Masterpiece

Le Fay Pulse 4 PIPE im Test

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(Bild: Dieter Stork)

Dass die Dobbratz-Brüder ganz ausgezeichnete Bässe bauen, ist interessierten Musikern schon immer aufgefallen. Nun gab es aber auch eine echt amtliche Auszeichnung für die hervorragende Qualität, den deutschen Musikinstrumentenpreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie!

Von namhaften Musikern und Instrumentenbau-Meistern wurden subjektive und objektive Kriterien bewertet und schließlich durch Labormessungen untermauert. Den ersten Platz in der Kategorie E-Bass teilen sich Reiner und Meik Dobbratz mit Gerald Marleaux, dessen prämierter Tiuz in der fünfsaitigen Variante bereits in Ausgabe 05/2017 vorgestellt wurde. Jetzt haben wir den Pulse-Viersaiter zum Test, der Le Fay die Auszeichnung eingebracht hat.

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schwere esche

Einst, in den fortschreitenden 1970ern, hatten sich die immer schwerer ausfallenden Fender-Bässe bei den Bassisten einen schlechten Ruf als Rücken-Killer eingehandelt. Schwere Esche war dann spätestens ab Mitte der Eighties out, leichte Sumpfesche das Patentrezept. Längst sind auch die Seventies-Fender aus Klanggründen rehabilitiert, Le Fay hat den Sound der Pfundsesche auch für sich entdeckt. Und den Preis bekommen. Da es sich um einen besonderen Pulse mit einigen Extras handelt, wird diese Ausführung künftig als Winner Edition herausgebracht.

Ganz normale Esche ist es nicht, welche in zweiteiliger Solid-Konstruktion den Winner-Korpus ausmacht. Feine Riegelungen spielen hier an, die derbe Maserung des Holzes belebt das Gesamtbild und wird mit einem Hauch Silberglanz in perfektem Seidenmatt präsentiert. Einfach lecker, eigen und dabei auch sehr ergonomisch geformt. Als Anspielung auf die Seventies ist der Hals mit hellem Ahorngriffbrett und schwarzen Block-Einlagen aus Ebenholz bestückt, allerdings wirkt die steife Grundkonstruktion dazu überhaupt nicht retro, sie besteht aus fünf Streifen Ahorn mit interner Carbon-Verstärkung.

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Der übersolide Steg ist eine Eigenanfertigung von Le Fay. (Bild: Dieter Stork)

Zu den besonderen Extras gehört die aufwendige Fertigung des Halses nach dem TAED-Prinzip, wobei eine Schutzlackierung bereits vor dem Einsetzen der Bundstäbchen aufgetragen wird, bevor das bundierte Ergebnis nachher nochmals in Seidenmatt versiegelt wird. Die Bünde sind in Premium-Manier eingesetzt, sodass ihre verrundeten Endstücke bereits vor der Griffbrettkante enden und natürlich dort auch keine Schlitze zu sehen sind. Das ist makellose Verarbeitung auf höchstem Niveau!

exklusive spezialitäten

Ein weiteres exklusives Le-Fay-Extra ist der B Bow, der eine niedrige Saitenlage mit geringstmöglichem Bundschnarren erlaubt. Ausgehend von der Beobachtung, dass dickere Saiten weiter ausschwingen als dünnere, besitzt der B-Bow-Hals eine zunehmend stärkere Krümmung zu den tiefen Saiten hin! Es handelt sich zwar „nur“ um 3/10 Millimeter, aber schon vorherige Testinstrumemte haben gezeigt, dass sich der deutliche Mehraufwand beim feinfühligen Formen des Halses lohnt und einen merklichen Effekt zeigt. Bislang wurde der B Bow nur für Fünf- und Sechssaiter angeboten, dieser Bass führt den asymmetrisch gekrümmten Hals jetzt auch bei Viersaitern ein.

