Chamäleon

LTD by ESP MM4FM Marco Mendoza Signature im Test

Marco Mendoza ist ein vielseitiger Bassist, das sieht man seinem Signature-Modell sofort an. Der MM4FM ist ein konsequent aufgepimpter Precision mit guten Zutaten und nobler Optik, was aus dem erdigen Rocker eine universelle Maschine machen soll.

(Bild: Dieter Stork)

Der solide Steg, der Extender für die E-Saite, die aktive Pickup-Bestückung und hohe, fette Bünde, das sind eindeutig Signale, die vom puren Traditionalisten wegführen. Doch die Eingriffe gehen sogar noch tiefer, auch die Holzkonstruktion zeigt eigene Züge, die dem bewährten, aber auch betagten Player Beine machen sollen.

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Modernisierung

Zwar sind hier einige Grundzutaten vom Vorbild vorhanden, wie die Erle-Basis beim Body und der Ahorn-Anteil im vierfach aufgeschraubten Hals. Letzterer ist freilich fünfstreifig gebaut, mit drei breiteren Ahornstreifen und zwei schmaleren aus Walnut – was gegenüber der einstreifigen Tradition mehr Präzision und Direktheit verspricht. Ebenfalls beschleunigend wirken die 21 extrahohen Jumbo- Bünde im Ahorngriffbrett, und zwar auf den Spielfluss. Die abgewinkelte Kopfplatte sorgt automatisch dafür, dass die Saiten fest im Sattel bleiben, passend zum Korpus besitzt auch sie einen Riegelahornbelag und ist hochglänzend lackiert.

Oberflächlich betrachtet, passt der Gotoh-Steg zur traditionellen Korpusform. Allerdings handelt es sich hier um ein besonders solides Messingteil, welches der Ansprechgenauigkeit und der Sustain-Entwicklung nachhilft. Am anderen Saitenende ist in Form der offenen Grover-Tuner ebenfalls Vintage-Aussehen angesagt; doch auch hier ist zeitgemäßer Standard vorhanden, wobei die Gängigkeit der Mechaniken an Inbusschrauben nachjustiert werden kann und die in der Mitte eingeschnürten Wickelachsen für perfektes Aufwickeln der Saitenenden sorgen. Zudem ist die E-Saite mit einem Hipshot Extender versehen und kann ganz auf die Schnelle per Hebel auf ein feinjustierbares Alternativ-Tuning umgestimmt werden.

Auch die Elektro-Ausrüstung gehört zu den Tuning-Maßnahmen, denn es ist ein aktives PJ-Set der X-Serie von EMG vorhanden. Das Besondere daran ist der erweiterte Headroom der eingebauten Preamps sowie flache, gedrungene Spulen mit Keramikmagneten. Geradezu puristisch ist jedoch das Bedienfeld, wo auf Klangregler komplett verzichtet wurde und nur ein Überblender plus Master-Volume vorhanden sind.

Durch die abgeflachte Verschraubungszone kommt man unverkrampft in hohe Lagen. (Bild: Dieter Stork)

Leichtgängigkeit

Bei voller Preci-Breite ist der Hals angenehm flach geformt, was der Hersteller „Thin U“ nennt. Auffällig leichtgängig flutscht man mit den Fingern übers Griffbrett, wofür auch die hohen XJ-Bundstäbchen verantwortlich sind. Das befördert aktuelle Shredder-Spielstile, wobei man aber entspannt bleiben sollte, denn zu festes Drücken kann den einzelnen Ton auch aus der Stimmung bringen (der Effekt ist freilich nicht so stark wie bei ausgehöhltem Griffbrett). Die Verschraubungszone am Korpus ist abgeflacht, damit man unverkrampfter in die höchsten Lagen kommt. Mit einem Gewicht von gut 4,4 kg ist der Mendoza-Viersaiter ein Heavy-Player, der am Gurt mit der formtypischen Neigung zur Waagerechten hängt.

Die hochfrisierten X-Tonabnehmer von EMG gehen vernehmlich kraftvoll zu Werke, der Bass liefert ein starkes Ausgangssignal mit viel Power in allen Frequenzbereichen. Das passt gut zur allgemein hochfrisierten Charakteristik des MM4, der sehr präzise anspricht und eine ungewöhnlich üppige Sustain-Entwicklung mit frischer Brillanz an den Tag legt. Alle Modernisierungen machen sich schon im Grundklang der Schwingkonstruktion bemerkbar und werden von den Aktiv-Tonabnehmern mit Power und Frische in Szene gesetzt. Klangregler? Auf weitere Knöpfchen kann man aufgrund der rundum lebendigen Klangleistungen des Mendoza- Viersaiters tatsächlich verzichten und sich ganz auf die Freude am Spielen konzentrieren.

Disziplin für den Hals

Wenn es darum gehen soll, den eigenen Klangcharakter der Hölzer zu betonen, sind einteilige Konstruktionen vielversprechend. Allerdings ist man dann dem spezifischen Resonanzverhalten des gerade vorliegenden Holzstücks auch ausgeliefert. Mehrstreifige Halskonstruktionen agieren da neutraler, weil die mehrfache Verleimung in der Regel mehr Steife einbringt, Biegeschwingungen und vorwitzige Resonanzen diszipliniert. Man kennt es: Bässe mit einstreifigem Hals klingen holziger und charakterstärker, mehrstreifige hingegen exakter, brillanter und direkter. Und in aller Regel sind Letztere auch besser gegen Verziehen gewappnet, zumindest wenn die gewählten Hölzer sich gut vertragen.

Unter der schwarzen Oberfläche steckt Sustainförderndes Messing. (Bild: Dieter Stork)

Alternativen

Er sieht zwar im Umriss so aus wie ein Klassiker, verhält sich aber nicht so: Der Mendoza- LTD ist spieltechnisch und klanglich viel moderner und überholt damit auch manch anderes hochfrisiertes Modell auf PBasis. Fender hat natürlich etliche Modified-Modelle auf dem Markt, allerdings darf man aber den grundsätzlichen Einfluss eines Fünfstreifen- Halses auf den Charakter nicht unterschätzen.

Der Umstimmhebel lässt sich ggf. ganz wegklappen, damit er das Spiel in der tiefsten Lage nicht behindert. (Bild: Dieter Stork)

Auf der Suche nach vergleichbarem Potential wird man deshalb eher bei den moderneren Formen fündig werden, die nicht nur in der Ausstattung, sondern auch in der Holzbasis ähnliche Konstruktionsmerkmale aufweisen. Insofern ist die Kombination von Vintage-Look und zeitgemäßen Möglichkeiten beim MM4 ein Alleinstellungsmerkmal.

 

Resümee

Dass dieser Bass ein echtes Signature-Modell ist und nicht nur einen bekannten Namen als Werbemaßnahme verwendet, wird beim Antesten schnell deutlich. Denn die Preci-Basis ist in so vielen, auch tiefgreifenden Details sinnvoll hochfrisiert, dass tatsächlich das passende Instrument für einen flexiblen Bass-Profi dabei herauskommt. Die traditionelle Form ist ohne Weiteres bühnentauglich, und die stark aufgefrischten Klangleistungen umso mehr.

Plus

  • zeitgemäße Klangeigenschaften
  • hochwertige Ausstattung inkl. Extender
  • leichtgängige Spielbarkeit
  • Aussehen, Verarbeitung

Minus

  • erhöhtes Gewicht

Aus Gitarre & Bass 11/2016

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