Hartke Kilo im Test

Bass-Vollverstärker-Topteil von Hartke, schwarz
FOTO: Dieter Stork

 

Dieser Verstärker hat nicht nur Pfund, er hat sogar zwei Pfund Endstufenleistung. Mit einem runden Kilowatt und auch sonst ausgesprochen üppiger Ausstattung ist das neue Hartke-Flaggschiff ein Bass-Amp ohne Kompromisse.

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Schon vor zwei Jahren wurde auf der Frankfurter Musikmesse ein Dummy des Kilo-Tops vorgestellt und hat wohl manchem Power-Freak den Mund wässrig gemacht. Bis es nun zur Auslieferung kommen konnte, hat es zwar ungewöhnlich lange gedauert, aber dafür darf man wohl auch eine besonders reife Leistung erwarten.

In Zeiten verblüffend starker Class-D-Endstufen hauen Leistungsgrößen bis in den vierstelligen Bereich eigentlich keinen mehr vom Hocker – allerdings ist der Kilo kein „Digitaler“, sondern arbeitet in lupenreiner Analogtechnik. Was man ihm in seinem voluminösen 3-HE-Gehäuse auch ansieht, welches praktisch genauso tief baut, wie es breit ist! Röhren und Transistoren arbeiten darin Hand in Hand, und dabei wird an nichts gespart: 22 Regler, 11 Schalter und 21 Anschlussbuchsen finden sich an dem Muskelprotz, der sich massiv gegen den heutigen Lightweight-Mainstream stemmt.

 

Bedienfeld des Hartke Kilo

Trotz allem Pipapo ist der Hartke verhältnismäßig übersichtlich gelungen. Direkt hinter dem Instrumenten-Eingang, dessen Empfindlichkeit an der Active-Taste umgeschaltet werden kann, wird der Instrumententon von einem zweistufigen Röhren-Vorverstärker aufgearbeitet. Danach geht es in die zuschaltbare Overdrive-Abteilung, die ebenfalls mit einer Doppeltriode bestückt ist; die Übersteuerung ist natürlich feinfühlig einstellbar. Als nächstes Aggregat steht ein transistorisierter Kompressor bereit; über dessen Ratio-Regler liegt die Mute-Taste, mit dem sich die Verstärkervorstufe stummschalten lässt. Erst dann kommt der normale Gain-Regler, über dem die Schalttaste für das Brite-Preset angebracht ist.

 

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FOTO: Dieter Stork
Beim Kilo kann man das D.I.-Signal an vier verschiedenen Stellen abgreifen.

 

Vor der Vierfach-Klangregelung mit zuschaltbarem Shape und permanent arbeitenden Reglern für Bass, Mid und Treble wird noch mal mit zwei Röhren-Trioden aufgeholt. Über den Klangreglern sitzen wieder nützliche Schalter: Zum Bass-Regler gehört ein Deep-Preset, über dem Mitten-Poti kann der Effektweg eingeschaltet werden, und über dem Treble-Regler sitzt der Einschalter für den zehnbandigen Graphic-EQ, der einen zusätzlichen Level-Schieberegler besitzt, um etwaige Pegelsprünge zwischen EQ-Einstellung und Normalton ausgleichen (oder herbeiführen) zu können.

Ein wenig Gedränge gibt es beim Reglerfeld für Master-Volume und D.I.-Pegel. Weil der Kilo mit zwei 500-Watt-Endstufen ausgestattet ist, kommt zum normalen Master ein Balanceregler hinzu.

Und unter dem Pegelsteller für den symmetrischen D.I.-Ausgang findet sich ein Drehschalter, der vier Möglichkeiten zur Auswahl stellt, wo das Direct-Signal für Aufnahme oder P.A. denn abgegriffen werden soll: Direkt am Eingang, hinter Overdrive und Kompressor, hinter allen Klangreglern ohne Effekte oder ganz hinten im Preamp, hinter den Effektwegen, aber sinnvollerweise noch vor dem Master-Volume. Die Idee, den Direct Out so flexibel zu machen, hat gehörigen Praxiswert!

