Anzeige

Headliner 1000

Die Front sieht aufgeräumt aus, und doch hat der Headliner 1000 eine Menge zu bieten. Sein Klinkeneingang ist für aktive und passive Bässe umschaltbar, direkt hinter dem Pre-Gain-Regler hat man schon drei Wahlmöglichkeiten für den Grundklang: Bright, Contour und Crunch, einfach per Tastendruck zu aktivieren. Die umfangreiche Klangregelung für individuelle Einstellungen besteht aus einem siebenbandigen Graphic-EQ, der von wirkungsvollen Kuhschwanz-Reglern für Bässe und Höhen eingerahmt wird.

Peavey Headliner 1000 & 410 (5)

Um die Zahl flink abrufbarer Varianten zu steigern, ist der Graphic-Teil der Klangregelung separat zuschaltbar. Ebenfalls per Tastendruck lässt sich der Compressor einschalten, wobei dieser Schalter leider eng zwischen Compressor- und Volume-Regler eingequetscht sitzt. Gut, dass dieses Aggregat sich auch über die rückwärtige Remote-Buchse fernschalten lässt, ebenso übrigens die Crunch-Verzerrung. Rechts neben dem (Master-) Volume-Regler sitzt der Mute-Schalter und ein Kopfhörer-Ausgang mit großer Stereoklinke.

Schön, dass er so leicht zugänglich auf der Frontseite angebracht wurde. Bei den rückseitigen Anschlüssen hat man sich auf die wichtigsten Dinge konzentriert, dort findet sich der serielle Effekt-Einschleifweg sowie ein symmetrischer DI-Ausgang mit vor oder hinter Klangregelung und Compressor schaltbarem Signalabgriff plus Ground-Lift-Schalter. Nur den seriellen Effektweg erfasst der DI-Ausgang leider in keiner Einstellung. Eine Stereoklinke ist für die Fernschaltung von Crunch und Compressor vorgesehen, eine Klinke/Speakon-Kombibuchse und eine weitere Klinke für die Lautsprecher. Wie der Name schon sagt, liefert das 19″- Top mit dem tief bauenden 1,5-HE-Stahlblechgehäuse ein ganzes Kilowatt Ausgangsleistung an 4 Ohm ab.

Beim Blick unter die Haube zeigt sich ein seriös aussehendes Ampmodul mit 15 × 24 cm Grundfläche. Diverse Metallwände sollen im Inneren Störstrahlungen abschirmen, der gesamte Aufbau wirkt vertrauenerweckend und stabil. Trotz flacher Ausführung findet ein relativ großer Lüfter Platz, indem man ihn schräg einbaute – das reduziert den Nervfaktor, denn ein größerer schaufelt entspannter die Luftmengen als ein hochtouriger Mini-Lüfter. Ein gewisses Laufgeräusch muss der Headliner-Nutzer allerdings dennoch hinnehmen.

Peavey Headliner 1000 & 410 (2)
Anschlussmäßig beschränkt sich der Amp auf die wichtigen Dinge. (Bild: Dieter Stork)

Headliner 410

Bei der 410-Box handelt es sich um ein Budget-Modell mit dennoch hoher Belastbarkeit, was mit einer Impedanz von 8 Ohm auch zum starken Headliner-Top passt (welches an 8 Ohm 700 Watt abgeben kann). Ziemlich oldfashioned wirkt dabei das Gewicht von 38 kg, verursacht durch eine 18 mm starke MDF-Konstruktion, die außen durch einen schlichten, aber wirkungsvollen Filzbezug und Metallecken gegen Beschädigung geschützt wird. Auch die reine Zehnzoll-Bestückung ohne Tweeter geht in die einfachere Richtung, die vier Lautsprecher besitzen allerdings ordentlich große Keramikmagnete und werden von vorne durch ein solides Stahlgitter abgedeckt. Interessanterweise ist die erwachsene Box nicht als Bassreflex, sondern geschlossen gebaut. Innen schlucken in Kunstseide eingepackte Dämpfungspolster stehende Wellen, einige Versteifungen mindern Wandresonanzen. Gummifüße halten die schwere 410 rutschfest in Position.

