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Palmer Bass Pocket Amp im Test

Fette Bass-Amps sind auf putzige Formate geschrumpft, da kann selbst der leistungsfähigste Preamp nur noch kleiner sein.

(Bild: Dieter Stork)

Was Palmer auf 10×10 Zentimetern zusammenbringt, ist bemerkenswert. Das quadratische Ding ist mehr als eine DI-Box, ist mehr als ein vielseitiger Bass-EQ, ist mehr als ein variantenreiches Effekt-Pedal, ist am Ende alles in einem und sogar als kompletter Bass-Preamp noch besonders reichhaltig ausgestattet.

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Ausstattungswunder

Der Klinkeneingang ist in der Empfindlichkeit für passive und aktive Bässe mit hohem Output umschaltbar, dann folgt schon die erste große Entscheidung zwischen Clean, Overdrive oder Fuzz. Am Drive-Regler ist die Ansteuerung aller drei Modi einstellbar, wobei für die Zerr- Effekte noch der Blend-Regler zum Mischen von sauberem Bass-Signal und verzerrtem Anteil justiert werden kann.

Am darauffolgenden Saturate-Regler ist subtile Klangverdichtung abrufbar. Zur gezielten Klangformung hat der Pocket Amp eine Dreiband-Klangregelung mit stufenlos durchstimmbarem Mittenbereich an Bord, wo die Centerfrequenz in einem weiten Bereich zwischen 150 Hz und 8 kHz gewählt werden kann. Mit einer Stereoklinke ist der serielle Einschleifweg ausgeführt, wobei auf der Steckerspitze das Send-Signal und am Mittelkontakt der Return-Eingang liegt. Für die Ausgangslautstärke des Preamps ist schließlich der Volume-Regler zuständig.

(Bild: Dieter Stork)

Die Funktion des Fußschalters ist variabel und zum einen als Bypass für alle Klangmanipulationen, zum anderen als Stummschalter konfigurierbar. Und zum generellen Shaping des Sounds sind neben der Flat-Einstellung die beiden Cabinet- Simulationen Modern und Vintage im Angebot. Praktisch für den Einsatz als erweiterte DI-Box ist der Bass-Thru-Ausgang, der das cleane Eingangssignal für die Backline herausgibt, ebenso bietet sich der Klinkenausgang fürs Stimmgerät an. Zum Üben mit Kopfhörer ist eine Phones- Miniklinke vorhanden, und damit es mehr Spaß macht, können am Aux In auch Playbacks eingespielt werden. Auf der Rückseite liegt der symmetrische DI-Ausgang, dessen Abzweig wahlweise vor oder hinter EQ und Einschleifweg gelegt werden kann, ein Ground-Lift-Schalter vermeidet ggf. Brummstörungen durch Doppelerdung beim Anschluss mehrerer Verbraucher. Gespeist wird der Pocket Amp wahlweise per 9-Volt-Netzteil oder per Batterie, die auf der Unterseite ins Schnappdeckelfach eingesetzt wird.

Güteklasse

Die universell durchdachte Bassvorstufe zeichnet sich durch rauscharme Signalqualität aus und liefert sowohl blitzsaubere Cleansounds als auch engagierte Zerr-Varianten, wobei der Overdrive sich mit aufgeräumt harmonischem Grundcharakter von zartem Anrauen bis zum Fetzerton variieren lässt. Der Fuzz bringt nicht nur das fiesere Obertonspektrum, sondern auch deutlich aggressivere Mitten. Ein wenig zu subtil scheint der Saturate- Regler abgestimmt, von diesem Peak Limiter würde man sich entschiedeneres Eingreifen versprechen. Zu den Stärken des Pedals gehört der in praxisgerechter Weise tight abstimmbare Bassanteil sowie der durchstimmbare Mitten-EQ, mit dem sich sowohl durchsetzungsfähige Mitten in den Vordergrund liften, als auch funky-trockene Klangcharaktere formen lassen. Der Highs-Klangregler erfasst hingegen nur die obersten Glanzlichter.

(Bild: Dieter Stork)

Gelungen präsentieren sich die Cab-Simulationen als Alternative zum Flat-Sound: Beim Modern Cab werden wirkungsvoll druckvolle Punch-Bässe gestärkt, in der Vintage-Einstellung die markanten Mitten. Etwas gewagt erscheint freilich die Platzierung des Fußschalters, wo man bei unvorsichtiger Bedienung leicht auch die benachbarten Potiknöpfe mit erwischt. Eine zusätzliche Kappe, die den Schaltknopf über das Potifeld erhebt, würde das Problem lösen.

Plus

  • Ausstattung
  • zwei Verzerrer- Charaktere
  • Signalqualität

Minus

  • Fußschalter nahe an Potis

Aus Gitarre & Bass 01/2017

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