Neues von Ned

NS Design Radius CR-5 Fretless im Test

Fünfsaitiger E-Bass von NS Design, stehend
FOTO: Dieter Stork

 

Ned Steinberger hat schon einige Male die Instrumentenwelt umgekrempelt, er lieferte Stuart Spector das Design für seinen legendären Komfort-Dauerbrenner und brachte selber den radikal reduzierten Steinberger-Graphitbass heraus, er entwickelte das ausgefuchste TransTrem-Vibrato und perfektionierte die Tonabnahme und Ergonomie von elektrischen Streichinstrumenten. Natürlich stecken auch in seiner neuesten Kreation wieder ungewöhnliche Details.

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Allein schon der Eindruck, es handle sich um einen Holzbass, täuscht. Und klanglich ist es auch nicht einfach nur ein Solidbody. Steinberger hat sich wieder neue Sachen ausgedacht, und dabei kann es passieren, dass man gerade Zeuge eines Entwicklungssprungs wird. Der Radius ist jedenfalls ein spektakulärer Bass mit ziemlich interessanten Eigenheiten. Das anspruchsvolle Modell wird nun in Tschechien gefertigt, blitzsauber und mit sichtbar hohem Qualitätsbewusstsein.

 

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FOTO: Dieter Stork
Für stabilen Sitz und bequemes Spiel besitzen Vorder- und Rückseite des Bodys verschiedene Wölbungsradien

 

Konstruktion des NS Design Radius CR-5 Fretless

Obwohl damit grandiose Bässe gebaut wurden, war irgendwann mal die Graphit-Konstruktion gründlich aus der Mode gekommen. Und bei den Holz-Puristen sowieso schon immer bäh, jedenfalls vielen zu unromantisch. Kein Problem, sagt der Designer, dann gibt es eben einen Holzhals. Einstreifig aus hartem Ahorn und mit einem dicken Palisandergriffbrett, liegt der flache und angenehm breite Fivestring gut in der Hand, fühlt sich bewährt und wertig an. Nur – es ist eigentlich kein reiner Holzhals. Man sieht zwar Ahorn, darunter liegt aber die eigentlich tragende Graphit-Struktur.

Der NS Fusion Neck besitzt keinen Headstock, aber eine 8,5 cm lange Verlängerung jenseits des Alu-Sattels, wo in einer dicken Aluminiumplatte die Ballends der Saiten lagern. So ganz zufällig wird der Meister diese Masse dort nicht angebracht haben – Gewicht am Halsende beruhigt und stärkt den Ton. Um die Balance braucht man sich bei diesem Quasi-Headless übrigens überhaupt nicht zu kümmern, der Schwerpunkt liegt eindeutig beim Korpus, der wirklich ganz aus Holz besteht. Die Basis ist dreiteilig aus Ahorn gebaut, mit einem dicken Nussbaum- Trennfurnier ist die helle, zweiteilige Decke aus feingeriegeltem Ahorn aufgesetzt. Wenn man schon auf die Traditionalisten zugeht, dann wäre der ahörnerne Radius mit einem Vintage-mäßigen Honigton wohl noch attraktiver als mit seinen eher blassen, authentisch neuen Blondhölzern. Seinen Namen hat der Bass von der Korpusform, wobei hier nicht die Silhouette gemeint ist, sondern die biradiale Wölbung von Vorder- und Rückseite. Die ausgehöhlte Rückseite schmiegt sich ungemein stabil an den Körper, während die noch stärker gewölbte Decke alle störenden Kanten vom Unterarm fernhält.

 

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FOTO: Dieter Stork
In allen Details stecken innovative Ideen von Ned Steinberger

 

Ausstattung des NS Design Radius CR-5 Fretless

Ursprünglich hatte Ned Steinberger das patentierte Tuning-System für die E-Violine entwickelt, welches nun in vergrößerter Bauweise auch auf dem Radius Bass zum Einsatz kommt und präzise von Hipshot hergestellt wird. Normale Saiten mit einem Ballend werden verwendet, wobei ein Festklemmen überflüssig ist – das erledigt die elegante Mechanik ganz von alleine beim Hochstimmen. Auffällig ist die rechtwinklige Anordnung der Stimmknöpfe zur Saitenachse, außerdem die leichtgängige Arbeitsweise trotz der relativ kleinen Drehknöpfe.