Praxis

Leistungssorgen wird man mit dem Kilowatt-Headliner kaum erleben, und mit der 410 als Grundausstattung bekommt man eine voll bandtaugliche Anlage, die auch in lauterem Umfeld besteht. Die Vielfalt an einstellbaren Klangvarianten ist das andere Doppelpfund, mit dem das Headliner-Top wuchern kann. Feinste und auch grobe Klangfarben-Veränderungen lassen sich mit neun Reglern, zusätzlichen Presets, Compressor und Crunch-Verzerrung zielgenau ausloten. Bei der Nutzung des DI-Ausgangs ist übrigens unbedingt auf symmetrische Beschaltung zu achten, da er im unsymmetrischen Betrieb Fehlfunktionen zeigt.

Mit klarem Grundklang, straff und sauber von tiefen Bässen bis in feine Brillanzen geht der Amp zu Werke, was die 410-Box mangels Tweeter freilich nur abgerundet wiedergeben kann. Der klanglichen Band-Praxis tut das eher gut, denn die 410 ist ein stimmiger Player, durch das geschlossene Gehäuse punchier in den Tiefen als ein Bassreflexsystem und ohne vorwitzige HiFi-Brillanz auch bestens ins Gesamtbild zu integrieren. Obwohl der Amp also mehr kann als die Box, agieren sie als harmonisches Paar, mit dem sich starke Sounds produzieren lassen. Besonders gut tut der Boxencharakter vor allem dem Crunch-Modus, der eine schön grobe und dreckige Zerre erzeugt – das klingt rund und rockt.

Peavey Headliner 1000 & 410 (1)
Der 1000-WattVerstärker macht einen seriösen Eindruck. (Bild: Dieter Stork)

Nicht minder überzeugt die gemeinsame Wiedergabe von groovigen Cleansounds, die geschlossene 410 verträgt eine Menge Power im Bass und bleibt fest in der Spur, auch hier gefällt die milde Rundung bei festen Slaps. Zumal man alleine mit dem wirkungsstarken High-Kuhschwanz noch gehörige Aufhellung einstellen kann, der Low-Regler erfasst hingegen gewaltige Fundamentbässe, die in der Tiefe ein breites Kontergewicht zu den kernigen Mitten bilden. Auf feine Mitten-Variationen reagiert die ZehnzollBestückung sensibel mit praxisgerechten Ergebnissen: Zusammen mit dem sauber verdichtenden Compressor machen sich zum Beispiel markante Nasal-Boosts bestens für einen Fretless und gegenteilige Mitten-Einstellungen räumen wirksam für trockene Funk-Licks auf, wobei sich der Compressor auch tief in den Squash hinein dosieren lässt; tiefere Mittenbänder stärken durchsetzungsstarke Breite für klassische Rocksounds und die kHz-Schieber am Graphic EQ liefern die präsenzscharfe Brit-Variante.

Kombiniert man das noch mit dem funky Contour-Preset oder der wirkungsvollen Bright-Aufhellung, ergibt sich eine enorme Bandbreite an Klangvarianten, die diese Peavey-Anlage harmonisch und kraftvoll rüberbringt.

Resümee

Auf den ersten Blick scheinen Headliner-Amp und Headliner-Box verschiedene Wege zu gehen: Auf der einen Seite der üppig ausgestattete, moderne Class-D-Verstärker mit filigraner Variantenvielfalt, auf der anderen eine 4×10“-Box eher im einfachen Retro-Stil, groß, schwer, ohne Hochtöner, geschlossenes Gehäuse. Und tatsächlich hat der Verstärker einiges mehr an Bandbreite drauf, als die Box in allen Feinheiten reproduzieren kann. Aber gerade deren Beschränkung auf das Wesentliche, die Abrundung extremer Frequenzen macht sie zum stimmigen Praxispartner für den potenten Amp, denn zusammen rockt und funkt es einfach Band-tauglich und rund.

Plus Headliner 1000

  • Wiedergabe, Leistung
  • Sound-Varianten, Klangregelung
  • Compressor u. Crunch fußschaltbar
  • Ausstattung, Verarbeitung

Minus Headliner 1000

  • Compressor-Schalter eng eingebaut
  • DI-Signal erfasst nicht den Effektweg

Peavey Headliner 1000 & 410 (4)

Plus Headliner 410

  • runder, stimmiger Klang
  • saubere Bässe
  • Belastbarkeit

Minus Headliner 410

  • Gewicht

Peavey Headliner 1000 & 410 (3)

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: