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Mensinger Joker Bass 4a Hollowbody im Test

Von welchem Nobelinstrument das Joker-Design inspiriert ist, braucht man Gitarristen nicht zu erklären. Und wenn sie auf ganz tiefe Töne umsteigen wollen, sollen sie sich mit kurzen Wegen gleich zu Hause fühlen.

FOTO: Marlon Stork

Denn der Bass im PRS-Design ist ein Shortscale und strapaziert die gitarrengewöhnten Finger deutlich weniger als die lange Normal-Bassmensur. Aber nicht nur entgegenkommende Bespielbarkeit ist beim Joker bemerkenswert, man bekommt ein gediegen gebautes Instrument mit vorzüglicher Ausstattung geboten – ohne dabei arm zu werden. Natürlich soll sich dieses Angebot nicht nur an umstiegswillige Gitarrenspieler wenden; alle Bassisten, die einen Zahn zulegen wollen, sind eingeladen.

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Schön und potent

Entgegenkommende Kurzmensur zum einen, klangfüllige Halbresonanz-Konstruktion zum anderen, der Joker Hollowbody verspricht Spielfreude und Charakterton. Sein Mahagoni-Body ist mit einer attraktiv gespiegelten Riegelahorndecke versehen, zwei F-Löcher öffnen die Hohlräume in den Korpusflügeln neben dem massiven Mittelblock. Ein hell belassenes Ahorn-Binding rahmt die geflammte Decke ein, der seidenmatt lackierte Joker präsentiert sich rundum wertig gebaut. Der eingeleimte Mahagonihals besitzt ein Ebenholzgriffbrett mit 22 Bünden plus Nullbund; der zusätzliche Sattel führt die Saiten geradlinig zu den gekapselten Tunern. Am anderen Saitenende sitzt ein klemmarretierter 3-DSteg mit stabil massiger Erscheinung, die Ballends werden in separate Saitenhalter eingelegt.

FOTO: Marlon Stork
Durch intern vierspuligen Aufbau arbeiten die Delano-Humbucker auch im Singlecoil-Modus brummfrei.

Bei den verwendeten Delano-Humbuckern handelt es sich um Quad-Coil-Designs, was in allen drei per Kippschalter angebotenen Einstellungen brummfreie Ergebnisse bietet, die mit seriell, parallel oder im „Singlecoil“-Modus geschalteten Spulen verschiedene Charakteristiken aufweisen. Per Zugschalter im Volume- Poti kann die Elektronik vom Aktivbetrieb mit Zweiband-EQ auf passive Betriebsweise umgeschaltet werden, wobei der vorher aktive Höhenregler zur passiven Tonblende umfunktioniert wird.

Allround-Player

Am Gurt hängt der 3,7-Kilo-Shortscale vollkommen ausbalanciert, durch den kurzen Hals sind die tiefsten Lagen nah und auch die 22. Lage ungehindert erreichbar – gute Voraussetzung für entspanntes Spielen. Damit die Sache aber nicht zu leichtgängig wird, besitzt der Hals ein mittelstarkes C-Profil und ist am Nullbund knapp 41 mm breit, was wiederum bei festerer Gangart seine Vorteile hat.

Klanglich zeigt sich die Mahagoni-Ahorn- Kombination Sustain-stark und liefert bis in die letzte Ausklingphase einen harmonischen, vollen Ton mit ausgewogenen Tiefen. Die Ansprache ist zudem ausgesprochen präzise und direkt, dennoch wirkt der Halbresonanz-Sound keineswegs hart, sondern angenehm geschmeidig. Manche Shortscale-Bässe haben Probleme mit einer pappigen E-Saite, dieser hochwertige Player zeigt hingegen keinerlei Auffälligkeiten und glänzt durch tadellos lebendige Definition bis zum tiefsten Ton hinab.

FOTO: Marlon Stork
Das ausgeschliffene Cutaway gibt freien Zugriff auf die höchsten Lagen.

Bei den Delano-Humbuckern hat man die Wahl zwischen transparenteren und breiteren Sounds, wobei selbst das volle Humbucker-Pfund im seriellen Modus nicht die Präsenzen beschneidet. Bei den helleren Einstellungen unterscheidet sich der „Singlecoil“ (der ja tatsächlich brummfrei durch eine Splitcoil-Hälfte des vierspuligen Tonabnehmers erzeugt wird) durch eine etwas brettigere Artikulation und feine Brillanzspitzen vom beinahe ebenso offenen Parallel-Klang. Insbesondere beim Einsatz von Effekten werden sich solche feinen Unterschiede bemerkbar machen.

FOTO: Marlon Stork
Die abgewinkelte Kopfplatte ist passend zum Korpus furniert.

Allein schon mit den beiden Pickup-Kippschaltern und dem Überblender lassen sich viele Nuancen abrufen, vom mittenstarken Knurrklang über trockene, tragkräftige Begleitbässe bis zum drahtigen Twangsound. Im passiven Betrieb hängt die Wirkung der Tonblende hörbar von der gewählten Pickup-Einstellung ab; generell greift sie aber gefühlvoll zu und ist nicht als Dumpfmacher ausgelegt, sondern rundet eher die Highlights ab, wobei eine feine Mittennase herausgestellt wird. Die aktiven Klangregler agieren natürlich wirkungsvoller, wobei aber auch hier beim Höhenregler der gesamte Einstellweg verwendet werden kann, ohne dass das Klangbild aus den Fugen gerät. Mächtige Tiefbässe sind am Bass-Poti abrufbar, der Kurzmensur-Bass erzeugt damit eine mächtige Füll- und Tragkraft.

Alternativen

Die Kombination von Shortscale und Halbresonanz-Konstruktion hat etwas Klassisches, doch im Spielgefühl und den Klangergebnissen gibt sich der Joker weitaus moderner. Keine Spur vom Vintage- mäßigen Plomm, die breite Sound- Palette des Joker ist von präzisem Anschlag, geschmeidiger Schwingfreude und breitbandigem Frequenzumfang geprägt, sodass die traditionellen Halbresonanzbässe keine Konkurrenz für ihn darstellen.

Resümee

Der Joker-Hollowbody-Bass überzeugt mit konkretem und verblüffend breitbandigem Ton, sodass er mühelos einem guten Longscale das Wasser reichen kann. Mühelos ist hier auch das Spielen an sich, was nicht allein an den kurzen Wegen auf dem Griffbrett liegt, sondern auch durch vorbildliche Balance und den geschmeidigen, schwingstarken Klang gefördert wird. Kurzum: Man muss kein trainierter Bassist sein, um mit diesem schönen Bass gute Ergebnisse zu erzielen.

Plus

  • Klangverhalten, Ansprache, geschmeidiges Sustain
  • Klang-Variabilität
  • leichte Bespielbarkeit
  • Verarbeitung, Ausstattung

Aus Gitarre & Bass 11/2016

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