Leichtgewicht, nur nicht im Ton

Ibanez SRH500, E-Bass im Test

Die Erfindung des E-Basses war im wahrsten Sinne des Wortes eine Erleichterung, ersparte sie doch das Schleppen eines voluminösen und gewichtigen Kontrabasses. Nur nach dem speziellen Akustikklang sehnt sich seither so mancher Elektrobassist.

(Bild: Dieter Stork)

In der Bass-Workshop-Serie will Ibanez nun die besonderen Klangstärken eines Uprights wiederbeleben – mit allen Vorteilen eines praktischen E-Tieftöners. Die mit und ohne Bundstäbchen lieferbaren Halbresonanzbässe zeichnen sich sogar durch besonders leichte Handhabung aus.

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Komfort und Stil

Ein wichtiges Element wurde bereits genannt: Der Korpus ist zwar mit 54 mm etwas dicker als üblich, besitzt aber große Hohlräume seitlich des durchgehenden, massiven Mittelstreifens, was durch ein FLoch auch optisch signalisiert wird. Seine Basis besteht aus Mahagoni, die aufgeleimte Decke aus Fichte, insgesamt also eine bei Akustikinstrumenten bewährte Hölzerkombination. Das Gesamtgewicht beträgt angenehme 3 Kilogramm, etwa ein Viertel weniger als bei einem massiven E-Bass.

Schöne Holzknöpfe zieren das spartanische Bedienfeld. (Bild: Dieter Stork)

Die zweite Zutat zum angenehmen Spiel ist der superschlanke Sound-Gear-Hals, am Sattel betont schmal und im Profil flach, um die Muskeln der Greifhand zu entlasten. Der aufgeschraubte Hals besteht aus drei Streifen Jatoba, die durch zwei schmalere Bubinga-Streifen ergänzt werden. Im Palisandergriffbrett sitzen 24 Medium Jumbos, wobei auffällt, dass man in den Griffbrettflanken keine Bundschlitze sieht – die werden durch eine Echtholz-Einfassungen aus dem Griffbrettmaterial nämlich verdeckt.

Ein wenig rustikal wirkt die ganz matt belassene Sunburst-Lackierung des Bodys, doch das passt im Grunde gut zum angepeilten Klassik-Charakter des Instruments, welches im übrigen blitzsauber und präzise verarbeitet ist. Die gekapselten Tuner auf der abgewinkelten Kopfplatte arbeiten feingängig und genau, im speziellen Flachsteg findet sich zudem das dritte charakterentscheidende Element in Form der AeroSilk-Piezos, die einen möglichst akustischen Klang aus der leichten Holzkonstruktion herausholen sollen. Von der Rückseite aus erreicht man vier Trimmpotis für den perfekten Abgleich der Saitenlautstärken und natürlich werden die Piezo-Signale aktiv vorverstärkt, und auch der Klangregler im spartanisch wirkenden Bedienfeld arbeitet aktiv.

Charakterbass

Der schlanke SR4-Hals ist bekanntlich fast ein Selbstläufer, und im Rücken spürt man die angenehmen 3-Kilo-Bässe auch nicht, zumal die Balance stimmt. Dem etwas dickeren Halbresonanzkorpus ist die Abrundung der oberen Korpuskante geschuldet, sodass es bei aufgelegtem Arm keine Druckstellen gibt.

Der dicke Body wurde am Übergang zum Hals ausgefräst, um den Zugang zu höchsten Lagen zu erleichtern. (Bild: Dieter Stork)

Um den Spieler von vornherein auf die richtige Tonspur zu lenken, sind die SRH500 nicht mit konventionellen Roundwounds bespannt, sondern mit hochwertigen Flatwound-Saiten. Deren besonderer Sound konzentriert sich auf die Grundnote und stärkt dabei automatisch die Kontrabass-Komponente im Klangverhalten. Und keine Angst, „tot“ klingen die D‘Addario Chromes natürlich auf keinen Fall und liefern zusammen mit den Piezo-Tonabnehmern genügend Obertoninformationen, um den Klick und alle feinen Details des Spezialklangs deutlich rüberzubringen.

Und der ist mit satt polterndem Anschlagswumms tatsächlich sehr kontrabassig, wobei natürlich die bundlose Version noch authentischer schnurrt als die bundierte, welche wiederum den Vorteil aufweist, auch für Fretless-ungeübte Spieler präzise zu intonieren. Beim Fretless helfen übrigens unauffällige, schwarze Bundlinien beim genauen Greifen – um sie wahrzunehmen, ist allerdings gutes Licht vonnöten.

Das AeroSilk-Piezosystem überträgt den Saitenton mit mächtigem Anschlagsbass. (Bild: Dieter Stork)

Auf den wuchtigen Anschlag folgt eine ausgeprägte Schnurrkultur, wo bei beiden Versionen der Ton charaktervoll aufschwingt. Der markante Growl und die lange Sustain-Entwicklung sprechen für die kompetente Holzauswahl, die ja neben Saiten und Elektrik vor allem für die besonderen Klangergebnisse verantwortlich ist. Und es stehen für drahtigere Sounds auch reichlich Brillanz und Direktheit zur Verfügung, die am bestens abgestimmten Klangregler harmonisch abgemildert werden können.

(Bild: Dieter Stork)

Resümee

Die Hollowbodies von Ibanez sind starke Charakterspieler und fangen die Akustik- Komponente im Kontrabass-Stil eindrucksvoll ein, mit wuchtig-bassigem Anschlag und schnurrintensiver Sustain- Kultur. Trotz spartanisch wirkender Regelmöglichkeiten vermisst man bei diesen angenehm leichtgängigen Playern gar nichts, und allein mit den spielerischen Einflussmöglichkeiten lassen sich aus diesen sensiblen Bässen verblüffende Nuancierungen herauskitzeln. Und was am Ende noch besonders für diese stimmigen Spezialtieftöner spricht, ist natürlich das wirklich ausgezeichnete Preis/Leistungs- Verhältnis.

Plus

  • Klangverhalten, Akustikkomponente
  • Bespielbarkeit
  • Gewicht
  • Preis/Leistungsverhältnis

Minus

  • schwarze Fretlines sind nur bei gutem Licht erkennbar (Fretless)

Aus Gitarre & Bass 05/2017

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