Orange Terror Bass TB500C im Test

Bass-Verstärker von Orange, schwarz-orange
(Bild: Dieter Stork)

 

Dass auch handliche Bass-Combos groß klingen können, weiß man inzwischen. Doch der Orange fühlt sich irgendwie bulliger an, das erhöhte Gewicht ist verdächtig.

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Am Verstärker kann es kaum liegen; der ist zwar für 500 Watt Ausgangsleistung gut, hat eine Röhren-Vorstufe und sitzt in einem soliden Stahlgehäuse, aber sonst kommt leichtgewichtige Class-D-Technik mit Schaltnetzteil zum Einsatz. Das Gehäuse wirkt wohl sehr robust und trägt damit zum soliden Charme bei, die Front ist jedoch gerade mal so groß, dass zum Amp noch ein Zwölfzöller draufpasst. Allerdings baut der orange Combo etwas tiefer als üblich, und des Rätsels Lösung liegt in seinem Inneren verborgen. Es handelt sich um einen zweiten 12″-Speaker!

 

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Eine zweite Box kann an den Lautsprecherteil angeschlossen werden. (Bild: Dieter Stork)

 

Ausstattung des Orange Terror Bass TB500C

Die Vorstufe ist straight wie beim Orange AD200B aufgebaut und arbeitet mit zwei hochverstärkenden Doppeltrioden plus einer weiteren für den Effektweg. Im Signallauf konsequent auf Direktheit getrimmt, bietet der Preamp getrennte Regler für Gain und Master, dazwischen ein Dreiband-Tonestack. Zwei Empfindlichkeiten sind für den Eingang wählbar. Punkt.

Die pure Röhre wird nun in Class-D-Technik mit reichlich Leistung versorgt, dazwischen liegt der serielle Effektweg. Am symmetrischen DI-Ausgang wird das Vorstufensignal inklusive EQ-Einstellungen vor dem Master abgegriffen. Allerdings fehlen im Ausgangssignal die eingeschleiften Effekte, was den Nutzwert des Effektwegs doch stark einschränkt. Sinnvoll ist hingegen der dreistufige Netzschalter, der die Röhrenvorstufe bei der mittleren Standby-Stellung im Heizbetrieb belässt.

Der Boxenteil des Combos wird durch ein mitgeliefertes Speakon-Kabel an den Verstärker angeschlossen. Eine klare Lösung, die allerdings auch Nachteile hat, denn beim Transport sollte das Kabel unbedingt entfernt werden. Haupsache, man findet es wieder, bevor der Drummer die erste Nummer anzählt! Am Boxen-Anschlussfeld steht ein Speakon-Ausgang bereit, falls der Combo mit einem weiteren 8-Ohm-Cabinet gefahren werden soll. Damit die Anpassung in jedem Fall stimmt, lässt sich der Verstärkerausgang per Schiebeschalter auf 4 und 8 Ohm einstellen.

Der 2×12″-Lautsprecherteil arbeitet nach dem isobarischen Prinzip, wobei zwei Speaker akustisch in Reihe geschaltet werden, was die auslenkungsbedingten Verzerrungen vermindert und nach dem Bandpass-Prinzip einen bestimmten Frequenzbereich in den Bässen verstärkt abstrahlen kann. Die anspruchsvollere Gehäusekonstruktion für den versteckten Zwölfzöller ist wohl ein Hauptgrund für das stattliche Gewicht von 24 kg, denn die Lautsprecher selbst besitzen Neodym-Magnete. Dass am BT500C, bei sonst sehr vertrauenerweckender Bauweise und Ausstattung, nur ein einziger Koffergriff auf der Oberseite vorhanden ist, macht den Transport leider etwas mühsam.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Der Orange Terror Bass TB500C in der Praxis

