Glamour-Jott

Maruszczyk Elwood 5a Absolution im Test

In den Sixties waren die J-Bässe eher schlichte, aber ehrliche Arbeitsgeräte, in den 1970ern frisierte man sie hoch, später in den Achtzigern war dann opulenter Glamour angesagt. Das Absolution-Design des Maruszczyk-Instrumentenbauers Syfon lässt diesen Glitzer wieder aufleben.

Maruszczyk Elwood - Front
(Bild: Dieter Stork)

Souverän präsentiert der Fivestring seine Werte, wobei noble Holzbilder in transparentschwarz mit blitzendem Chrom und kultigem Perloid eine gediegene Mixtur ergeben. Im Show-Geschäft muss man schließlich auch was fürs Auge bieten, und ein Klasse-Player ist der Edelschlitten auch.

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Konstruktion

Das gespiegelte Tiger-Top aus Riegelahorn kann sich sehen lassen und soll durch das Schlagbrett nicht verdeckt werden, die sanft gewölbte Korpusoberfläche unterstützt das noble Ambiente. Ein dreilagiges Perloid-Binding umfasst keineswegs unauffällig die Decke, auch der aufgeschraubte Riegelahornhals besitzt rund um Kopfplatte und Ebenholz-Griffbrett die schmucke Perloid-Einfassung, passend zum Korpus ist die Front des Headstocks mit einem Riegelahorn-Facing versehen. Auch die sichtbar akkurat endverrundete und auf Hochglanz polierte Bundierung (21 Medium Jumbo plus Nullbund) im tiefschwarzen Griffbrett ist hier ein blinkender Hingucker.

Chrom bei den offenen Vintage-Tunern, dabei sorgt der sanft abgewinkelte Headstock elegant dafür, dass ausreichend Saitendruck auf Sattel und Nullbund liegt und ein zusätzlicher Niederhalter entfallen kann. Chrom auch am anderen Saitenende, wo fünf separate Monorail-Stege auf der Decke sitzen, weitere Blinketeile sind die extragroßen Gurthalter und natürlich die J-Bass-typische Kontrollplatte mit vier Metallknöpfen. Elektrisch wird beim Absolution nach Wunsch ausgestattet, hier haben wir die Kombination von Brumm-kompensierten Delano J-Splitcoils und einem aktiven Glockenklang-EQ für Bässe und Höhen. Für stufenlose Pickup-Mischung steht ein Überblender bereit und durch Herausziehen des Volume-Kopfs wird der EQ abgeschaltet, was gleichzeitig den Höhenregler zur passiven Tonblende umfunktioniert.

Maruszczyk Elwood - Detailansicht
(Bild: Dieter Stork)

Praxis

Mit 4,8 kg ist der fünfsaitige Longscale ein gewichtiges Schlachtschiff; zwar ist die modelltypische Tendenz zur Waagerechten nur gering ausgeprägt, aber man spürt den Bass doch so auf der Schulter, dass ein breiter, gepolsterter Gurt herbeigewünscht wird. Recht flach und angenehm breit, kann der Hals auch kräftigeres Zupacken verkraften, bei allgemein entgegenkommender Spielbarkeit. Durch das gegenüber dem J-Vorbild tiefer ausgeschnittene untere Cutaway und eine entsprechend geformte Halsverschraubung gelangt man entspannter in die obersten Lagen, allerdings ist hier ohnehin beim 21. Bund Schluss. Die Saitenabstände sind an den Stegen auf knapp 17 mm justiert. Klanglich liefert er das, was sein Glamour-Outfit verspricht – viel Sustain, klare Ansprache, sauberer Ton. Und doch ist dem hochpolierten Jott nicht ganz seine Worker-Grundnote ausgetrieben worden; das Ebenholzgriffbrett nimmt zwar die Mitten etwas zurück, aber eben nur so viel, dass in aggressiven Spitzen aufgeräumt wird.

Die altbewährte Erle/Ahorn-Kombination bewahrt dem aufgepeppten Absolution-Ton schließlich eine stimmige Gewichtung von Holz und Körper. Dieser Fivestring kann fetzig und präzise funken, ist in seinen Anlagen zunächst für cleane, flotte Spieler konzipiert – aber er hat auch genug Growl im Ton für gepflegtes Abrocken. Die Delanos arbeiten, wie versprochen, ohne störenden Brumm einzufangen und bringen den Saitenton so breitbandig, klar und impulsiv rüber, dass man meint, es mit aktiven Tonabnehmern zu tun zu haben – hat man aber nicht. Ferritmagnete und ein enges Abtastfenster für die Saitenschwingung sorgen auch ohne Batteriestrom für den erweiterten Frequenzumfang mit sauberen, tiefen Bässen und offenem Höhenspektrum.

Schaltet man den aktiven Glockenklang hinzu, kommen selbst bei neutral eingestellten Klangreglern noch feinsilbrige Highlight-Schmatzer hinzu. Wie man es von der Marke erwartet, sind die aktiven Klangregler präzise auf Praxistauglichkeit dosiert und vermeiden unmäßige Übertreibungen, sodass der gesamte Einstellweg genutzt werden kann und auch die Dämpfungen nicht zu radikal ausfallen. Und wer die HiFi-Seite des Glamourbasses ganz kompromisslos ausfahren will, darf Bässe und Höhen ohne Sorge voll aufdrehen.

Maruszczyk Elwood - Detailansicht
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Der Absolution-Fivestring ist ein Glamour-J-Bass mit breitbandigem, explizit ausgeleuchtetem Grund-Sound. Das ergibt einen starken Allrounder mit Präferenz für klare Tonabbildung, welcher allerdings auch einen starken Spieler benötigt, der das Gewicht dieses Edelschlittens aushält. Die Verarbeitung ist rundum betont wertig und akkurat, man bekommt seriöse Nobelqualitäten fürs Geld geboten. Diesem üppigen Fünfsaiter darf man gut und gerne die Absolution erteilen!

 

Plus

  • breitbandiger, fein definierter Klang
  • opulente Optik, Hölzer
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Minus

  • erhöhtes Gewicht

 

Profil

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