Das rollende Beatles-Museum

Interview-Teaser: The Analogues

Beatles-Coverbands gibt es wie Sand am Meer – und ein Großteil von ihnen macht ihre Sache sicher gut. Aber jetzt kommt mit The Analogues eine Formation nach Deutschland, die es ganz genau nimmt, sich Perfektion auf die Fahne geschrieben hat und ganze Alben aus dem eigentlich unspielbaren Spätwerk der Beatles Ton für Ton und mit Original-Instrumenten auf die Bühne bringt.

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Was man nicht so alles machen kann, wenn man eine Leidenschaft hat und Geld keine Rolle spielt … Fred Gehring hatte da so eine Idee: Nachdem der niederländische Multimillionär und Hobby-Schlagzeuger vor ein paar Jahren seine Aktivitäten als CEO bei namhaften Modefirmen mehr und mehr zurückgeschraubt hatte, brauchte er ein neues Projekt, ein Baby, dem er sich voll und ganz widmen konnte und in dem er seine beiden großen Trümpfe – Geld und die Liebe zur Musik – gleichermaßen ausspielen konnte, um etwas Großes zu erschaffen. „Groß denken“ hatte er als langjähriger Firmenchef schließlich in seiner DNA, sodass er sich kurzerhand dazu entschloss, das Unmögliche möglich zu machen und eine Band (mit ihm selbst an den Drums) auf die Beine zu stellen, die sich völlig kompromisslos dem nie live aufgeführten Spätwerk der Beatles widmen sollte. Und das ohne Wenn und Aber und mit allem Zipp und Zapp. Also scharrte er eine Handvoll altgedienter, holländischer Rock-Veteranen um sich und gab ihnen den Auftrag, sich unter der Führung des Bassisten und musikalischen Leiters Bart van Poppel jeden einzelnen Ton von Alben wie ‚Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band‘ oder ‚Magical Mystery Tour‘ anzueignen. Dabei ist die musikalische Reproduktion der Aufnahmen aus den späten 60er-Jahren die eine Sache, doch Fred Gehring wollte mehr als ein schnödes Nachspielen: Er wollte, dass jeder Sound, jeder Ton, jedes noch so kleine Detail originalgetreu abgebildet wird, und das konsequenterweise voll analog und auf den Original-Instrumenten (alle Informationen dazu auf www.theanalogues.net, eine Fotostrecke der Gitarren & Bässe gibt’s im Video auf www.gitarrebass.de/theanalogues). Eine wahnwitzige Recherche-Arbeit wurde damit in Gang gesetzt, deren Resultat im Mai bei einigen Auftritten in Deutschland zu hören und zu sehen sein wird.

Nach einem Konzert in Amsterdam im letzten Jahr trafen wir die beiden Gitarristen, Sänger und inzwischen Beatles-Experten Jan van der Meij und Jac Bico zum Interview und ließen uns nicht nur ihre Vintage-Gitarren, sondern auch ihre dann doch modern ausgestatteten Pedalboards zeigen.

Zunächst eine Grundsatzfrage: Warum macht ihr das? Warum kopiert man ganze Alben?

Jac: Als wir anfingen, gab es einfach noch keine Beatles-Band, die ganze Alben auf die Bühne bringt. Vor allem nicht die späten Studio-Alben von 1966 bis 1969. Jede Band kann die alten Songs wie ‚Help!‘ oder ‚Love Me Do‘ spielen, aber die späten Sachen hört man nie. Nicht mal die Beatles selbst haben sich da herangewagt. Also wollten wir das machen.

Denkst ihr denn, dass ihr so klingt, wie die Beatles geklungen hätten?

Jac: Man weiß nicht, wie sie geklungen hätten, weil sie die späteren Alben eben nie live gespielt haben. Deshalb versuchen wir, den Sound der Alben nachzuahmen. Wobei es live natürlich immer anders klingt, etwas rauer und räumlicher, weil wir dynamischer spielen, als es auf dem Album der Fall ist. Das kann man nicht verhindern. Es ist also beides: Einerseits reproduzieren wir das Album, andererseits klingen wir so, wie es vielleicht geklungen hätte, wenn die Beatles es damals live mit einem Orchester umgesetzt hätten.

Hätten die Beatles das mit dem Equipment, das ihnen damals zur Verfügung stand, überhaupt tun können?

Jac: Sie hätten es natürlich mit dem Kram umsetzen müssen, den sie hatten. Also hätte es auch anders geklungen. Aber wir möchten ja wie das Album klingen und ich glaube, das hätten sie nicht hinbekommen. Allein die Schwierigkeit damals, ein Orchester zu verstärken … Das wäre unmöglich gewesen, vor allem, wenn da 50.000 kreischende Mädchen vor dir stehen.

Jan: Die Beatles hatten damals keine großen PAs oder gar In-Ear-Systeme, deswegen ist es schwierig sich vorzustellen, wie die Beatles geklungen hätten. Ich denke, sie waren zwar reich genug, um fünf Blechbläser und fünf Streicher einzukaufen, aber sie hatten einfach nicht die Zeit dafür, weil sie neue Alben machen wollten. Als sie sich erst mal darüber im Klaren waren, nicht mehr live spielen zu wollen, mussten sie die Live-Umsetzbarkeit während der Aufnahmen auch nicht mehr im Hinterkopf haben. Dadurch konnten sie viel experimenteller sein. Es gibt Sounds wie Rückwärts- oder hochgepitchte Gitarren, die nur durch Tricks an der Bandmaschine erzeugt werden konnten. Heute gibt es dafür Delay- bzw. Pitch-Shifter-Pedale.

Als Rock- bzw. Blues-Gitarristen seid ihr es ursprünglich ja eher gewohnt, improvisierte Musik zu spielen. Ist es komisch, Musik nun Note für Note nachspielen zu müssen?

Jac: Für uns ist das Material wie klassische Musik. Die Noten sind festgelegt und daran müssen wir uns halten. Sogar am Ende
der Tour korrigieren wir einander noch gegenseitig – auch in sehr kleinen Details. Das macht großen Spaß. Wir wollen es wirklich auf den Punkt bringen und dem Original so nahe wie möglich kommen. Dadurch, dass uns all diese Instrumente und Amps zur Verfügung stehen, gibt es klanglich keine Ausreden. Deswegen ist es unsere Aufgabe, die richtigen Töne mit der richtigen Energie und Attitüde zu spielen. Wir versetzen uns dabei gedanklich in die verschiedenen Persönlichkeiten hinter der Musik.

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