Masterpiece!

Marleaux MBass Custom 5-string im Test

5-String-Bass von Marleaux, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Einfach nur einen Bass zum Spielen bekommt man woanders billiger; wer sich bei Marleaux meldet, hat deutlich höhere Ansprüche. Und wer dort ein Custom-Modell ordert, sucht etwas, das man sonst nicht bekommt.

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Fraglos haben exklusive Materialien und sorgfältige Handarbeit aus Deutschland ihren Preis. Doch gibt es über die schiere Qualität hinaus noch einen Faktor, der schwerer zu beziffern ist. Man könnte dieses gewisse Extra als Inspiration bezeichnen, was bei einem Custom-Bass den besonderen Kick, die Überraschung und die unnachahmliche Einzigartigkeit ausmacht. Dieser schmucke Fivestring von Marleaux hat viel von allem, und das auf höchstem Niveau. Aber besonders hat er eines, nämlich seinen ganz persönlichen und unerhört eigenen Charakter.

 

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Die Tofferit-Polklingen der Delanos unterstützen eine besonders markante Mittenwiedergabe. (Bild: Dieter Stork)

 

Dunkles Holz und tiefer Ton

Der MBass ist ein elegantes Singlecut-Design, bei dem der oben mit dem Hals vereinte Body Ersteren wirksam versteift, der Übergang befindet sich bereits in Höhe der 14. Lage. Und Steife lässt sich beim Hals eines Saiteninstruments gleichsetzen mit geringer Schwingungsdämpfung. Der Singlecut entlockt den Saiten also eine längere Klingdauer und einen intensiveren Ton.

Dabei helfen auch die übrigen Baudetails der „durchgeleimten“ Halskonstruktion, die aus drei Streifen hartem Ahorn mit schöner Flammung bei den Seitenstücken besteht, eine kleine und sehr stabil ausgeführte Kopfplatte mit Maserpappel-Frontbelag besitzt und bis unter den Hals-Pickup in den Korpus hineinragt. Im dicken Ebenholzgriffbrett sitzen 24 Jumbobünde und ein Nullbund, eingefasst durch ein unsichtbares, ebenhölzernes Binding, sodass keine Bundschlitze zu sehen und erst recht keine überstehenden Bundenden zu beklagen sind. Im Korpusbereich wird der eingeleimte Hals vorne durch den mittleren Deckenstreifen, hinten durch einen Mittelstreifen aus dem Holz des Walnussbaums verdeckt.

Walnut ist zwar kein unbekanntes Holz im Instrumentenbau, wird dort aber, wenn schon, eher für schöne Oberflächen eingesetzt – selten hingegen, wenn es um die Substanz geht. Bei diesem Custom-Bass ist es allerdings eine substanzielle Zutat, denn der Korpus besteht daraus. Ins Auge fällt zunächst natürlich mehr die spektakuläre Decke aus Maserpappel, aber die ist im Vergleich zur Walnut-Basis eher dünn und bildet deshalb nicht das klangliche Rückgrat des Instruments. Vielmehr ist es das dunkle Walnut-Holz, welches diesem Custom-Modell seinen tiefen Ton verleiht.

Selbstverständlich ist der Marleaux bis in jede Feinheit höchst akkurat verarbeitet, praktisch jeder Übergang zwischen verschiedenen Hölzern durch ein feines, dunkles Trennfurnier abgesetzt und die Oberflächen in dezentem Seidenmatt versiegelt. Bei aller Üppigkeit hat dieser Fivestring nichts Ordinäres, er ist ein schöner Bass, dem man sein hohes Niveau ansieht.

 

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Trotz wirksamer Halsabstützung kommt man bei dem Singlecut ungehindert in die höchsten Lagen. (Bild: Dieter Stork)

 

Die stimmige Ausstattung des Marleaux MBass Custom 5-string

Natürlich muss man für ein solches Sahnestück nicht jedes Einzelteil neu erfinden, schließlich haben sich die gekapselten Schaller-Tuner und der Masse-Flachsteg mit den festgeklemmten 3-D-Saitenreitern bestens bewährt. Sicherheits-Gurthalter sitzen versenkt im Korpusholz, ebenso eine E-Fach- Abdeckung aus Ahorn.

Allerdings hat Marleaux ein Paar ungewöhnliche Tonabnehmer für den Custom-Fünfsaiter ausgewählt, es handelt sich um „Times Square“-PUs von Delano. Diese Soapbars fallen durch ihre schmalen Magnetpole auf, sie tasten jede Saite mit jeweils zwei schmalen Polklingen ab, schärfer als ein gewöhnlicher Humbucker. Das verspricht zusätzliche Offenheit und Präsenz, die sich hier mit der Power eines Zweispulers verbindet. Die Polstücke bestehen aus einer speziellen Weicheisen-Legierung, die in etlichen Versuchen zur Optimierung der Mitten-Durchsetzungskraft ermittelt und „Tofferit“ getauft wurde. Kräftige Kerlchen mit Biss, diese Delanos!

