G&B Testbericht

Ibanez SR300 im Test

Ibanez-Bass, weiß, stehend
(Bild: Dieter Stork)

Mein erster eigener Bundbass war ein Ibanez Roadster, und der hat vor rund 30 Jahren um die DM 650 gekostet. Rechnet man das in Euro um, liegt das aktuelle Einsteigermodell der Soundgear-Serie ziemlich genau in der gleichen Preisklasse. Wir haben den Ibanez SR300 getestet. 

 

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Der Roadster war eines der ersten Ibanez-eigenen Bass-Designs und zweifellos ein guter Kauf, er ist bis heute ein gutes Instrument mit hohem Praxiswert. Und wenn man sich den aktuellen SR300 anschaut, darf man nicht weniger von diesem schlanken Flitzebass erwarten. Man bekommt bei der Marke eine Menge für den Einsteigerpreis geboten, und das sieht auch noch nach langlebiger Qualität aus.

Konstruktion des Ibanez SR300

Dieses Modell wird in Indonesien hergestellt, und so steckt unter dem attraktiven Perl-Effektlack ein Korpus aus Agathis, einem pazifischen Nadelholz. Staunen kann man nur beim aufgeschraubten Hals, der fünfstreifig aus schnurgerade gewachsenem Ahorn mit zwei kontrastierenden Palisanderstreifen gebaut ist. Im Palisandergriffbrett sitzen 24 mittelstarke Bundstäbchen, die abgewinkelte Kopfplatte ist in der gleichen Farbe wie der Korpus hochglänzend lackiert, während die Halsrückseite mit Öl versiegelt wurde. Was hier allein schon bei der tadellos verarbeiteten Holzkonstruktion geboten wird, ist in dieser Preisregion verblüffend und lässt nirgendwo einen Billigcharakter erkennen. Hut ab!

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Und bei der Ausstattung geht es auf adäquatem Niveau weiter: Schwarzchrom- Oberflächen geben dem massigen und kompetent konstruierten Steg sowie den gekapselten Stimmmechaniken ein edles Aussehen, Soapbar-Humbucker mit gewölbter Oberseite sorgen für gleichmäßige Abtastung aller Saiten. Eine hochwertige Aktiv-Elektronik bringt hier sogar neue Ideen ins Spiel, denn beim Style-Sweeper-EQ wird eine Bass/Höhen-Klangregelung um einen zusätzlichen Regler erweitert, mit dem man den Wiedergabecharakter stufenlos vom Fingerstyle- zum Slapsound hin variieren kann. Bis in kleine Details wie z. B. dem hochwertigen Batterie-Klappfach und dem werkzeuglos zu öffnenden Spannstab-Deckelchen auf der Kopfplatte ist der SR300 hochwertig bestückt.

Ibanez SR300 in der Praxis

Die Soundgear-Serie ist nicht nur für die flunderflach geshapten Bodies, sondern auch für extraschlanke Hälse bekannt – extrem leichtgängige Spielbarkeit ist somit trotz der erwachsenen Longscale-Mensur garantiert, gerade wenn man keine großen Pranken hat. Am Gurt hängt der knapp 3,4 kg leichte Viersaiter zudem angenehm ausgewogen und legt sich stabil an der Körper.

Durch die Soapbar-Humbucker wird ein Grund-Sound mit ordentlich druckvollem Bassfundament übertragen, der aber auch am anderen Ende des Frequenzbereichs durch Offenheit und filigrane Brillanzen überzeugt. Und in den Mitten steuern die Pickups eine wohlgewogene Prise markanten Nasalcharakters hinzu, der die Durchsetzungskraft und Heraushörbarkeit des Basstons im Band-Gefüge wirksam stärkt. Klanglich spielen diese Tonabnehmer auf verblüffend hohem Niveau, was also offenbar keine Geldfrage sein muss.

Das gleiche gilt für die sinnvoll ausgelegte Aktivelektronik, bei der zahnarztspitze Brillanzen und druckstarke Punch-Bässe gezielt auf’s Korn genommen werden. Besonders interessant ist hier natürlich der neue Style-Sweep-Regler, mit dem man stufenlos die passende Grundabstimmung für verschiedene Spielstile herstellen kann. Um den weicheren Fingeranschlag knackig und exakt herauszustellen, bietet der EQ dann ausreichend drahtige Präsenzen an, während er für satte Slapsounds das Klangbild obenherum deutlich abmildert und gleichzeitig mit dichteren Punch-Bässen versorgt. Tatsächlich garantiert der Sty-Sweep-Regler in der Praxis eindrucksvolle Ergebnisse, die eben viel einfacher abrufbar sind als bei einem konventionellen Dreiband-EQ. Generell funktionieren beim SR300 alle Regler perfekt und mit gleichmäßiger Verteilung der Wirkung auf den gesamten Einstellweg. Das allein dürfte in der günstigen Preiskategorie schon alles andere als selbstverständlich sein!

Der schräge Kabelabgang mit der versenkt angebrachten Buchse schützt den Klinkenstecker des Instrumentenkabels vor dem Abknicken. Allerdings kann es bei zierlichen Steckern schwierig werden, sie aus der strammen Buchse wieder herauszubekommen, weil man das Gehäuse kaum zu packen bekommt. Das ist allerdings die einzige Blöße, die sich dieser verdammt perfekte Einsteigerbass gibt.

Resümee

Wenn ein Bass auffällig günstig angeboten wird, sollte man sich auf gewisse Einschränkungen gefasst machen, schließlich gibt es nirgendwo etwas geschenkt. Umso begeisternder ist das hohe Niveau, welches dieses Einsteigermodell aus der Soundgear-Serie bietet – wo es von der tadellosen Holzkonstruktion über die hochwertige Ausstattung bis hin zu exzellenten Klangergebnissen nicht das Mindeste zu bemängeln gibt! Ganz offensichtlich spielt das Know-how einer erfahrenen Marke wie Ibanez hier die Hauptrolle, und in dieser günstigen Preisklasse dürfte der SR300 der harmonischste Bass sein, den ich jemals im Test hatte!

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Kommentar zu diesem Artikel

  1. Danke für den Artikel. Der Roadster hieß damals allerdings Roadstar. Und eine Datierung des Beitrags wäre sinnvoll, der SR300 wird ja seit Jahren immer wieder erheblich verändert. Und was macht denn der “Stylesweeper” nun genau bzw. wie unterscheidet er sich von einem symmetrischen/asymmetrischen Mittenregler?

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