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KMA Machines Astrospurt Phaser im Test

Enrico Preuß – diesen Namen sollten sich die Effektgerätaffinen Gitarristen unter uns dringend merken. Schließlich betreibt der junge Mann aus Berlin eine der heißesten Firmen, die die hiesige Pedal-Szene zu bieten hat. Zum Testen liegt uns nun also der Astrospurt Phaser vor.

KMA

Was Enrico vor zwei Jahren als Hobby anfing, ist mittlerweile zu einem echten Geheimtipp der deutschen Pedal-Szene geworden. Inzwischen haben KMA Machines eine kleine aber sehr durchdachte Produktpalette etabliert und liefern nebenher immer wieder beeindruckende Custom-Effekt-Geräte. Dennoch frage ich mich: Braucht die Welt ein weiteres Phaser- Pedal? Die Antwort lautet im Falle des Astrospurt ganz klar: Ja!

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Richtig was fürs Auge

Schon der Aufdruck auf dem Gehäuse macht klar, womit wir es hier zu tun haben. Eine klassische, vier-stufige JFET (Junction Gate Field Effect) Phaser-Schaltung wie wir sie beispielsweise vom MXR Phase 90 kennen – allerdings mit einem ganzen Haufen sinnvoller Verbesserungen. Zunächst aber muss man einmal sagen, dass der Astrospurt Phaser einfach sau gut aussieht. Beim Auspacken des Pedals war ich sofort vom unglaublich liebevollen Design und der extrem hochwertigen Haptik des Gerätes begeistert. Wo andere Boutique-Hersteller auf schlichte Klebe-Folien setzen, kommen bei KMA Machines pulverbeschichtete Gehäuse mit aufwendigem Siebdruck zum Einsatz.

Die hochwertigen Aluminium-Potiknöpfe und der robuste Fußschalter runden das äußere Gesamtbild super ab. Die Regelmöglichkeiten des Astrospurts sind auf den ersten Blick relativ simpel – „Spurt“ regelt die Geschwindigkeit des LFOs, „Depth“ die Tiefe der Modulation, Mix mischt das modulierte Signal zu, „Signal“ entscheidet über die Gesamtlautstärke des Pedals und das zuschaltbare „Emph“- Poti reguliert den Signalanteil welcher über einen Feedback-Loop nochmal in eine der Phase-Stufen geschickt wird. Auf der Platine befindet sich ein kleines Mäuseklavier mit vier kleinen DIP-Switches mit denen man festlegen kann, in welche der Phasing-Stufen das Signal zurückgeschickt wird, was das Klangbild enorm beeinflusst. Im Inneren des Phasers herrscht Ordnung. Eine unglaublich sauber bestückte und rappelvolle Platine zeigt, dass mit der Schaltung richtig Aufwand betrieben wurde. Hier ist wirklich alles vom Feinsten und selbst bei genaustem Hinsehen kann ich keinerlei Mängel ausmachen. Insgesamt würde ich sagen, dass wir es hier – aus rein handwerklicher Sicht – mit einem der hochwertigsten Pedale zu tun haben, die derzeit in Deutschland gefertigt werden.

Swoooooooooschhhhh

Um den Astrospurt Phaser auf Herz und Nieren zu prüfen, habe ich ihn einfach mal auf mein Pedalboard gepackt und unter verschiedenen Bedingungen getestet. Zunächst einmal bin ich beeindruckt, wie nebengeräuscharm das Teil läuft. Selbst im High-Gain-Betrieb in Verbindung mit meinem Left Hand Wrath von Lone Wolf Audio, verhält sich der Astrospurt relativ leise. Mein MXR Phase 100 bemüht sich im Vergleich dagegen um eine relativ authentische Nachbildung der Niagarafälle. Im cleanen Betrieb und mit deaktiviertem Emph-Regler macht das Pedal erst mal genau das, was es soll: nämlich schön dezent vor sich hin phasen. Der Sound wird – je nach Position des Mix-Reglers – schön warm und angenehm fett in den Mitten, wobei man mit dem Signal-Poti bestimmen kann, ob das Signal etwas leiser oder sogar geboostet werden soll – ein Feature welches ich bei meinem Phase 100 immer vermisst habe. Je nachdem, wie weit man das Spurt-Poti nach rechts dreht, kann man zwischen langsamem Phasing bis hin zu schnellen Vibrato-Sounds wählen.

Übrigens: In der Graphik des Raumschiffes, welches sich auf ein schwarzes Loch zu bewegt, sind zwei kleine LEDs versteckt die die Geschwindigkeit des LFOs anzeigen. Interessant finde ich die Optionenvielfahlt, die der Mix-Regler bietet. Auf Linksanschlag (also das reine Phase-Signal) bei einem mittelschnellen Phasing, erhalte ich beispielsweise einen richtig tollen, warmen Vibrato-Sound der eigentlich gar nicht mehr nach Phaser klingt. So richtig Interessant wird es dann, wenn man das Emph-Poti dazu schaltet. Schon auf der neun-Uhr-Position wird eine drastische Veränderung des Klangbildes deutlich.

Der Sound verlagert sich irgendwie ein ganzes Stück nach oben, die Hochmitten und Höhen werden deutlich präsenter, während die Bässe insgesamt drahtiger klingen. Je weiter man nun den Regler nach rechts dreht, desto mehr eskaliert der Sound. Kurz nach der Mittelstellung wird das Attack immer stärker betont, was besonders zum Tragen kommt, wenn sich vor dem Astrospurt ein Booster oder Overdrive in der Signalkette befindet. Kurz vor Rechtsanschlag dreht das Pedal dann völlig durch und bekommt eine sehr perkussive, fast schon Synthesizer-ähnliche Note.

Richtig Klasse finde ich, dass man ab einem gewissen Punkt das Gefühl hat, gegen das Pedal anspielen zu müssen und dadurch richtig schräge und kaputte Sounds zustande kommen. Wem das alles noch nicht genug ist, kann das Signal mittels der kleinen DIP-Switches auf der Platine noch weiter zerstückeln. Aktiviert man beispielsweise zusätzlich zur standardmäßig aktiven zweiten Phasing-Stufe die vierte, laufen die Dinge endgültig aus dem Ruder. Der Ton wird wirklich ziemlich stark verbogen; zudem gesellen sich glitschig-merkwürdige Artefakte zum Sound, die das Ganze echt verrückt klingen lassen.

Alternativen

Tja, hier wird es – wie so oft – wieder schwierig. Einen vergleichbaren Phaser „Made in Germany“, der zum einen so gut verarbeitet ist und zum anderen auch noch eine solche klangliche Bandbreite abdeckt, dürfte tatsächlich schwer zu finden sein .

Resümee

Enrico Preuß hat es tatsächlich geschafft, einen wirklich unheimlich vielseitig und gut klingenden Phaser zu bauen, der eigentlich keine Wünsche mehr offen lässt. Ob nun dezentes Phasing, verwaschene Psychedelic-Sounds oder Synthesizerähnliche Oszillations-Orgien – der Astrospurt überzeugt auf ganzer Linie. Angesichts des sensationellen Preises, halte ich dieses Pedal fast schon für einen Pflicht- Kauf. Ich für meinen Teil werde es jedenfalls nicht wieder vom Pedalboard nehmen.

Preis (Street): € 199

Plus

  • Verarbeitung
  • graphisches Design
  • Sound
  • Emph-Regler
  • Klangliche Vielfalt

Info

Das Design des Astrospurts ist übrigens eine Hommage an die alten Perry-Rhodan- Comics – auf der Platine findet sich zudem ein kleines Zitat aus einem der Hefte.

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