Zwei dreistufige Kippschalter machen die Pickups zudem noch variabel: Spulen in Serie, Spulen parallel und Singlecoil, wobei sich jeweils die stegfernere Spule abschalten lässt. Das erlaubt neun verschiedene Grund-Sounds, als Nuancen-Vervielfacher agiert danach der Überblender. Um die Sache nicht zu überfrachten, gibt sich der Custom mit einem aktiven Zweiband-EQ zufrieden, schließlich kann der potente Fivestring allein schon passiv wesentlich mehr als die meisten anderen Bässe. Im Volume-Knopf sitzt der Zugschalter, mit dem sich die Klangregelung aus dem Signalweg herausnehmen lässt. Im Passivbetrieb steht dann statt der konzentrischen Regler für Bass und Treble eine klassische Höhenblende bereit, um die Ergebnisse zu perfektionieren. Wer es lieber einfach mag, für den mag der Marleaux zu viele Knöpfe haben. Aber sie zeigen sich gut sortiert und vermögen aus dem Fivestring unzählige feine Nuancen wie auch krasse Unterschiede hervorzulocken.

 

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Extrem sauber ist die Verarbeitung auch dort, wo man nicht so einfach hingelangt. (Bild: Dieter Stork)

 

Spielerlebnis mit dem Marleaux MBass Custom 5-string

Wie dieser Longscale den ersten Saitenanschlag quittiert ist bemerkenswert, denn hier liegt trotz abrupten Ansprechens eine machtvolle, souveräne Ruhe im Ton. Der MBass hat etwas Lauerndes, Tiefgründiges in seinem dunklen Timbre, was nur auf Basis eines mehr als gesunden Bass-Sustains entstehen kann. Das alles auf den Nussbaum-Korpus zu schieben, ginge wohl zu weit. Aber das Zusammenwirken von „durchgeleimtem“ Hals, stützendem Singlecut-Design und sattknurriger Walnut-Färbung erzeugt tatsächlich ein Schwingwunder!

Fraglos haben die gut gewählten Delanos ihren besonderen Anteil daran, den eindrucksvollen Holzklang markant ins Elektrische zu übersetzen. Ihre Kraft fällt sofort auf, die allgemeine Abstimmung könnte man als dezent klar bezeichnen, es werden also alle Frequenzbereiche berücksichtigt, ohne dass selbst bei kräftigen Impulsen spitze und metallische Facetten die Überhand gewinnen und der Klang ins gitarrenhafte abdriftet. Wer es lieber ganz offen und mit ungedämpften Highlighs mag, wird im Singlecoil-Modus perfekt bedient. Im sattstrammen Punch und vor allem in den Growl-Mitten zeigen die Times-Square-PUs jedoch in jedem Fall echte Chefmanieren, die dem MBass-Ton machtvollen, konkreten Schub verleihen, ohne dass es wummert: Stark, im Wortsinn.

Was den Custom-Fünfsaiter zum Meisterstück macht, ist allerdings nicht allein die schiere Kraft, sondern die gelungene Verbindung mit der Feinheit. Ausgesprochen willig und direkt, dabei akzentuiert und detailreich folgt das Instrument feinsten spielerischen Wendungen und Gewichtungen, was ein deutliches Plus an Ausdrucksmöglichkeiten beschert. Auch bei begrenzter Finesse gibt sich der MBass jedoch keineswegs unbarmherzig und schroff, sondern tendenziell immer gutmütig, weil sich hier eben so viel in den unteren Registern abspielt, wo der Bass nach Bass klingt.

 

Resümee

Extrem entgegenkommende Bespielbarkeit, beste Hölzer und piekfeine Verarbeitung sind bei einem MBass Custom selbstverständlich. Für die meisterliche Kompetenz des Herstellers spricht, dass es hier noch ein ganz gewisses Extra gibt, welches den Bassbau zur Bassbaukunst erhebt, nämlich den unverwechselbaren Charakter. Davon hat der Marleaux viel, sogar sehr viel – und das will etwas heißen, bei dieser enormen Variabilität und Nuancenvielfalt! Die machtvolle Souveränität im hypergesunden Ton, der unheimliche Growl und das dunkle Walnut- Timbre verdichten sich hier zu einem stimmigen Performer, den man nicht so schnell vergisst.

 

Übersicht

Fabrikat: Marleaux

Modell: MBass Custom 5

Typ: fünfsaitiger E-Bass mit Massivkorpus

Herkunftsland: Deutschland

Mechaniken: schwarz; gekapselte Schaller M4 Tuner, Marleaux Flachsteg 3D, Schaller Security Locks

Hals: eingeleimt; dreistreifig Ahorn m. Walnut- Trennfurnieren

Griffbrett: Ebenholz mit Ebenholz-Binding

Halsbreite: Nullbund 45,5 mm, XII. 67,3 mm

Bünde: 24 Jumbo + Nullbund

Mensur: 866 mm, Longscale

Korpus: Seitenteile und Mittelstreifen aus Walnut, dreiteilige Maserpappel-Decke

Oberflächen: seidenmatt lackiert

Tonabnehmer: passiv; 2× Delano Times Square Humbucker

Elektronik: passiv/aktiv; Zweiband-EQ und passive Höhenblende

Bedienfeld: Volume (Zugschalter aktiv), 2× Dreiweg-Kippschalter f. PU-Sounds, Balance, Höhenblende passiv, Bässe/Höhen aktiv

Saitenabstände Steg: einstellbar; justiert auf 19 mm

Gewicht: ca. 4,1 kg

Lefthand-Option: ja

Vertrieb: Marleaux

38678 Clausthal-Zellerfeld

www.marleaux-bass.com

Zubehör: Gigbag, Zertifikat, Gurt-Gegenstücke, Einstellschlüssel

Preis: ca. 3550

 

Plus

  • Klangverhalten, Growl, Schwingenergie
  • Klangnuancen
  • Variabilität
  • Bespielbarkeit
  • Hölzer
  • Konstruktion
  • Verarbeitung

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