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Kala U-Bass California Series 4 & 5 im Test

Wirklich witzig, welch tiefes Tonspektrum man einer kleinen Ukulele entlocken kann, sofern die richtigen Spezialsaiten aufgespannt sind. Aber die neue California-Serie ist kein Witz, sondern präsentiert die Bass-Ukulele als seriösen Tieftöner.

Kala U-Bass California Series_02
(Bild: Dieter Stork)

Im Prinzip sind diese Instrumente nämlich gebaut wie ein hochwertiger E-Bass, ausgesuchte Tonhölzer kommen hier zum Einsatz. Was natürlich bleibt, ist die MiniMensur mit den speziellen Kunststoff-Saiten – und die ungemein transportpraktischen Maße. Die Auswahl an verschiedenen Ausführungen mit vier und fünf Saiten ist groß, im Vertriebsangebot kann man 36 verschiedene California-Modelle aus USA-Produktion finden. Wir haben einen Viersaiter mit Redwood-Decke und einen Natural-Fünfsaiter herausgegriffen und dabei auch gleich eine bundierte und eine Fretless-Version gewählt, um herauszufinden, was diese nicht ganz billigen Kleinstbässe können.

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Konstruktion

Korpusbasis ist in beiden Fällen ausgesucht leichte Sumpfesche, beim NaturalFivestring aus einem Stück, beim Redwood-Viersaiter aus zwei Stücken, dafür mit schmucker 4-mm-BookmatchedDecke aus kalifornischem Redwood. In klassischer E-Bass-Konstruktionsweise sind die Hälse mit dem Korpus vierfach verschraubt und einstreifig aus Ahorn mit liegenden Jahresringen gebaut. Beim viersaitigen Fretless sind alle Lagen durch helle Holzeinlagen im Palisandergriffbrett markiert, beim Fünfsaiter 24 hohe Medium-Jumbobünde eingesetzt. Ein entscheidender Unterschied liegt in den Mensuren: Während die viersaitigen Modelle mit nur 536 mm auskommen, besitzt der Fivestring eine verlängerte 598-mm-Mensur.

Damit aus solch kurzen Saiten auch wirklich tiefe Töne herauskommen, ist Spezialmaterial erforderlich. Vorreiter für diese Technologie war einst der Ashbory-Bass mit seinen Silikongummi-Saiten, die allerdings ziemlich empfindlich waren und an scharfen Kanten gerne rissen – das Problem hat Kala mit eigenen Saiten aus stabilerem Polyurethan gelöst, ohne dass dabei die Tiefbass-Performance auf der Strecke bleibt. Nichtsdestotrotz besitzten die präzisen Hipshot-Tuner speziell geformte Wickelachsen, die schonend mit den Polyurethanwürsten umgehen. Die Verarbeitung der California-Modelle ist rundum sauber, die Holzoberflächen seidenmatt versiegelt. Für die Tonabnahme ist der höhenverstellbare Steg aus Palisander zuständig, denn hier ist ein Körperschall-Tonabnehmer von L.R.-Baggs eingebaut.

Im rückwärtigen Elektronikfach sitzt zusammen mit der 9-Volt-Batterie die Preamp-Schaltung mit aktivem Zweiband-EQ für Höhen und Bässe. Bei einer Stromaufnahme von ca. 2,1 mA kann man mit einer Batterie-Lebensdauer von rund 240 Spielstunden rechnen.

Kala U-Bass California Series_01
Die Polyurethansaiten werden von hinten durch den Korpus eingefädelt. (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Da die Spezialsaiten dicker sind als normale stählerne, besitzen die Bass-Ukulelen ein relativ breites Griffbrett, welches ausreichend Platz für einen sauberen Fingersatz bietet. Und wegen der kurzen Wege gelingen auf diesen Mini-Instrumenten spieltechnische Kunststücke, für die man auf einem großen Bass wohl endlos üben müsste. Eine Spezialität haben die gummiartigen Saiten gleichwohl, sie bremsen etwas den Spielfluss, wenn man versucht, von Lage zu Lage zu gleiten. Zwar gibt es dafür noch den Trick mit Talkumpulver, doch das dürfte im Normalfall nicht vonnöten sein, denn man gewöhnt sich auch beim Fretless schnell eine angepasste Spielweise mit vermindertem Druck bei Glissandi an. Beim Vergleich zwischen Bundbass und Fretless fällt allerdings auf, dass bei der bundierten Version noch Einstellspielraum nach unten hin besteht, während die Fretless-Bridge bereits fast auf dem Korpus aufliegt; hier hat man wohl die fehlende Höhe der Bundstäbchen nicht mit einkalkuliert. Zwar besteht beim bundlosen U-Bass tatsächlich kein Bedarf nach tieferer Saitenlage, aber in dieser Preisklasse darf man dennoch erwarten, dass alle Funktionen geboten werden.

Klanglich überzeugen die Kurzbässe durch ihren erwachsenen, voluminösen Basston, der auch im Bandgefüge tadellose Trag- und Füllkraft besitzt. In der wuchtigen Artikulation gehen die Ergebnisse sogar in Richtung Kontrabass, was wohl einer der interessantesten Aspekte der U-Bässe sein dürfte. Was man von den Polyurethansaiten nicht erwarten kann, sind drahtige Präsenzen – denn wo kein Draht vorhanden ist, kann er nicht erklingen. Aber gerade der spezielle Wumms ist ja die große Stärke dieser Kleinbässe und stellt eine sinnvolle Alternative zum normalen E-Bass-Sound dar. Mit der aktiven Zweiband-Klangregelung lassen sich dennoch ausreichend klare Höhen (und natürlich zusätzliches Basspfund) hineindrehen, sodass die California-U-Bässe recht klangvariabel sind.

Kala U-Bass California Series_03
Speziell geformte Wickelachsen vermeiden Saitenrisse. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Ob hier nun diverse Tonholz-Varianten tatsächlich den Sound so stark prägen wie bei Stahlsaiten, ist eher unwahrscheinlich – aber zweifellos bieten die nobelhölzernen California-Modelle dem Kunststoffsaiten-Ton eine seriöse Grundlage zur Entfaltung. Mit kontrabassartigem Wumms bieten diese extrem kurzmensurigen Instrumente eine überzeugende Klangalternative zum normalen E-Bass und zeichnen sich durch extrem leichte Spielbarkeit aus.

 

Plus

  • wuchtiger, kontrabassartiger Klang
  • extrem leichte Spielbarkeit
  • Hölzer, Verarbeitung

Minus

  • beim Fretless-Modell kein Steg-Einstellspielraum nach unten

 

Kala U-Bass California Series_profil

 

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