Avantgarde: Pfiffige Verbindungen

Le Fay Remington Steele 4 PIPE im Test

Der Remington Fretless mit dem ungewöhnlichen Griffbrett ist einer der eindrucksvollsten Bässe seiner Art und praktisch nicht zu toppen. Da erscheint ein weiteres, einzigartiges Baudetail fast nebensächlich, mit dem die Nobelbassbauer versuchen, die eigene Highend-Klasse zu übertreffen.

Le Fay Remington Steele - Front
Dieter Stork
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Wer seinen spielerischen Ausdruck nicht durch Bundstäbchen limitieren möchte, lässt sie eben weg. Doch Fretless-Bässe sind ausgesprochen unterschiedlich in der Klangausprägung, manche schnurren willig, andere geben sich störrisch, auf manchen trifft man fast automatisch den richtigen Ton, auf anderen ist es eine peinliche Herausforderung. Das hat zunächst weniger mit dem eigenen Können zu tun, als man annimmt. Weil beim Fretless der Saitenton im direkten Kontakt mit der Grundkonstruktion entsteht, gehen deren Eigenschaften ungleich kritischer ins Ergebnis ein, als wenn metallene Bundstäbchen dazwischen liegen, die von vornherein für direkte Ansprache, ungedämpftes Ausklingen und ein Plus an Brillanzen sorgen.

Davon wird beim bundlosen Spiel eine gehörige Portion durch die weichen Fingerkuppen abgedämpft; umso entscheidender ist nun, was dennoch vom Ton übrigbleibt und was unterstützend vom Instrument kommt. Hochgezüchtete Schwingfreude und kernige Mittenstärke können Dämpfungsverluste ausgleichen, die besten Player sind deswegen entsprechend aufwendig gebaut. Im Remington Steele steckt zudem ein ebenso konsequenter wie ungewöhnlicher Gedankenansatz, in der PIPE-Version noch eine neuartige Verbindung zwischen Hals und Korpus.

Konstruktion

Wenn doch die Metallbünde einen so belebenden Einfluss auf den Ton haben, ist es eine hervorragende Idee, einen Fretless mit einem einzigen, großen, flachen „Bundstäbchen“ als Kontaktfläche zu versehen. Beim Remington Steele werden die Saiten auf einen Edelstahl-Untergrund gedrückt, der mehr vom „Bund-Sound“ bringt − aber ohne Stufen. Weniger Dämpfung, mehr Brillanz und Direktheit, darum geht es hier, und da kann ruhig was in den Fingern stecken bleiben. Der fünfstreifige Padouk-Hals ist mit einem polierten Metallgriffbrett versehen, welches 27 Spiellagen umfasst und rundum mit Ebenholz eingefasst ist. Edelstahl und Holzbasis gehen eine harmonische Verbindung ein, und schaut man auf die Griffbrettflanke, helfen im schwarzen Ebenholzbinding grellweiße Bundmarkierungen bei der Intonation.

Der stark unsymmetrische Korpus geht in der einseitigen Abstützung des Halses stabilitätsmäßig schon in Richtung Singlecut, dennoch sind zwei Korpushörner − für die perfekte Balance am Gurt − vorhanden. Der Body ist aus zwei Teilen markant geflammter amerikanischer Kirsche gebaut, auch das ein besonderer Leckerbissen. Und weil die Dobbratz-Brüder mittlerweile über ausgeklügelte Fertigungswerkzeuge verfügen, können sie eine ganz eigene Hals/Korpus-Verbindung realisieren, die sie PIPE nennen. Dabei taucht der Hals in seinem ursprünglichen Halbrund-Profil in den Body ein und ist in der passend gefrästen, halbrunden Korpustasche fest verleimt. Durch die PIPE muss etwa ein Drittel weniger Korpusholz weggefräst werden, was den kritischen Hals/Korpus- Übergang nur stärken kann.

In jedem Fall ist das eine eigenständige und handwerklich bemerkenswerte Lösung, die derzeit allerdings auch mit einem entsprechenden Aufpreis verbunden ist. Verarbeitet ist der noble Viersaiter schlichtweg perfekt, die Holzoberflächen sind in Königsgüte mit seidigem Mattlack versiegelt.

Der lang angelegte Korpus stützt den Hals wirksam wie bei einem Singlecut-Design.
Dieter Stork
Der lang angelegte Korpus stützt den Hals wirksam wie bei einem Singlecut-Design.

Ausstattung

Die Luft wird in der absoluten Spitzenklasse dünn, da kann man nicht mehr einfach Standard-Teile von der Stange verwenden. Le Fay hat dies schon lange erkannt – und baut praktisch alles selbst, von den Tonabnehmern über den Steg bis hin zum Halsspannstab und den Potiknöpfen. Nur die drei Sicherheits-Gurthalter am Korpus und die gekapselten Tuner auf der Kopfplatte stammen vom Qualitätshersteller Gotoh. Eine besondere Bedeutung für den Klang hat der superstabile Steg, bei dem jeder Saitenreiter durch zwei Inbusschrauben fest auf die massige Grundplatte aufgepresst wird, sodass sich das Konstrukt wie ein einziges Teil verhält. Und mit den fein behandelten Oberflächen auch noch toll aussieht.

