70s Flitzer

Maruszczyk Elwood 4p Short im Test

Mit den Stilelementen eines großen Klassikers sieht dieser Mapleneck-Viersaiter ziemlich nach Seventies aus, auch wenn es sich nicht um eine platte Jazz-Bass-Kopie handelt. Der entscheidende Unterschied liegt hier weder in der variierten Form, noch in der Ausstattung – die kurze Mensur macht ihn zu einem bemerkenswerten Spezialgerät.

 

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Maruszczyk Elwood_01
(Bild: Petia Chtarkova)

770 statt 864 mm – die Einsparung von fast 10 cm macht die Wege zwischen den Bundstäbchen effektiv kürzer, was nicht nur kleinen Fingern, sondern auch der Geschwindigkeit zugutekommen kann. Nicht nur für den Schüler, auch für geübtere Spieler ist der Shortscale also bequemer zu handhaben und seine hochwertige Ausführung überzeugt auch Anspruchsvolle.

Konstruktion

Gute Klanghölzer sind das Grundkapital der klassischen Konstruktion aus Erlenholzkorpus und aufgeschraubtem Ahornhals. Dass der Body wie Esche aussieht, liegt an dünnen Eschen-Furnierbelägen, die vorne und hinten aufgeleimt sind. Im typischen Seventies-Stil sitzen schwarze Block Inlays im Ahorngriffbrett und verleihen dem Modell sein charakteristisches Aussehen – auch wenn man auf ein schwarzes Griffbrett-Binding verzichtet hat. Eine 3-Tone-Sunburst-Lackierung plus Tortoise-Schlagbrett tun das Ihre dazu, während ein tiefer ausgeschnittenes Cutaway verbesserten Zugriff auf die höchsten Lagen gewährt.

Durch eine leicht nach hinten abgewinkelte Kopfplatte spart der Bass die Niederhalter auf der Kopfplatte ein und gewährt für alle Saiten gleichmäßigen Druck auf Sattel und Nullbund. Außer diesem sitzen noch 22 sauber verarbeitete Jumbobünde im Griffbrett, ein besonders solide gebauter Steg verbessert Tonansprache und Sustain-Entwicklung. Für die Tonabnahme kommen natürlich zwei Singlecoils in J-Bauform zum Einsatz; in den Maruszczyk-Tonabnehmern sitzen allerdings keine Alnico-Magnetstäbe, sondern polierte Stahlpole, die von unten durch einen Keramikmagnet aufgeladen werden. Eine gewisse Klangmodernisierung ist daher zu erwarten, auch wenn die Schaltung ansonsten rein passiv arbeitet.

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Die hochglanzpolierten Stahlpole der Maruszczyk-Singlecoils werden von unten durch einen keramischen Barrenmagnet aufgeladen. (Bild: Petia Chtarkova)

Praxis

Die offenen Vintage-Tuner gehen zwar ziemlich stramm, aber spielfrei und gleichmäßig, sodass sich eine präzise, stabile Stimmung damit herstellen lässt. Ausgesprochen angenehm ist das maß- volle Gewicht von knapp 3,5 Kilogramm, zumal der handliche Bass gut ausbalanciert am Gurt hängt; große Gurthalter sorgen dafür, dass er sich davon nicht unbefugt lösen kann. Natürlich liegt das Hauptargument für einen Kurzmensur-Bass im leichtgängigeren Spiel, und dieses Versprechen löst der Maruszczyk äußerst überzeugend ein. Denn normalerweise muss man bei einem Shortscale gewisse Abstriche in der Tonartikulation hinnehmen, die eben etwas unkontrollierter oder gar pappiger ausfällt als bei einem Longscale.

Dass sich der Elwood Short (außer durch flitzeflinke Bespielbarbeit) nichts von seiner Kurzmensur anmerken lässt, darf man direkt auf die hochwertigen Materialien und die kompetente Konstruktion zurückführen. Keine Wummerbässe, keine pappige ESaite – hier gibt es filigrane Tondetails und knurrigen Growl bis zum tiefsten Ton. Der Shortscale kann sogar richtig energisch zupacken und liefert präzise fundierte Draht-Sounds mit einer Dynamik, die ihn von einem Longscale nicht unterscheiden lässt. In klanglicher Hinsicht bekommt der absolut akkurat und fehlerfrei gebaute Viersaiter die Bestnote! Seine Maruszczyk-Singlecoils überzeugen zudem durch kerngesunden Ausgangspegel und klar detaillierte Darstellung aller Frequenzbereiche. Die vorweg angenommene Klang-Modernisierung ist dabei durch den weiten Frequenzumfang mit sauberem Tiefbass und crispen Highlights auch voll eingetreten, wobei freilich nicht der typische Präsenzbiss der J-Singlecoils auf der Strecke bleibt.

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So kerzengerade gewachsenen Ahorn sieht man selten. (Bild: Petia Chtarkova)

Resümee

Wer ein bequemes Qualitätsinstrument sucht, mit dem man mühelos auch abendfüllende Auftritte absolvieren kann, ist bei diesem Seventies-Flitzer an der richtigen Adresse. Der Elwood Short ist leicht, extrem angenehm spielbar und bietet diesen Komfort ohne klangliche Abstriche. Hier kann man hören, dass sich gute Klanghölzer, akkurate Verarbeitung und kompetente Zusammenstellung aller Komponenten auszahlen!

 

Plus

  • Klangverhalten, Sounds
  • Spielbarkeit, Gewicht
  • Hölzer, Verarbeitung
  • Ausstattung

 

Maruszczyk Elwood_profil

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