Solider Untergrund

Mesa Subway Bass DI-Preamp im Test

Unübersehbar hat sich die Ausstattung der ehemals spartanischen DI-Box in der letzten Zeit stark gewandelt. Das hat auch mit verändertem Musizieren zu tun.

(Bild: Marlon Stork)

Früher hatte man seine Bassanlage für Proberaum und Bühne, und wenn es mal Live oder bei Aufnahmen Bedarf dafür gab, den Instrumententon direkt ins Mischpult einzuspeisen, hatte der Mann am Mixer dafür ein nützliches Hilfsmittel parat. Viele Knöpfchen brauchte das Ding nicht, denn die waren ja am Mischpult reichlich vorhanden. Durch die Verbreitung der digitalen Aufnahmetechnik sind inzwischen viele mittlere und größere Tonstudios nicht mehr vorhanden, dafür aber umso mehr Musiker selbst in der Lage, eigene Musikproduktionen durchzuführen. Sie haben entsprechende Möglichkeiten nun im Rechner zu Hause, allerdings nur sehr selten entsprechende Aufnahmeräume, wo man eine große Bassanlage aufdrehen und abmiken kann. Deshalb kommen neue Aufgaben auf die DI-Box zu, nämlich die, den Sound zu formen, mit dem man den Bass direkt ins Recording-Interface einspielt. Auch im klassischen Live-Einsatz haben gut bestückte DI-Preamps Vorteile, schließlich weiß der aufgeklärte Musiker selbst am besten, welchen Sound er weiterleiten möchte.

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Spinoff

Mesas Einstieg in die Class-D-Technik fiel mit dem Subway D-800 (Test in Ausgabe 01/2016) überzeugend aus, und da liegt es natürlich nahe, einen der Verantwortlichen für den sonoren, stimmigen Fundamentalklang auch anderweitig zur Rechenschaft zu ziehen, beispielsweise als DI-Preamp. In der etwa 13 ¥ 17 cm messenden Aluminiumbox sitzt nun die komplette Vorstufen-Sektion, und das sogar erweitert.

Der Klinkeneingang ist für aktive und passive Instrumente umschaltbar, die Feineinstellung des Eingangspegels geschieht am Input-Regler, die Ausgangslautstärke stellt der Master ein. Dazwischen liegt ein Vierband-EQ mit zusätzlichem Voicing-Regler, per Schalter steht noch das Preset Deep zur Auswahl, der DI-Preamp heißt schließlich Subway. Interessant, was der Preamp an Ausgängen zu bieten hat. Neben dem Thru-Klinkenausgang, der das Basssignal gegebenenfalls unverändert an einen Bass-Amp (sofern vorhanden) weitergibt, ist natürlich auch ein unsymmetrischer Preamp- Ausgang vorhanden, um das Gerät mit allen Möglichkeiten auch als Vorverstärker nutzen zu können; der Signalabgriff liegt hinter dem Master. Dasselbe Ausgangssignal gibt es noch einmal aktiv symmetriert, wobei die Schirmmasse per Schalter abgenommen werden kann, um Brummprobleme zu bekämpfen. Beim eigentlichen DI-Ausgang ist das Signal vor und hinter den Klangreglern abgreifbar, jedoch unabhängig von der Master-Pegeleinstellung. Auch für diesen aktiv symmetrischen Ausgang ist ein Ground-Lift- Schalter vorhanden.

Einsatzfähigkeiten

Man kann den Subway-Preamp per 9- Volt-Steckernetzteil speisen, welches leider nicht im Lieferumfang enthalten ist. Alternativ kann eine 9-Volt-Batterie in das Klappfach im Geräteboden eingesetzt werden – aufgrund der gemessenen Stromaufnahme von etwa 50 Milliampere ist mit einer Lebensdauer von rund 10 Stunden zu rechnen. Das ist kalkulierbar, eine gute Idee ist es trotzdem, Ersatzbatterien bereit zu halten.

Mit vier verschiedenen Ausgängen ist der DI-Preamp für alle Einsatzarten gerüstet. (Bild: Marlon Stork)

Klanglich bestätigt der DI-Preamp die Annahme, dass der bullige Sound des D-800 im Wesentlich in der Vorstufe entsteht. Insbesondere bei Verwendung des Deep- Presets wird auch der drahtigste Bass fundamentale Breite und Tragkraft entwickeln, aber auch die vorhandenen Klangregler sind allesamt zu enormer Wirkungsstärke fähig – ab einer gewissen Lautstärke traut man sich mitunter kaum, einen vollen Boost einzustellen, so mächtig agieren Bass- und Mittenregler. Nur der Treble-Regler ist ein wenig zahmer, stellt aber dennoch reichlich klaren Klick heraus. Schließlich ist der Voicing-Regler für feine Charakternuancen zwischen Neutral und Vintage zuständig und stellt bei vollem Boost vor allem die Tiefmitten und Bässe warmtönend in den Vordergrund. Um Klangvariabilität – von feinfühlig bis in heftige Extreme – braucht man sich also keine Sorgen zu machen!

Die verschiedenen Ausgänge geben den Powersound für diverse Anwendungen sinnvoll aufbereitet heraus. Dabei ist der unsymmetrische Preamp Out kräftig genug, um Endstufen voll auszusteuern, sein symmetrischer Bruder liefert sogar vollen Studiopegel von +4dBu, um direkt in die Wandlerkarte zu gehen. Anders der symmetrische Direct Out, der eher auf Live-Bedürfnisse abgestimmt ist und einen Mikrofonpegel von -30dBu unabhängig von der Master-Einstellung führt. Damit kann er ohne Übersteuerungsgefahr an einen Mikrofoneingang des Live-Mixers angeschlossen werden. Beide XLR-Ausgänge sind übrigens gegen anliegende Phantom Power vom Mixer geschützt.

Resümee

Starke Basssounds – im wahrsten Sinne des Wortes – darf man von Mesas neuem DI-Preamp erwarten, dessen Klangregler durchaus auch machtvoll die Extreme ausloten. Nicht nur die einstellbaren Klänge, auch die allgemeine Übertragungsgüte ist superb, und mit vier sinnvoll beschalteten Ausgängen ist dieser potente Soundmaker für alle Live- und Aufnahme-Einsätze professionell gerüstet.

Plus

  • Übertragungsgüte
  • Sound-Möglichkeiten
  • vier Ausgänge, Ausstattung

Minus

  • Betriebsdauer mit Batterie
  • kein Netzteil im Lieferumfang

Aus Gitarre & Bass 02/2017

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