 

Anschlüsse

Der serielle Effekt-Einschleifweg ist stereophon nutzbar, besitzt einen Mono-Send und separate Return-Buchsen für Left und Right, wovon die linke auch als Mono-Return benutzt werden kann. Direkt darauf folgt ein zweiter, lupenreiner Stereo-Einschleifweg, der freilich auch anderweitig genutzt werden kann – seine komplett in Links und Rechts getrennten Anschlüsse sind als Preamp Out und Power Amp In beschriftet.

Zwar liegen auch diese Inserts vor dem Master-Volume, werden aber in keiner Einstellung vom Direct Out erfasst, was für zusätzliche Aggregate sinnvoll ist, die man nur in seiner Bühnenanlage hören möchte.

 

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FOTO: Dieter Stork
Anschlussmäßig ist der Hartke für Stereo und Mono gerüstet.

 

Tuner-Anschlussbuchsen sind sowohl vorne wie auch hinten vorhanden und selbstverständlich vom normalen Signallauf entkoppelt. Der symmetrische D.I.-Ausgang ist mit einem Ground-Lift-Schalter versehen, an zwei Stereoklinken können Fußschalter für Mute und Overdrive sowie Graphic EQ und Effektweg angeschlossen werden. Der Netzanschluss ist für 220-240 Volt und 100-120 Volt umschaltbar.

Die Endstufen besitzen jeweils zwei Klinkenausgänge und einen Speakon-Anschluss. Jede Seite kann bis 2 Ohm hinab belastet werden, sodass auch große Setups mit vielen Boxen kein Problem darstellen. Für den Mono-Bridge-Modus steht eine eigene Spekon-Buchse bereit, hier gibt der Hartke dann das volle Kilo(watt) an 4 Ohm ab.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Der Hartke Kilo in der Praxis

Wie ein Blick unter die Haube zeigt, ist ein solcher Analog-Bolide ein aufwendiges Stück Technik. Das Riesengehäuse ist also keine Show, sondern prall mit stehenden und liegenden Platinen und einem ordentlich dimensionierten Ringkern-Trafo gefüllt, dass dem Laien bange werden kann. Allerdings ist der Aufbau mit rund 1000 Bauteilen ausgesprochen robust ausgeführt, wozu auch das stabile Stahlblech-Gehäuse mit den rückwärtigen Befestigungslaschen passt. Der Kilo gehört in ein professionelles Rack, kann aber auch sorglos ohne verwendet werden.

So grundsolide der Hartke gebaut ist, gibt er sich auch klanglich. Kein donnerndes Bassgewitter wird hier dargeboten, sondern souveräne Leistungsfähigkeit im straffen, sauber ausformulierten Stil. Denn da ja anzunehmen ist, dass ein solches Kraftwerk vor allem dort eingesetzt wird, wo der Bass auch bei lauter Wiedergabe definiert klingen soll, verzichtet der Verstärker auf vordergründiges Aufpumpen des Sounds und zeigt seine Kräfte stramm und sauber. Zumindest, solange man nicht den Röhren-Overdrive einschaltet, der fein dosierbar vom zarten Crunch bis zur harmonischen Vollzerre einstellbar ist. Vorteilhaft ist dabei, dass die Zerrabteilung vollkommen unabhängig von der normalen Gain-Einstellung arbeitet und somit den gewünschten Overdrive vollkommen gleichmäßig abliefert, egal, ob man in Zimmerlautstärke oder im Stadion spielt. Nicht ganz so gelungen präsentiert sich der Kompressor. Er macht zwar tadellos das, was er soll – was aber bei zunehmendem Kompressionsgrad mit einer deutlichen Pegeleinbuße verbunden ist, die sich nur an Gain oder Master-Volume ausgleichen lässt. Somit entfällt zumindest bei stärkeren Kompressor-Effekten in der Praxis die Möglichkeit, ihn unauffällig per Fußschalter ein- und auszuschalten. Ein zusätzlicher, mitgeschalteter Volume-Regler zum Ausgleich der Pegelreduktion wäre hier angezeigt.

 

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FOTO: Dieter Stork
Das große Gehäuse ist keine Show, sondern dicht mit hochwertiger Elektronik gefüllt.

