Laney RB5, RB6 & RB7 im Test

Drei Bass-Kofferverstärker von Laney, schwarz
(Bild: Dieter Stork)

 

Während woanders auf breiter Front die ultraleichten Digital-Amps Einzug halten, setzt Laney bei der Richter-Serie nach wie vor auf bewährte Analogtechnik. Wir haben drei dieser praktisch und solide gebauten Bühnenarbeiter zum Test eingeladen.

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Bei Clubgigs und kleinen Bühnen ist selten Platz für eine große Bassanlage und noch seltener wirklich der Bedarf für ein halbes oder ganzes Kilowatt Leistung vorhanden. Eher kommt es darauf an, dass man sich schon bei maßvollen Lautstärken gut hört, die Anlage leicht transportabel ist und wenig Platz wegnimmt. Genau das, was unsere drei Testkandidaten mit ihren praktischen Wedge-Gehäusen auszeichnet.

 

Modellunterschiede zwischen Laney RB5, RB6 und RB7

Mit seiner Ausgangsleistung von 120 Watt ist der RB5 der kleinste in diesem Vergleich, gleichwohl reichen seine Kräfte locker für den Einsatz in der Band aus, zumal er mit einem potenten Celestion-Zwölfzöller bestückt ist. Dieser besitzt eine beschichtete Membran, um auch höhere Frequenzbereiche abzudecken, zusätzlich ist ein Piezo-Hochtöner an Bord. Das teppichbezogene Gehäuse ist aus 19 mm starkem Multiplex-Sperrholz gebaut, die Schallwand und die innere Trennwand zwischen Amp und Lautsprecherkammer aus MDF. Um die Abmessungen klein zu halten, wurden die Bassreflex-Tunnel rückwärtig platziert.

Der RB5 besitzt zwei verschieden empfindliche Klinkeneingänge sowie getrennte Regler für Gain und (Master-) Volume. Die dreibandige Klangregelung ist mit einem durchstimmbaren Mittenregler ausgestattet und wird durch einen Enhance- und einen Presence-Regler ergänzt. In der Vorstufe kann ein Kompressor per Schalttaste aktiviert werden, ebenso ist ein abschaltbarer Limiter vorhanden, der die Endstufe vor Übersteuerung schützt. Ein weiterer Schalter aktiviert vom Bedienfeld aus den Piezo-Hochtöner. Gut erreichbar sitzt der symmetrische D.I.-Ausgang vorne, während die Klinkenanschlüsse für Stimmgerät und den seriellen Einschleifweg hinten sitzen. Dort ist auch ein externer Zusatzlautsprecher anschließbar.

Der größere Bruder vom RB5 zeigt fast die gleiche Vorstufen-Ausstattung, allerdings kommt bei der Klangregelung ein vierter Bereich hinzu, sodass hier zwei semiparametrische Mittenbereiche vorhanden sind – allerdings entfällt dafür der Presence-Einsteller. Der RB6 ist 45 Watt stärker (165 Watt) ausgelegt und speist einen größeren Lautsprecher; in der mit Polyesterwatte abgedämpften Bassreflexkammer arbeitet hier ein 15″-Speaker, der wieder durch einen zuschaltbaren Piezo-Hochtöner ergänzt wird.

Mit 300 Watt Ausgangsleistung ist der RB7 der stärkste in unserem Testfeld, wobei die vergrößerte Endstufe einen Lüfter benötigt. Zwei entsprechend belastbare Zehnzoll-Speaker plus Piezo-Hochtonhorn sorgen für knackige und definierte Wiedergabe. Seine Vorstufen-Ausstattung ist die gleiche wie beim RB6.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Laney RB5, RB6 und RB7 in der Praxis

Die drei Wedge-Combos sind robust gebaut und können somit auch rauere Behandlung aushalten. Dafür muss man freilich etwas erhöhte Gewichte in Kauf nehmen, die immerhin zwischen 18,4 und 26,5 kg liegen. Damit das beim Transport keine Probleme bereitet, sind bei allen drei Geräten zusätzlich zum oben aufgeschraubten Koffergriff noch seitlich komfortable Griffschalen eingesetzt. Für sicheren Stand sowohl in der geraden wie auch in der gekippten Aufstellung sorgen dicke Gummifüße. Die Speaker werden durch Metallgitter gut geschützt, die vorderen Gehäuseecken sind mit Metallkappen versehen. Ohne überflüssige Schnörkel präsentieren sich die drei Laney-Combos als praktisch-solide Bühnengeräte mit gesunder Ausstattung. Nur der weiche Teppichbezug der Gehäuse erfordert öfter mal etwas Pflege mit der Kleiderbürste, weil sich vom schwarzen Filz alle möglich Fusseln und Schmutzreste magisch angezogen fühlen.