Wiederum einzigartig ist eine andere Erfindung von Le Fay namens PIPE, wobei der Hals mit seinem runden Profil in den Korpus eingesetzt wird. Was natürlich eine absolut passgenaue Mulde im Body voraussetzt, für die die Dobbratz-Brüder eine präzise Fertigungstechnik gefunden haben. Also keine kastenförmige Verdickung oder sonstige Formveränderung im Bereich der Hals/Korpus-Verbindung, und mit diesem prämierten Bass gibt es die sonst eingeleimte PIPE erstmals auch mit Schraubverbindung.

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Der Zugang zum Edelstahl-Spannstab wird durch ein magnetisch gehaltenes Deckelchen verschlossen. (Bild: Dieter Stork)

Praktisch alle Basshersteller beziehen ihre Hardware von namhaften Spezialisten, aber Le Fay macht da eine Ausnahme. Zumindest beim Steg, der eine besonders solide Eigenkonstruktion mit extrafetter Grundplatte und zweifach schraubgeklemmten Saitenreitern ist. Auch der Edelstahl-Spannstab im Hals ist eine Eigenanfertigung, nur die gekapselten Tuner und die Sicherheits-Gurthalter stammen von Gotoh. Da die Ausschreibung für den Musikinstrumentenpreis zwei Humbucker vorsah, entwickelte der Hersteller für dieses Modell auch die entsprechenden Tonabnehmer. Üblicherweise verwendet Le Fay keramische Magnete, doch hier wurden Alnicos eingesetzt. Dabei sind die zweispuligen Hadiac-Humbucker intern leicht unsymmetrisch geformt, um im Singlecoil-Modus einen markanteren Sound-Unterschied zu erzeugen – per Kippschalter sind beide Tonabnehmer gleichzeitig auf drei Verdrahtungsvarianten umschaltbar, die Sounds von seriell, parallel und Singlecoil sind also mit einem Handgriff abrufbar.

Neu ist ebenfalls die Kooperation mit Andreas Richter, der für diesen Bass die Aktiv/Passiv-Elektronik entwickelt hat. Im Aktiv-Modus stehen Boost-Regler für Bässe und Höhen bereit, zusätzlich eine milde, passive Höhenblende. In die passive Betriebsart kommt man durch Herausziehen des ersten Volume-Knopfs, wodurch die beiden aktiven Booster abgeschaltet werden.

highend für finger und ohren

Obwohl beide Klangregler ihren Frequenzbereich nur anheben können, sind deren Einsteller mit einer Mittelrastung versehen, um den Benutzer zu animieren, auch tatsächlich einen (maßvoll) aktiv aufgepumpten Powersound als Grundlage zu wählen – für unbearbeitete Neutralität gibt es schließlich im Passiv-Modus. Wer die passive Tonblende wahlweise in beiden oder nur in der Passiv-Einstellung benutzen möchte, bekommt einen weiteren Push/Pull-Schalter in den zweiten Volume-Regler integriert.

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Das runde Halsprofil ist in der passgenauen Korpusmulde sechsfach verschraubt. (Bild: Dieter Stork)

Dass hier schwere Esche zum Einsatz kommt, merkt zuerst die Waage: 4,6 kg wiegt dieser Viersaiter und ist damit ein echtes Schwergewicht. Zum Glück merkt man davon aber praktisch nichts in der Schulter, weil das Instrument mit absolut perfekter Balance am Gurt hängt! Die hohlgewölbte Body-Rückseite schmiegt sich stabil an den Bauch an, der flache, wohlgeformte Hals mit den leicht zurückweichenden Griffbrettflanken liegt äußerst angenehm in der Hand und fördert zugleich exaktes, aufgeräumtes Spiel. Kraft muss man dafür nicht aufwenden, schließlich funktioniert dank des B Bow auch eine besonders niedrig eingestellte Saitenlage bemerkenswert schnarrfrei. Das – kombiniert mit der hochpräzisen, sensiblen Tonansprache – garantiert ein außergewöhnlich entspanntes Spielerlebnis.