Eine weitere Steinberger-Entwicklung für Streichinstrumente ist die spezielle „Polar“ Piezo-Bridge, die auch beim E-Bass für bemerkenswerte Klangfülle sorgen soll. Normalerweise verbindet man ja das Piezo-Prinzip mit einem dünnen, scharfen Klang, und dieses Vorurteil möchte Steinberger nun ausräumen. Per Überblendregler kann der dreistufig vorwählbare Piezo-Klang mit den beiden magnetischen EMG-Tonabnehmern in jedem beliebigen Verhältnis gemischt werden, die Vorwahl der EMGs geschieht über den zweiten dreistufigen Kippschalter. Auch bei diesen magnetischen Aktiv-Pickups handelt es sich um neue Modelle, deren gewölbte Oberfläche exakt dem Griffbrettradius folgt und dadurch etwaige Pegelunterschiede zwischen den Saiten vermeidet. An Bord ist ein aktiver EMG-Preamp mit zweibandiger Klangregelung, der von zwei 9-Volt-Blöcken gespeist wird; die hohe Speisespannung gewährleistet unverformte Übertragung extremer Pegelspitzen. Bei einer Stromaufnehme von ca. 2,6 mA reicht ein Batteriesatz für rund 200 Spielstunden aus. Da beim Radius Bass ohne Strom nichts läuft, sind die Batterien flink auswechselbar und liegen unter einem separaten Deckel, der werkzeuglos durch Lösen einer Rändelschraube geöffnet werden kann.

 

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FOTO: Dieter Stork
Etwas Gewicht am Halsende beruhigt und stärkt den Ton

 

Der NS Design Radius CR-5 Fretless in der Praxis

Die einen kämpfen gern und mögen den kürzeren, perkussiven Ton, die anderen haben es lieber bequem und im Sustain schwelgend – eine justierbare Halskrümmung ist für verschiedene Geschmäcker insbesondere bei einem bundlosen Bass unerlässlich. Am Halsspannstab des Testbasses lässt sich sowohl eine anstrengendere wie auch eine ultrabequeme Einstellung finden, die Sache funktioniert also trotz des steifen Graphitkerns im Hals tadellos.

Weniger geübte Spieler könnten von der spartanischen Ausschilderung in der Griffbrettflanke verunsichert werden, doch eigentlich gibt es dafür wenig Grund: Der Radius schnurrt willig los und macht es bemerkenswert leicht, stimmig zu intonieren. Außerdem findet der Suchende in der Griffbrett-Vorderseite dezente, kleine Dot-Inlays für jede Lage. Das mittelstarke D-Profil greift sich präzise, der breite Hals und die ausgewachsenen Saitenabstände (18,5 mm am Steg) bieten ausreichend Raum für ein beherztes Herangehen, zumal man es hier mit einer extralangen 888-mm-Mensur zu tun hat. Am Gurt hängt der Radius perfekt ausgewogen und sehr stabil in jeder Spielhaltung, der 35″-Fivestring wiegt dabei lediglich 4,1 kg.

Spätestens, wenn man einmal quer übers Griffbrett gewandert ist, fällt deutlich auf, dass es sich nicht um eine gewöhnliche Holzkonstruktion handeln kann. Denn in jeder Lage entwickelt der direkt ansprechende Ton ein grandioses Sustain, schnurrt und schwelgt so gleichmäßig und verlässlich, wie es eben nur mit Carbon-Unterstützung geht. Gleichzeitig machen sich aber auch die Holzanteile bemerkbar, runden spitze Tonkanten harmonisch ab und bringen einen warmtönenden Charakter ins Klangbild. Auch beim Piezo-Steg hat Steinberger nicht zuviel versprochen, in der dunklen Einstellung geht der Polar-Pickup sogar tiefer in den Basskeller hinab als die Magnet-PUs und holt aus dem Solidbody ein geradezu kontrabassiges Volumen mit akustischer Note heraus! Am Dreiweg-Kippschalter kann man natürlich auch einen offenen Piezo-Sound mit gewohnt umfangreichem Brillanzspektrum und gesteigerter Direktheit sowie eine mittelmilde Klangeinstellung wählen.