Im direkten Vergleich ist es keine Überraschung, dass der stärkste Combo RB7 die lauteste Wiedergabe erlaubt und zudem mit seinen beiden Zehnzöllern den Basston wunderbar knackig und definiert und dennoch mit gesundem Tiefenfundament rüberbringt. Beim Vergleich von RB5 und RB6 hat jedoch der kleine RB5 mit seinem zupackenden Mittengrollen eindeutig die Nase vorn, während der RB6 mit der 15″-Bestückung zwar tiefer hinabgeht, sein gepflegter Klang aber insgesamt auch weniger durchdringend wirkt. Die beiden kleineren Modelle punkten wiederum durch lüfterlose Arbeitsweise, wo der starke RB7 mit seiner Zwangslüftung schon ab dem Einschalten vernehmliche Geräusche von sich gibt, zumal der Lüftermotor auch ein leichtes Brummen in den Signalweg einstreut. Er ist deshalb für sensible Studio-Aufnahmen nicht geeignet und als reines Live-Aggregat einzustufen.

Alle drei Verstärker sind mit einem Schutz-Limiter für die Endstufe ausgestattet, der freilich erst sehr spät reagiert, sodass bei lauten Einstellungen und harten Anschlägen bereits vorher gewisse Verzerrungen hörbar werden. Wirkungsvoller arbeitet in jedem Fall der zuschaltbare Kompressor in der Vorstufe. Was die Hörbarkeit auf der Bühne angeht, bewährt sich der gekippte Einsatz als Bodenmonitor; der Kippwinkel ist so ausgelegt, dass die Speaker steil nach oben strahlen, sodass man im unmittelbaren Nahfeld etwa 1 bis 1,5 Meter vor dem Combo den Schall direkt auf die Ohren bekommt. Zur Bühnentauglichkeit gehört auch die sinnvolle Beschaltung des symmetrischen D.I.-Ausgangs, der das Bass-Signal vor jeglicher Bearbeitung durch die Amp-Vorstufe, sogar noch vor dem Gain-Regler abzweigt. Wer mit Effekten spielt oder am EQ seine Sounds extremer formt, wird davon leider nichts über die Saalbeschallung weitergeben können; andererseits darf man an seiner Backline dadurch nach Herzenslust herumkurbeln, ohne den Mann am Mixer zur Verzweifelung zu treiben. Klanglich sind alle drei Modelle feinfühlig variabel, wobei insbesondere die durchstimmbaren Mittenbereiche verschiedenste Charakternuancen nach vorne bringen. Selbstverständlich sind die mit doppelter Semiparametrik ausgerüsteten RB6 und RB7 dabei nochmals viefältiger, aber auch beim RB5 mangelt es an nichts. Schließlich hat er ja noch den zusätzlichen Presence-Regler, mit dem man fein die Glanzlichter bearbeiten kann, ohne dass dafür ein anderer Klangregler „verbraucht“ werden muss. Die Enhance-Filter sind bei allen Modellen so abgestimmt, dass sie vor allem die Tiefen zunehmend ausblenden, um die brillanten Komponenten besser zur Wirkung zu bringen; leider bleibt dabei auch einiges an Punch und Pfund auf der Strecke, aber deshalb ist die Enhance-Funktion ja auch stufenlos dosierbar.

 

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(Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Ein Bodenmonitor hat diverse Vorteile, denn er kann auf engen Bühnen platzsparend zwischen Musikern und Publikum aufgestellt werden, ohne die Sicht zu verbauen. Die steil nach oben strahlenden Speaker sorgen dafür, dass man sich im Nahfeld präzise hören kann, ohne dass eine brüllende Lautstärke eingestellt werden muss, die ggf. ja andere stören könnte. Insofern sind die drei robust gebauten Wedge-Combos von Laney wie gemacht für kleine Clubgigs und unauffällige Bassverstärkung. Von den getesteten Modellen überzeugt übrigens der kleine RB5 mit seiner kernigen, durchdringenden Wiedergabe am meisten. Beim RB6 bekommt man zwar einen tiefer hinabreichenden und gepflegteren Klang, von dem man aber eher etwas hat, wenn es in der Band insgesamt gesitteter zugeht und man nicht auf gesteigertes Durchsetzungsvermögen angewiesen ist. Der RB7 ist zweifellos der stärkste und souveränste Koffer in diesem Vergleich, aber hier führt der laute Lüfter generell zu Punktabzügen – woran der Hersteller freilich etwas ändern könnte.

 

Übersicht

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Plus

  • gute Hörbarkeit im Nahfeld, Wedge-Gehäuse
  • Klangregelung, Ausstattung
  • Verarbeitung, Robustheit

Minus

  • Lüftergeräusch (RB7)
  • D.I.-Abzweig ohne EQ und Effekte

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