Masterpiece!

Magnus Guitars Aku Bass V Fretless im Test

Einen ausgewogenen E-Bass zu bauen, ist nicht sonderlich schwer, verglichen mit den handfesten Problemen, die eine rein akustische Konstruktion mit sich bringt. Manche Schwierigkeiten umschifft der Magnus-Fivestring geschickt, allen anderen stellt sich der grandiose Akustikbass kompetent und mit besten Ergebnissen.

Magnus Guitars - Front
(Bild: Dieter Stork)

Soviel ist also schon verraten, dieser Akustikbass hat große Stärken. Und das, obwohl er weder eine besonders lange Mensur, einen besonders riesigen Korpus oder exotische Sondertricks anwendet. Ausgesuchte Materialien und meisterlich ausgeführtes Handwerk gehören allerdings dazu, ebenso gute Ideen. Der Aku V, hier in der Ausführung mit Mediumscale, gibt sich jedenfalls bemerkenswert gelungen.

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Konstruktion

Grundsätzlich ist der Fünfsaiter mit oder ohne Cutaway zu haben, ebenso wahlweise mit deutschem und spanischem Halsfuß; das macht im Endpreis eine Spanne von bis zu 500 Euro aus. Der Testbass hat alle Extras, aber hilfreich wäre natürlich zunächst eine Erklärung, warum man wofür mehr ausgeben kann. Beim Cutaway liegt es auf der Hand: Wer auch in höchsten Lagen bequem unterwegs sein will, der braucht es; doch wer den Bass eher traditionell in den unteren Lagen benutzt, kann 200 Euro sparen und bekommt ein kleines Plus an zusätzlichem Resonanzraum geboten.

Der Unterschied zwischen deutschem und spanischem Halsfuß geht einerseits in Klangverhalten ein, andererseits erzeugt der unterschiedliche bauliche Aufwand auch Kosten. Einfacher zu bauen ist jedenfalls der deutsche Halsfuß, bei dem der Hals in eine keilförmige Tasche des fertig gebauten Bodys eingeleimt wird. Komplizierter und deswegen 300 Euro teurer ist die spanische Bauweise, wo die Zargen in einen Schlitz des Halsfußes eingeleimt werden. Zudem stützt der spanische Fuß den Saitenzug wirksamer auf den Korpusboden ab und ein Blick durchs Schallloch lässt erkennen, dass bei unserem Testbass diese Konstruktion fast bis zum ersten Querbalken mit dem Boden verleimt ist.

Massive Hölzer sind für die handgebauten Magnus-Instrumente selbstverständlich, Boden und Zargen sind jeweils zweiteilig aus Swietenia-Mahagoni gebaut, die zweiteilige, mit Naturholz-Binding eingefasste Decke aus Fichtenholz. Eine leichte Kreuzverbalkung stabilisiert die Schwingdecke. Der Mediumscale-Hals unseres Testexemplars ist einteilig aus Swietenia hergestellt und mit einem bundlosen Ebenholzgriffbrett versehen. Auch die nach hinten abgewinkelte Kopfplatte ist ein Teil mit dem Hals, beim Blick aufs Stirnholz erkennt man die genau senkrecht stehenden Jahresringe. Ein Frontaufleimer aus Palisander korrespondiert mit dem Material des Stegs auf dem Korpus.

Obwohl sich am Aku-Bass keinerlei Potiknöpfe oder sonst auffällige Elektro-Bauteile finden, ist er für elektrische Verstärkung gerüstet; in der Steg-Saitenauflage sitzen nämlich fünf passive Graph-TechPiezos, deren passives Ausgangssignal auf die Gurthalter-Klinkenbuchse herausgegeben wird, die im Zargenrund sitzt. Absolut akkurate Verarbeitung und ausgesuchte Klanghölzer zeichnen dieses Qualitätsinstrument aus, eine offenporige Mattversiegelung schützt die Oberflächen.

Im Palisandersteg sitzen fünf passive Piezo-Tonabnehmer.
Im Palisandersteg sitzen fünf passive Piezo-Tonabnehmer. (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Eingelegte Fretlines erleichtern die exakte Intonation, ob das allerdings auch für die in normalen Positionen wie beim Bundbass sitzenden Dot-Marker in der Griffbrettflanke gilt, ist Geschmackssache. Meines Erachtens sollten sie besser exakt auf den Fretlines sitzen, aber das kann ja jeder selbst bei der Bestellung aussuchen. Um die Halskrümmung exakt auf die persönlichen Vorlieben einstellen zu können, ist der Spannstab unkompliziert von der Kopfplattenseite aus justierbar. Der mittelbreite Fivestring-Hals liegt angenehm wie beim E-Bass in der Hand, erwachsene Saitenabstände von 18,5 mm am Steg sorgen für volldynamische Spielbarkeit. Auch die Korpusmaße sind auf Komfort ausgelegt, an der tiefsten Stelle ist der leicht keilförmige Resonanzkorpus 115 mm dick, was in etwa der Stärke einer normalen Westerngitarre entspricht.

Einen fünfsaitigen Akustikbass zu bauen, das auch noch im Mediumscale, ist mutig. Schließlich stellt die Wiedergabe einer tiefen H-Saite besondere Anforderungen an eine Akustik-Konstruktion, die der relativ kompakte Magnus-Bass aber von vornherein umschifft: Statt mit tiefem H ist dieses Instrument sinnvollerweise mit einem hohen C als fünfte Saite bestückt. Und der Aku-V liefert damit einen grandios fülligen, feinen und ausgewogenen Akustikklang. Dabei ist viel Kontrabass-Timbre im Attack-Wumms enthalten, zugleich stützt das bemerkenswert lange Sustain den klagenden Fretless-Charakter wirkungsvoll – es ist eine Freude, wie differenziert man sich auf diesem Instrument ausdrücken kann!

Um auch noch die feinsten Klangdetails einzufangen, empfiehlt sich im Studio die Mikrofon-Abnahme, aber auch der Elektroton der eingebauten Piezos überzeugt vollkommen. Hier stehen dann vor allem die bassige Dichte und Direktheit als Vorteil bereit, wobei ein Mix aus beiden Abnahme-Arten beide Welten zusammenbringt.

Der spanische Fuß stützt den Hals wirksam gegen den Korpusboden ab.
Der spanische Fuß stützt den Hals wirksam gegen den Korpusboden ab. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Akustikbass und fünf Saiten, das klingt nach Kompromiss. Umso mehr, als dass dieses Instrument nur eine verkürzte Medium-Mensur besitzt. Das Ergebnis ist allerdings total begeisternd, zum einen, weil Magnus Krempel meisterliche Aku-Bässe mit ausgesprochen kultivierten Klangeigenschaften baut, zum anderen, weil er diesen bundlosen Fivestring nicht mit tiefem H, sondern mit hoher C-Saite ausgestattet hat. Heraus kommen ausgewogen füllige wie detailfeine Akustik-Sounds mit markantem K-Bass-Wumms und berührend sensiblem Fretless-Timbre – ein Meisterbass für Meisterbassisten!

 

Plus

  • Klangverhalten, Feinheit
  • Lautstärke, Ausgewogenheit
  • dichter Elektroklang
  • Spielbarkeit

Minus

  • Platzierung der Dots in der Griffbrettflanke Geschmackssache

 

Profil

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Der Artikel macht Lust auf eine Hörprobe! Vielleicht gibt es ja rgendwo einen Link?

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