Produkt: Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Testbericht: Yamaha SG1801PX Phil X Signature
Die Yamaha SG1801PX Phil X Signature im Test von Gitarre & Bass!
Das erste Mal

Music Man StingRay Neck Through HH im Test

Kaum zu glauben, aber in den 39 Jahren seit der Geburt des StingRays hat Music Man keinen Bass mit durchgehendem Hals gebaut. Nicht, dass dies viele Bassisten abgeschreckt hätte, aber jetzt ist der Klassiker auch als Neck Through zu haben.

Music Man StingRay_1.1Und das wahlweise mit einem oder zwei Humbuckern und in gemischter Humbucker-Singlecoil-Bestückung. Wir haben das Schlachtschiff mit den beiden Humbuckern und Dreiband-EQ zum Test geordert. Dass dieses Nobelteil alle möglichen Sounds erzeugen kann, steht außer Frage – aber bringt der Neck Through auch den typischen Music-Man-Charakter rüber?

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Konstruktion

Statt aus einem Streifen wie bei den aufgeschraubten Hälsen, besteht der durchgehende Music-Man-Hals aus drei Streifen ausgesuchtem Ahorn. Seitlich sind die Korpusflügel aus Eschenholz angeleimt. Im Palisandergriffbrett sitzen 21 High-Profile-Bünde, spiegelglatt poliert. Nach wie vor ist der Halsspannstab ohne Spezialwerkzeuge von der Korpusseite her einstellbar. In der Frontoptik unterscheidet sich der Neck Through nicht von seinem berühmten Vorbild, von hinten sieht er sogar eleganter aus, wozu auch die makellose Hochglanzlackierung der Holzkonstruktion beiträgt. An der bewährten (Hardware-) Ausstattung wurde nichts verändert, aber natürlich geht man mit der Zeit, was vor allem die Elektronik betrifft.

Der Dreiband-EQ bildet mit dem Potifeld eine gemeinsame Baugruppe und ist mit winzigen SMD-Bauteilen bestückt. Fehleranfällige Verdrahtung wird dadurch reduziert, im abgeschirmten E-Fach sieht es vollkommen aufgeräumt aus. Die fetten Alnico-Magnete der Humbucker zeigen schon seit einer Weile keine Schleifspuren und harten Kanten mehr, sondern sind angefast mit gediegen mattierter Oberfläche. Und an die Batterie kommt man ohne Schraubendreher heran, sie sitzt in einem Klappfach; zum Öffnen braucht man allerdings stabile Fingernägel. Bei einer Stromaufnahme von gut 1,1 mA reicht ein Alkaline-Block für etwa 450 Betriebsstunden. Das ist insofern beruhigend, als dass Music Man ja traditionell keinen Aktiv/Passiv-Schalter einbaut und ohne Strom kein Ton herauskommt.

Praxis

Der sanfte Hals/Korpus-Übergang wirkt sich positiv auf die Erreichbarkeit der obersten Lagen aus, ansonsten spielt sich der Neck Through entgegenkommend und solide wie sein Schraubhals-Bruder. Das Halsprofil ist angenehm rund und griffig, fördert eine korrekte Handhaltung und entlockt dem präzisen Player somit noch genauere und sauberere Spielergebnisse. Alles ist hier perfekt auf den Punkt gebracht und gut ausbalanciert. Nur muss man auch bereit sein, einen 4,3- Kilo-Viersaiter zu schultern. Aber Masse schadet bekanntlich auch nicht, wenn es um einen schwingstarken Ton geht.

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Der geschmeidige Hals/Korpus-Übergang erleichtert den Zugriff auf höchste Lagen. (Bild: Dieter Stork)

Hier ergeben sich ohnehin hörbare Unterschiede zum aufgeschraubten Hals. Nicht, dass ein normaler StingRay irgendwelche Sustain-Probleme hätte, aber der Neck Through hat sie erst recht nicht und entfaltet einen elegant aufschwingenden Schnurrton, wo beim Schraubhals das perkussive Element im Vordergrund steht. Zu zahm kommt der durchgehende Hals aber auch nicht rüber (dem wäre auch der harte Stahlsteg vor), sondern einfach tight abgestimmt. In dem Maße, wie der Neck Through eleganter aussieht als der Schraubhals-StingRay, artikuliert er auch den Ton gediegener und ist tatsächlich eine sinnvolle Alternative zum Normalmodell.

Die beiden zweispuligen Humbucker werden per FünfwegeSchalter verwaltet, wobei man sich pfiffige Spulenkombinationen ausgedacht hat, die allesamt brummfrei arbeiten: In den beiden Endstellungen des Schalters findet man Stegoder Hals-Humbucker in MM-typischer Parallelverdrahtung, allerdings kann man in den Zwischenstufen auch deren jeweils innen- oder außenliegenden Einzelspulen kombinieren, was interessante und deutliche Nuancierungen ergibt. Übersichtlich in der Mitte liegt die Parallelschaltung sämtlicher Spulen, arbeiten also beide Pickups voll. Der klassische StingRay-Charakter wird vom Steg-Pickup gut getroffen, aber natürlich geht hier auch die geschmeidigere Tonartikulation des durchgehenden Halses mit ein.

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Fünf verschiedene Grund-Sounds können per Dreiband-EQ variiert werden (Bild: Dieter Stork)

Music Man StingRay_3.3Überzeugende Variationsmöglichkeiten bietet der sauber zupackende Dreiband-EQ. Knackige Höhen mit einem passenden Schuss Aggressivität sind hier abrufbar, knorrige Nasalmitten und wuchtigtrockene Mittenabsenkungen ebenfalls. Der Bassregler fügt drückende Bass-Substanz ohne Gewummer hinzu und schafft das Kunststück, im Dämpfungsbereich wirksam auszudünnen, ohne dass es am Ende zu dürr klingt. Der HH-StingRay kann eine Menge, ohne dabei im mindesten überfrachtet zu wirken – alles bietet sich hier mit selbstverständlicher Übersichtlichkeit an.

Resümee

Schraubhals oder durchgehend ist natürlich eine Geschmacksfrage. Aber wer sich für den gediegeneren, geschmeidigeren Sustain-Klang entscheidet, wird bei Music Man mit höchster Qualität versorgt. In vielen Grundanlagen ist der Neck Through ein echter StingRay, zugleich überzeugen aber auch die gepflegten, eigenen Charakterzüge in der Tonentfaltung und Ergonomie. Die klug ausentwickelte Elektrik beschert zudem bei aufgeräumter Präsentation eine Menge starker Sounds in höchster Güte. Respekt, der Neck Through ist perfekt gelungen!

 

 

Plus
• Klangverhalten, geschmeidige Tonartikulation
• Sound-Möglichkeiten, Übersichtlichkeit
• Spielbarkeit
• Ausstattung, Verarbeitung

 

Music Man StingRay_profil

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