Gegenüber dem variablen Piezo-Ton bringen die aktiven Magnet-Tonabnehmer ihren eigenen Pfundsklang ein, wobei vor allem in den Mittenbereichen massiver Growl und sahnige Nasalpräsenzen für enorme Durchsetzungskraft sorgen. Zwar wurde hier auf stufenlose Mischbarkeit verzichtet, aber dafür hat der dreistufige Kippschalter den Vorteil der schnellen Bedienbarkeit. Außerdem ist ja ein Überblender zum Piezo vorhanden, der wiederum viele feine Nuancierungen bereitstellt. Der Radius CR-5 präsentiert sich als Traum-Fretless, der sowohl erstklassige Magnet-Sounds wie auch voluminöse Akustik-Komponenten mit einem enormen Variantenspektrum rüberbringt.

 

Resümee

Der Radius Bass steckt prallvoll mit starken Ideen, vom holzummantelten Graphithals mit extralanger Mensur bis zum komfortablen Diradial-Body, vom präzisen Tuning System, welches die Saiten automatisch festklemmt, bis hin zur aufwendigen Pickup-Bestückung mit dem sattbassigen Polar-Piezo im Steg und zwei druckstarken Aktiv-EMGs. Dieser Fünfsaiter ist ergonomisch perfekt und klanglich ein Traum, und das nicht nur zufällig oder allein wegen guter Materialien, sondern vor allem auch wegen der hervorragenden Steinberger-Ideen, die in ihm Stecken. Chapeau!

 

Übersicht

Fabrikat: NS Design

Modell: Radius CR-5 Fretless

Typ: fünfsaitiger bundloser E-Bass mit Massivkorpus

Herkunftsland: Tschechien

Mechaniken: schwarz/Alu; NS Tuning System u. Kopfstück von Hipshot, Aluminiumsattel u. Stegauflage, konventionelle Gurthalter

Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn mit Graphitkern

Griffbrett: Palisander

Halsbreite: Sattel 48,2 mm; XII. 64,8 mm

Bünde: bundlos; Markierungen in Griffbrettvorderseite u. -flanke

Mensur: 888 mm, Extra-Longscale

Korpus: dreiteilige Ahorn-Basis mit zweiteiliger Riegelahorndecke

Oberflächen: seidenmatt lackversiegelt

Tonabnehmer: 2× EMG Humbucker aktiv, 1× NS Polar Piezo-Stegsystem

Elektronik: aktiv; EMG-Preamp mit Zweiband-EQ, 2× 9 Volt, ca. 2,6 mA

Bedienfeld: Volumen, Balance Piezo/Magnet-PUs, Wahlschalter Magnet-PUs, Klangschalter Piezo-PU, Bässe, Höhen

Saitenabstände Steg: 18,5 mm

Gewicht: ca. 4,1 kg

Lefthand-Option:

Vertrieb: Saretz Audio Sales

14469 Potsdam (Deutschland Nord, West, Ost)

und

TS Audioline

88471 Laupheim (Deutschland Süd, Österreich)

www.thinkns.com

Zubehör: Gigbag, Einstellschlüssel

Preis: ca. 2216

 

Plus

  • Klangverhalten, Tonansprache, Sustain, Gleichmäßigkeit
  • Sound-Möglichkeiten
  • Tonabnehmer
  • Ausstattung
  • Tuner
  • Ergonomie, Spielbarkeit
  • Verarbeitung

 

Minus

  • Nur konventionelle Gurthalter
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