Kabelsalat im Hörtest

Instrumentenkabel von Cordial, Klotz, Planet Waves, Sommer und Vovox im Vergleich

Wer bereits sein Trauminstrument spielt und dafür seinen Lieblingsverstärker gefunden hat, der sollte nicht am Kabel sparen. Andererseits kann auch die teuerste Highend-Schnur nichts mehr retten, wenn man seit zehn Jahren vergessen hat, die Saiten zu wechseln.

Will heißen: Beim Kabel geht es um feinste Nuancen und filigrane Klangdetails, die entweder hörbar werden – oder eben auf der Strecke bleiben. Und solche Feinheiten müssen natürlich zunächst einmal aus dem Instrument herauskommen, und ebenso vom Verstärker verarbeitet werden können. Ein gutes Kabel zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass nichts verloren geht. Aber nicht nur das.

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Testfeld

Was kostet ein gutes Kabel? Nach oben ist immer noch Luft, aber der Großteil des Testfelds liegt in geerdeten Preisklassen zwischen knapp 30 und gut 40 Euro; genug Geld, um dafür tadellose Qualität erwarten zu können. Ein Ausreißer ist das Vovox, fast fünfmal so teuer und als Creme im Highend-Sektor geschätzt. An ihm werden sich die günstigeren Vergleichsteilnehmer zu messen haben.

Stabiler Planet-Waves- Stecker und vorbildliche Lötung (Bild: Dieter Stork)

Damit die Sache gerecht zugeht, wurden alle fünf Instrumentenkabel mit 6 m Länge ausgewählt, an einem Ende eine gerade, am anderen eine Winkelklinke (um zu zeigen, dass diese auch lieferbar ist). Natürlich sind alle fünf Kabel auch mit geraden Klinken und in anderen Längen zu haben.

Aufbau

Das noble Vovox hat seine eigene Ästhetik, unter dem dreifarbigen Außenmantel aus Nylongeflecht zeichnen sich zwei verdrillte Innenadern ab. Bei der einen handelt es sich um eine hochwertige, abgeschirmte Leitung mit Kupfer-Starrdraht als Innenseele, bei der anderen um einen ebenfalls isolierten Starrdraht für die Masseführung, sodass Masseleitung und heißer Pol gleichberechtigt behandelt werden. Man kann dies als eine Art pseudosymmetrischen Aufbau ansehen, bei dem die eigentlichen Signalleiter gleichwertig sind und von den Abschirmströmen teilweise entlastet werden.

Die vier günstigeren Testteilnehmer geben sich mit Kunststoffmänteln optisch konventioneller und sind es auch im normalen, koaxialen Innenaufbau. Es gibt geringe, aber doch wahrnehmbare Unterschiede in der Dicke: Klotz und Planet Waves sind mit 6,15 bzw. 6,25 mm etwas schlanker als Cordial (6,95) und Sommer (7,15). Das hat seinen Grund, denn Letztere besitzen auch die dickste Isolierung rund um den Innenleiter und dann noch eine Leitplastikschicht unter dem dichten Flechtschirm. Die ist auch bei den beiden anderen vorhanden, und die Isolierung des Planet-Waves-Innenleiters lediglich drei Zehntelmillimeter schlanker – aber hier wird Umfang durch einen dünneren Außenmantel gespart. Der ist beim Klotz wieder dicker, dafür aber die innere Isolierung gleich ein Drittel dünner als bei Cordial und Sommer. Ansonsten fällt noch auf, dass Klotz keinen Flecht- sondern einen Wickelschirm verwendet.

Cordial: Hochwertiges Dielektrikum für den Innenleiter (Bild: Dieter Stork)

Bei diesen Unterschieden im Detail sind alle Testteilnehmer vorbildlich verarbeitet, sauber und stabil gelötet. Robuste Klinkenstecker mit zuverlässiger Kontaktgabe gehören natürlich auch zum perfekten Kabel, und da setzen Klotz und Cordial auf bewährte Neutrik-Qualität, bei Cordial mit vergoldeten Kontakten, auch ein Klettband als Kabelbinder ist hier dabei. Doch auch die Metallstecker von Planet Waves machen einen vertrauenerweckenden Eindruck mit zuverlässiger Spannzangen-Zugentlastung und vergoldeter Steckerspitze. Die ist auch bei den ebenso robusten Steckern des Sommer-Kabels vergoldet, allerdings die Zugentlastung mit normalen Metalllaschen eher konventionell gelöst. Dafür sind diese Highcon-Stecker die schlanksten und ein Extra gibt es auch dazu: Die Winkelklinke ist eine „Noisefree“-Type, bei der ein federnder Metallring beim Ausstöpseln die Leiter kurzschließt. Vovox verwendet als einziger Kunststoffhülsen für die Stecker, die allerdings auch sehr bruchfest wirken. Das besondere an den Sonorus-Steckern versteckt sich ganz innen, wo ein Reinkupferstab den Kontakt zur Steckerspitze herstellt.