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Der ergonomisch geformte Korpus wird auch durch die Massekonzentration am Korpusrund austariert. (Bild: Dieter Stork)

Wo man zwar am Gurt die schwere Esche nicht bemerkt, prägt ihr pfundiger Sustain-Ton doch unüberhörbar den Grundcharakter. In den Tiefen agiert das dichte Holz transparenter und straffer als die Sumpfesche, die mitunter leicht dröhnende Ergebnisse liefert. Und zusammen mit der ohnehin klaren, präsenten Artikulation des Carbon-verstärkten Ahornhalses ergibt sich ein sehr differenziertes Dynamikverhalten, der Winner-Pulse hat somit fraglos seinen Musikinstrumentenpreis verdient und wird wohl auch weltweit zu den besten Viersaitern zu zählen sein!

Die neuen Alnico-Zweipuler übertragen den souveränen Ton mit allen Feinheiten, fügen aber je nach gewählter Spulenverdrahtung auch Charakter und Eigensinn hinzu. Die bissig-präsente Singlecoil-Einstellung hat dabei manche Ähnlichkeit mit dem beliebten Jazz Bass, hier natürlich durch die highendige Holzkonstruktion und den Massesteg gehörig in allen Grundwerten hochfrisiert.

Wuchtig fundamentaler Schub kommt in der seriellen Einstellung hinzu, der typische Humbucker-Sound mit dem tiefmittigen Zentrum ist ein Traum für Rocker, während der Parallel-Modus die Frequenzbereiche passend für unauffälligere Bass-Tragkraft im Band-Hintergrund austariert. Stark ausgeprägt ist hier auch der trockene Mitten-Rückgang, wenn vom Einzel-Pickup zur Zweier-Kombination gewechselt wird. Auch ohne einen Klangregler zu berühren, bedient der Le Fay schon eine eindrucksvolle Bandbreite.

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Die neue Aktiv/Passiv-Elektronik wurde zusammen mit Andreas Richter entwickelt. (Bild: Dieter Stork)

Aber natürlich muss auch die neue Aktiv-Elektronik angemessen gewürdigt werden, denn sie funktioniert blitzsauber und ohne das geringste Nebengeräusch, selbst bei Extremeinstellungen. Bei den normalen Aktiv-Schaltungen benutzt praktisch niemand die Dämpfungen, zumindest nicht in den Tiefen. Deshalb ist die reine Auslegung als Booster sinnvoll, wobei der Bassregler breitbandig auch markanten Growl mit hochzieht und der Höhenregler unverstellte Klarheit mit filigranen Highlights liefert. Diese Wirkung und die passive Höhenblende stehen sich überhaupt nicht im Weg, weil Letztere zwar wirkungsvoll die Spitzen abmildert, aber zugleich auch eine feine Portion nasale Präsenz erzeugt. Besser kann man die Dinge nicht auf den Punkt bringen!

resümee

In den Gewinner-Bass für den Musikinstrumentenpreis 2017 haben die Gebrüder Dobbratz weit mehr als ihr akkurates Handwerk eingebracht, sondern auch etliche Spezialitäten und Extras, die es nur bei Le Fay gibt. Angefangen von eigenen Hardware-Teilen, über die selbstgebauten Tonabnehmer, der neuentwickelten Aktiv/Passiv-Elektronik und dem Premium Fretwork bis hin zur absolut eigenständigen Hals/Korpus-Verbindung und der asymmetrischen Griffbrettkrümmung fügt ihr Pulse-Viersaiter mit schwerem Eschekorpus so viele hochentwickelte Details stimmig zusammen, dass der erste Platz quasi eine Selbstverständlichkeit ist. Und dass ein derart opulentes Spitzeninstrument seinen Preis hat, versteht sich von selbst. [2779]

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