Der knurrige Basston, den das handliche Schwergewicht hervorbringt, gibt sich grundsolide, röhrig-warm und trotzdem präsent, obwohl hier kein zusätzlicher Hochtöner vorhanden ist. Die Röhrenvorstufe ist ziemlich empfindlich im Eingang, sodass man mit einem Passivbass schon bei mittlerer Gain-Einstellung einen fetzigen Crunch erhält. Zudem fällt bei extraharten Anschlägen auf, dass bereits im cleanen Ton ein Limiter im Spiel ist. Clean bedeutet beim Orange übrigens nicht ganz das Gleiche wie bei einem Transistorverstärker, weil man der orangenen Bulldogge stets die fetzige Röhrenvorstufe anhört, auch bevor es richtig zerrt.

Die drei Klangregler arbeiten subtil und harmonisch, die typische Interaktion eines passiven Tone Stacks fällt vor allem zwischen Mid- und Treble-Regler auf. Um gezielt einen bestimmten Sound aufzufinden, muss man sich zunächst mit der Klangregelung in verschiedenen Einstellungs-Kombinationen vertraut machen – denn so einfach ein passiver Dreiband-EQ auch aussieht, so vielfältig können die Ergebnisse ausfallen, je nachdem, in welchen Stellungen die Regler zueinander stehen. Wirkungsvoll greift das Tone Stack jedenfalls auf die sonoren Bassanteile und den Mittengehalt zu, während die Brillanzen eher etwas feiner angegangen werden. Das Lautstärkepotential ohne Zusatzbox kann durchaus für das Zusammenspiel mit einem Drummer ausreichen.

 

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Der zweite Zwölfzöller versteckt sich tief im Inneren des Combos. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Auch wenn der Orange-Combo in China gefertigt wird, liefert er einen typisch englischen Fetzerklang. Unüberhörbar ist hier eine heiße Röhrenvorstufe im Spiel, und die komplex-harmonische Wirkung des passiven Tone Stacks ist in der Lage, viele subtile Nuancierungen zu erzeugen. HiFi-artig kühle Präzision ist nicht die Sache des BT500C, dafür überzeugt der sonore Körperton der beiden akustisch gekoppelten Zwölfzöller umso mehr. Mit voller Band-Lautstärke ist der kompakte Orange ohne Zusatzbox zwar bald überfordert, aber durch seinen starken Charakter ein interessantes Gerät für Recording-Zwecke und fetzige Sessions auf gepflegtem Pegelniveau.

 

Übersicht

Fabrikat: Orange

Modell: BT500C

Typ: Bass-Combo

Herkunftsland: China

Technik: Röhren-Vorstufe, Class-D-Endstufe, Schaltnetzteil

Leistung: 500 Watt an 4 oder 8 Ohm

Lautsprecher: 2x 12″ Neodym

Gehäuse: Sperrholz 18 mm

Gehäuseausstattung: Vinylbezug, Kunststofffüße, Metallecken, abnehmbare Front-Bespannung, 1 Koffergriff

Anschlüsse: Input Klinke, Send Klinke, Return Klinke, DI Out symm. XLR, Speaker Out Speakon, Boxenteil 2x Speakon

Regler: Gain, Bass, Mid, Treble, Volume

Schalter/Taster: Input passive/active, DI Ground Lift, Impedance 4/8 Ohms, Mains Voltage, Power/Standby/Off

Effekte:

Einschleifweg: 1x mono seriell

Besonderheiten: isobarisches Prinzip im Lautsprecherteil

Gewicht: 24 kg

Maße: 387 x 590 x 382 mm

Vertrieb: Trius

49477 Ibbenbüren

www.trius-music.de

Zubehör: Speakon-Kabel

Preis: ca. 1160

 

Plus

  • sonorer Klangcharakter
  • Röhren-Vorstufe
  • Verarbeitung, Robustheit

Minus

  • Lautsprecherkabel muss zum Transport abgenommen werden
  • nur ein Koffergriff oben
  • Effektweg nicht in D.I.-Signal berücksichtigt

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