Kabeltypen

Je nach Einsatzbereich werden verschiedene Kabeltypen verwendet. Instrumentenkabel sollen winzige Spannungen aus zumeist hochohmigen Quellen ohne Höhendämpfung zum Verstärkereingang transportieren. Damit die grundsätzlich vorhandene Kabelkapazität keine Brillanzen killt, sollte sie pro Meter möglichst niedrig sein, was natürlich bei längeren Kabeln umso wichtiger wird. Außerdem muss in Anbetracht der kleinen Signalspannungen eine wirksame Abschirmung gegen Störeinstrahlungen vorhanden sein, denn jedes Brummen und Knistern, welches im Kabelweg eingefangen wird, verstärkt der Amp ja gnadenlos mit hoch. Bei Patch-Kabeln spielt die Kapazität keine so große Rolle, denn sie sind ja meist sehr kurz, sodass sich keine nennenswerte Dämpfung ergeben kann. Wichtiger ist hier eine praktikable Steckerbestückung und geschmeidiges, nicht zu dickes Kabelmaterial, was einen engen Aufbau mehrerer Effekte auf dem Pedalboard erlaubt.

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Insbesondere bei Pedalen mit seitlichen Ein- und Ausgangsbuchsen sind platzsparende Winkelstecker günstig. Spiralkabel sind eine Sondergattung, bei der das Kabelmaterial zu einer zylindrischen Spirale (Schraubenwendel) vorgeformt ist. Sinn der Sache ist, dass der Kabelwendel unter Zugbelastung nachgeben kann und somit eine gewisse Bewegungsfreiheit gewährt, ohne dass durch lange Kabelschlaufen am Boden Stolperfallen entstehen. Das Spiralkabel kann also eine gute Wahl bei beengten Platzverhältnissen sein. Wieder andere Anforderungen sind an Boxen-Kabel zu stellen, denn von der Verstärkerendstufe zum Lautsprecher müssen höhere Ströme verlustfrei übertragen werden, wozu ein möglichst geringer Kabelwiderstand wichtig ist. Relativ große Leiterquerschnitte beugen hier dem schädlichen Widerstand vor, der übrigens auch das präzise Zusammenspiel zwischen Verstärker und Lautsprecher bei Impulsen beeinträchtigen kann. Daher ist es auch eine gute Idee, ein Boxen-Kabel nicht länger als unbedingt nötig zu wählen. Wegen des sehr niederohmigen Leistungssignals benötigen Lautsprecher- Kabel keine Abschirmung, auch kapazitive Höhendämpfung ist bei den üblichen Längen ausgeschlossen.

Dieses Klotz-Kabel ist durch dünneren Innenleiter und Flechtschirm angenehm flexibel (Bild: Dieter Stork)

Klangfrage

Für die besondere Güte teurer Highend-Kabel werden mitunter besonders behandelte Materialien, extreme Reinheit und speziell ausgerichtete Moleküle angegeben, esoterische Exkurse sind freilich bei den Instrumentenkabeln seltener zu finden als im wundergläubigen HiFi- Sektor. Dass bei anspruchsvoller Ware reines OFC-Kupfer und hochwertige Dielektrika (Isoliermaterialien) zum Einsatz kommen, auch besondere Maßnahmen gegen Knistern und natürlich eine wirksame Abschirmung vorhanden sind, darf man als selbstverständlich annehmen. Eine nachprüfbare elektrische Eigenschaft bestimmt nun im Wesentlichen die Übertragungsgüte, und das ist die Kabelkapazität. In diesem Test wurde sie nachgemessen und anhand der tatsächlichen Kabellänge auf den Wert pro Meter ausgerechnet.

Der federnde Ring an der Basis dieses Sommer- Steckers betätigt den Noisefree-Schalter (Bild: Dieter Stork)

Alle fünf Testteilnehmer setzen zugunsten ungedämpfter Brillanzen auf geringe Kapazitätswerte, aber durchaus mit Unterschieden. Der Extremist nach unten hin ist zweifellos das Sommer mit nur 56 pF pro Meter. Auch das Vovox ist mit 79 pF/m noch auffällig kapazitätsarm, Cordial (88 pF/m), Planet Waves (92 pF/m) und Klotz (102 pF/m) weisen freilich ebenfalls günstig niedrige Werte auf. Geringfügige Abweichungen von den Herstellerangaben ergeben sich dadurch, dass die Messungen beide Steckerenden mit einbeziehen – die sind ja auch bei der Benutzung mit der Gitarre im Spiel. Aus Spaß habe ich noch ein älteres, hochwertig wirkendes Spiralkabel überprüft: In Bezug auf die volle Dehnung kam dabei eine Meterkapazität von 290 pF heraus!