Drei Singlecoils eigener Fertigung können an einem sechsstufigen Drehschalter in verschiedenen Kombinationen angewählt werden, was dem Fretless auf rein passive Weise sechs deutlich verschiedene Sounds entlockt. Aktive Nachhilfe ist deshalb verzichtbar, ein Volume-Regler und eine passive Höhenblende runden hier die Elektroabteilung ab. Auf Wunsch werden natürlich auch aktive Klangsteller angeboten.

Praxis

3,9 Kilogramm wiegt der Viersaiter und hängt mit absolut ausgewogener Balance am Gurt, dabei schmiegt sich das Instrument stabil an den Körper. Die tiefsten Lagen sind entspannt und ohne langen Arm erreichbar, sogar bis zur 27. Lage gelangt man − aufgrund des tief ausgeschnittenen Cutaways und des halb freiliegenden, angenehm flach geformten Halses − ungehindert. Das ist ergonomische Perfektion! Am Korpusende kann man zwischen zwei Gurt-Aufhängungspunkten wählen, je nachdem, ob der Bass eher flach am Körper liegen soll oder mit leicht zugewandter Oberfläche; die Gotoh-Gurthalter bieten, nicht nur mit den arretierbaren Gegenstücken, sondern auch ohne diese, verlässlichen Halt.

Und das Metallgriffbrett wirkt: Sonores Schnurren mit gehörig intensivem Sustain sind allerdings nicht nur Verdienst des Edelstahls, sondern auch in der kompetenten Holzkonstruktion aus Padouk und Kirschholz begründet. Beides wirkt vorbildlich zusammen, wobei sich dieser Fretless tatsächlich nicht den Unwägbarkeiten des reinen Holztons aussetzt. Durch den zuverlässig gleichmäßigen Edelstahl-Untergrund geraten auch alle Töne sehr gleichmäßig, das charaktervolle Knurren und Schnurren stellt sich in tiefsten Lagen ebenso üppig ein wie in den höchsten, hier gibt es keine schwächeren, geschweige denn tote Stellen. Zugleich ist auch jede Tonansprache so präzise und brillant, dass auch nach der unweigerlichen Dämpfung durch die Fingerkuppen noch reichlich Definition im Elektroklang übrigbleibt.

Was rein akustisch noch metallisch klingt, kommt übrigens am Ende warmholzig knurrig, fett tragend und charaktervoll klagend rüber, was einen Fretless-Sound erster Güte sichert. Mit den sechs Einstellungen tastet sich das Singlecoil-Trio durch die verschiedenen Timbre-Varianten, wobei der Klang im Uhrzeigersinn immer fetter und saftiger wird. Stellung 1 ist dem stegnächsten Singlecoil im Alleinbetrieb vorbehalten, Stellung 2 kombiniert den Steg-PU mit dem mittleren in Parallelschaltung. In der Schalterstellung 3 arbeitet der Steg-PU mit dem in der Halsposition zusammen, während Stellung 4 den Hals-Pickup alleine anbietet.

Die letzten beiden Schalterstellungen liefern grollendes Rockpfund, wobei Stellung 5 die Singlecoils in Steg- und Mittelposition hintereinanderschaltet, Stellung 6 wendet die Serienschaltung auf Steg- und Hals-Pickup an.

Ein magnetfixiertes Holz-Deckelchen verdeckt den Zugang zum Halsspannstab.
Dieter Stork
Ein magnetfixiertes Holz-Deckelchen verdeckt den Zugang zum Halsspannstab.

Resümee

Ohne Frage ist man mit dem Remington Steele fretless-mäßig in der absoluten Spitzenklasse unterwegs, der Viersaiter schnurrt und knurrt einfach intensiver und dabei auch noch gleichmäßiger als ein gewöhnlicher Holzbass. Durch das Edelstahl-Griffbrett erfahren die Saiten nämlich hörbar weniger Dämpfung, schwingen energetischer und zeigen zudem mehr feine Klangdetails. Rein akustisch hört sich das zwar metallischer an, aber davon bleibt zum Glück im Elektroton kaum etwas übrig, der Remington klingt satt und holzig, nur eben ungewöhnlich belebt.

Plus

  • Klangverhalten, Sounds
  • präzise Tonansprache, gleichmäßiges Sustain
  • Bespielbarkeit, Komfort
  • Hölzer, Bauweise
  • neuartige Hals/Korpus-Verbindung
  • Verarbeitung, Lackierung

 

Profil

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