 

Aber der Kilo hat natürlich noch viele andere Features, mit denen er glänzen kann. Das zuschaltbare Shape-Preset ist hier einmal anders ausgelegt als sonst und erzeugt bei aufgedrehtem Regler einen attraktiv Punch-kräftigen Ton, der in Funk und Rock gleichermaßen zulangt. Wirkungsvoll, aber zugleich ausgewogen harmonisch wie ein passives Tone Stack greifen die Klangregler für Bass, Mitten und Höhen ein, sodass man sorglos auch die Extremeinstellungen ausloten kann, ohne dass der Instrumententon unnatürlich scharf oder gar quäkig verformt wird. Für engbandigere und gezieltere Eingriffe steht ja schließlich noch der zehnbandige Graphic-EQ bereit, dessen Schieberegler nach dem Einschalten des Aggregats zur besseren Übersicht beleuchtet werden. In jeder Hinsicht (nimmt man einmal den Pegelrückgang bei starker Kompression aus) gibt sich das neue Hartke-Spitzenmodell qualitätvoll und praxisgerecht abgestimmt.

 

Resümee

Dieser analoge Hybrid-Bolide stemmt sich mit Macht gegen die modernen Leichtgewichte und erfüllt mit seiner üppigen Ausstattung praktisch jeden Bassistenwunsch. Seine enormen Kräfte präsentiert der stereotaugliche 1000-Watt-Amp angemessen stramm und sauber, damit auch bei Spitzenpegeln kein Gewummer die Freude am Powersound trüben kann – was gleichzeitig auch die Einstell-Freiheiten an den zahlreichen Klangreglern erhöht. Und wer es gerne etwas schmutziger mag, wird hochwertig und harmonisch mit einer röhrenbestückten Overdrive-Abteilung bedient. Und mit der vierfachen Wahlmöglichkeit für den D.I.-Ausgang bietet das Gerät noch eine echte Innovation mit hohem Praxiswert. Beim Kompressor fehlt lediglich noch ein Regler zum Ausgleich des Pegelrückgangs, ansonsten ist der aufwendige Hartke Kilo ein enorm universeller und klangstarker Bass-Amp, der zweifellos in der Profi-Klasse zu Hause ist.

Und wenn man nun noch auf den Preis schaut, reibt man sich die Augen!

 

Übersicht

Fabrikat: Hartke

Modell: Kilo

Typ: Bass-Vollverstärker

Herkunftsland: China

Technik: Röhren-Vorstufe und Transistor-Endstufe

Leistung: 2x 500 Watt an 2 Ohm; 1x 1000 Watt an 4 Ohm

Gehäuse: Stahlblech; 19″, 3 HE, Einbautiefe 415 mm

Gehäuseausstattung: Frontgriffe, Gummifüße, Befestigungslaschen vorne und hinten

Anschlüsse: Input Klinke, Tuner 2x Klinke, Efx Loop Klinke Send u. 2x Klinke Return, Preamp Out 2x Klinke, Power Amp In 2x Klinke, Direct Out symm. XLR, Footswitch 2x Stereoklinke, Speaker Outputs 3x Speakon u. 4x Klinke, Netzbuchse

Regler: Overdrive, Compressor, Gain, Shape, Bass, Mid, Treble, Direct Out, Volume, Balance, 10x Graphic EQ u. 1x Graphic Level

Schalter/Taster: Active, Overdrive, Mute, Brite, Shape, Deep, EFX, Graphic EQ, DI Select, Ground Lift, Netzschalter

Effekte: Overdrive, Compressor

Einschleifweg: 1x seriell Mono/Stereo, 1x seriell Stereo (Preamp Out/Power Amp In)

Besonderheiten: Fußschalter-Anschlüsse für Mute/Overdrive und EQ/EFX, beleuchtete Graphic-EQ-Regler, beleuchtete Schalttasten, rückwärtige Befestigungslaschen

Gewicht: 18 kg

Maße: 482 x 132 x 460 mm

Vertrieb: Sound Service

15834 Rangsdorf

www.sound-service.eu

Zubehör: Netzkabel, Bedienungsanleitung

Preis: ca. 1070

 

Plus

  • straffes Klangbild auch bei hohen Pegeln, Leistungsvermögen
  • Variabilität, Sound-Möglichkeiten, Stereo-Tauglichkeit
  • Overdrive zuschaltbar
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

Minus

  • Pegelrückgang bei stärkeren Kompressor-EinstellungeN
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