Im Vovox-Stecker befindet sich ein Reinkupferkern (Bild: Dieter Stork)

Die über den gesamten Kabelweg parallel geführten Leiter bilden unweigerlich einen Kondensator, der übrigens ganz ähnlich wie der Kondensator in einer passiven Höhenblende auf das Tonsignal einwirkt. Nur (hoffentlich) nicht so stark! Zum Glück liegt der Wert in der hochwertigen Klasse bei nur 100 pF pro Meter, macht bei 6 Metern also 600 pF. Das ist etwa ein Hundertstel des Kapazitätswerts des Tonblenden-Kondensators und entsprechend schwach in der Dämpfungswirkung, die bei viel höheren Frequenzen einsetzt. Aber eben auch nicht Garnichts, zumal selbst solch geringe Kapazitäten in direkter Kopplung mit den Tonabnehmer-Spulen einen Schwingkreis bilden, der durchaus in feinen Nuancen auf den Pickup-Charakter einwirken kann. Dass also mit verschiedenen Kabeln unterschiedliche Klangnuancen wahrgenommen werden, ist keine Einbildung; weil Sound aber eine Geschmacksfrage ist, kann man jedoch nicht einfach sagen, dass weniger Kapazität immer „besser“ ist und (etwas) mehr automatisch „schlechter“. Wichtig ist natürlich, dass die Kapazitätswerte keine Größe annehmen, die von vornherein hörbar Höhenanteile verschluckt.

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Bewegungsfreiheit

Im Prinzip ließen sich die Kapazitätswerte auch der modernsten Kabel noch tiefer herunterdrücken, was jedoch zunächst durch einen größeren Leiterabstand geschehen müsste, und der macht das Kabel am Ende dicker und steifer. Da aber auch eine gewisse Bewegungsfreiheit im Anforderungsprofil steht, sollte ein praxisgerechtes Kabel möglichst flexibel sein und geschmeidig ohne Schlaufenbildung fallen.

Erwartungsgemäß funktioniert das beim dünneren Klotz-Kabelmaterial ziemlich gut – die Überraschung ist, dass dem aber auch die dickeren Kollegen von Sommer und Cordial in nichts nachstehen. Nur das Planet-Waves-Kabel tut sich da schwerer, die offenbar härtere Kunststoffmischung neigt schneller zur Schlaufenbildung. Verblüffend leicht und flexibel fühlt sich das Vovox-Kabel an. Einerseits. Denn durch den verdrillten Aufbau ist es andererseits empfindlich fürs Vertwisten, also nichts für Pirouetten auf der Bühne.

Resümee

Was das unbeschwerte Spielgefühl angeht, heißen die Favoriten somit Cordial, Klotz und Sommer, auf die Kabel von Planet Waves und Vovox muss man etwas mehr aufpassen. Bei den (unverzerrt überprüften) Übertragungseigenschaften wird die Einordung schon schwieriger, denn zunächst liefern sämtliche Testteilnehmer genau das, was man von einem guten Instrumentenkabel erwarten darf, nämlich eine detailfeine und unbeschnittene Übertragung bis in höchste Frequenzlagen. Um da Unterschiede auszumachen, muss man schon sehr genau hinhören, und manche Nuance lässt sich am Ende nur erspüren.

Dabei soll der Vovox-Klangleiter die Referenz sein für die Einordung der Kollegen. Im Praxistest überzeugt das kostspielige Nobelkabel durch feine Details, Genauigkeit, und tighte Ausgewogenheit. Des Weiteren ist hier noch eine besonders luftige Transparenz wahrnehmbar. Auch die deutlich günstigeren Kabelsorten weichen keinesfalls weit vom Pfad der Tugend ab, aber es gibt Nuancen. Beim Sommer steht neutrale Klarheit im Vordergrund und man hört diesem Kabelmaterial die extrem geringe Kapazität durch explizite Klarheit bis in oberste Highlights an. In der Klarheit ist es somit sehr nahe am Vovox dran und hebt sie sogar noch etwas stärker hervor, wobei der Ton dennoch nicht ganz so luftig, stattdessen einen Hauch vordergründiger wirkt.

Bei ebenfalls feiner Brillanzdarstellung kommt das Cordial- Kabel etwas verschlossener in den Mitten rüber, wodurch die Aufmerksamkeit mehr auf die satte Bassübertragung gelenkt wird. Ganz ähnlich übrigens wie bei Planet Waves, welches ebenso eine satte, konkrete Übertragung mit feinem Brillanzklick liefert. Das Klotz-Kabel besitzt in diesem Vergleich die höchste Meterkapazität, und auch dies führt zu wahrnehmbaren Phänomenen; ohne hörbare Beschneidung der obersten Frequenzen werden diese allerdings auch nicht auffällig hervorgehoben, die Übertragung kann als rund und stimmig charakterisiert werden.

Wenn es nun daran geht, die verschiedenen Kabel an die Musiker zu verteilen, könnte ich mir vorstellen, dass die klare Transparenz und besonders explizite Brillanzdarstellung von Sommer im Grunde allen Anwendungen zugutekommen kann, aber insbesondere bei der Übertragung von feinen Akustikinstrumenten oder solierenden Instrumenten im Vordergrund große Stärken ausspielt. Die etwas kompaktere, fundamentalere Art von Planet Waves und Cordial passt zu groovender und rockender Musik, wobei Traditionalisten sich schließlich das Klotz aussuchen werden. Und wer bekommt den Nobel-Klangleiter von Vovox? Der liefert hervorragende Genauigkeit und luftige Durchsichtigkeit fürs Studio, wo sich eine solche Investition in allen Feinheiten bemerkbar machen kann.


Aus Gitarre & Bass 11/2016

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