Kassenschlager

Harley Benton HB-300B im Test

Ein 300 Watt starker 15″-Bass-Combo mit allem Pipapo für 222 Euro – kann denn das was sein? Harley Benton zeigt, was auch im untersten Preissegment möglich ist.

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(Bild: Dieter Stork)

Was der HB-300B alles bietet, würde auch einem deutlich kostspieligeren Gerät zur Ehre gereichen. Wenn es denn auch den Erwartungen gerecht wird. Schließlich ist der Preis (auch wenn der Vertrieb zugleich als Hersteller und Endverkäufer agiert) so unglaublich, dass es sich um einen Wunderkoffer handeln muss.

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Ausstattung

Schon ganz vorne geht es üppig los: Der HB-300B besitzt zwei alternativ nutzbare Preamps, die in Gain und Voicing separat einstellbar sind. Die Umschaltung geschieht per Kopfdruck, und mit einem einfachen Fußschalter auch freihändig; dass der Fußschalter nicht mitgeliefert wird, kann man dem Preiswunder nicht ankreiden. Es folgt ein zuschaltbarer Kompressor, darauf ein siebenbandiger Graphic EQ und der (Master-) Volume-Regler. Neben dem Volume-Regler findet sich ein Abschalter für den eingebauten Limiter, der den Poweramp vor Übersteuerung schützen soll.

Playbacks von CD oder anderen Quellen können an zwei Cinch-Buchsen als Übebegleitung eingespeist werden, für die Abnahme auf der Bühne ist ein symmetrischer DI-Ausgang vorhanden, ebenso ein Klinkenanschluss fürs Stimmgerät und die praktischerweise vorne platzierte Fußschalter-Buchse. Der FX-Einschleifweg, der externe Effektgeräte hinter Compressor und EQ seriell einfügt, liegt auf der Rückseite. Die Nennleistung der analogen Transistorendstufe ist mit 300 Watt angegeben, wovon sie 145 an den eingebauten 8-Ohm-Fünfzehnzöller abgeben kann – der Rest kommt dann zum Zuge, wenn an die rückwärtige External-Speaker-Buchse eine weitere 8-Ohm-Box angeschlossen wird.

Hinter dem stabilen Lochgitter arbeitet ein 15″ Celestion mit Keramikmagnet in einem Bassreflexgehäuse, die obersten Frequenzen steuert ein Piezo-Hochtonhorn bei. Verzerrte Sounds kommen ohne Hochtöner meistens ausgewogener rüber, weshalb sich im Anschlussfeld auch ein Abschalter für den Tweeter findet.

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Der Verstärker ist in Analogtechnik aufgebaut. (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Bei den heutigen Leichtgewichtsmodellen hat man fast schon vergessen, wie bleischwer die gute, alte Spanplatte und dicke Transformatoren sein können – aus 16 mm dickem Pressspan ist das filzbezogene Gehäuse gebaut, die Frontplatte besteht aus dichterem MDF. Man kann versuchen, den hoch bauenden 27-Kilo-Koffer alleine am oberen Griff zu lüpfen, aber wirklich Spaß bereitet das nicht. In den Seiten finden sich deshalb noch zusätzliche Griffschalen; sie sind von einfacher Art, erleichtern aber das bequemere Packen zu zweit trotzdem.

Das schwere Teil ist insgesamt ordentlich gebaut und wirkt stabil, allerdings war beim Testgerät die Befestigungsschraube des Ringkern-Netztrafos lose, was nicht passieren darf. Super-Schnäppchen haben mitunter nicht die aufwendigste Endkontrolle durchlaufen. Dafür überzeugt die Wiedergabe mit Saft und Kraft: Obwohl am internen Lautsprecher nur etwa die Hälfte der Nennleistung zum Einsatz kommt, ist der erwachsene Ton des 15″-Combos durchaus Band-tauglich. Und kann sich auch klanglich Meriten erwerben. Die Voicing-Regler in den beiden Preamps arbeiten sehr angemessen, hier geht es vom strammen Groove-Sound feinfühlig zum weicheren HiFi-Klangbild mit stärkeren Tiefbässen, zurückgenommenen Mitten und feinen Brillanzen.

Bei unterschiedlichem Voicing hat man per Kanalumschaltung wirksam verschiedene Sounds auf dem Fußschalter. Der zuschaltbare Kompressor verdichtet bei korrekter Einstellung pfundig den Ton und bietet auch sehr extreme Kompression mit gutem Klang an. Weil hier außer dem Schalter keine Einsteller vorhanden sind, wird der gewünschte Kompressor-Effekt am Gain-Regler justiert. Für Anfänger ist das vielleicht etwas unübersichtlich, aber am Ende ist der Kompressor eine solche Bereicherung, dass man sich auch einen Fußschalter dafür wünschen würde. Und dass man mit einer Siebenband-Klangregelung alle möglichen Varianten erfolgreich hinbekommt, ist kein Wunder, selbst bei Extrem-Anhebungen einzelner Bereiche rauscht es nicht störend. Zartfühlende nervt da schon eher das leicht hysterische Laufgeräusch des Lüftermotors, zumindest in leisen Spielpausen.

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Mit einem zusätzlichen 8-OhmLautsprecher kann der 300-WattAmp seine volle Leistung abgeben. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Geschenkt gibt es nichts im Leben, aber günstig gekauft. Der Harley Benton HB- 300B schlägt mit Kraft und umfangreicher Ausstattung sicher alle Mitbewerber in seiner Preisklasse – wenn es denn da wirklich welche gibt. Nächste gute Nachricht: Der Koffer klingt tadellos und ist dabei auch noch enorm variabel, man bekommt wirklich starke Ergebnisse in der Band hin. Dafür muss man aber beim Transport 27 Kilogramm wuchten und einen hörbaren Lüfter tolerieren. Und falls man einen klackernden Trafo erwischen sollte, ist das eben ein Fall für die Garantiereparatur.

Plus
• Preis/Leistung
• Wiedergabe, SoundMöglichkeiten
• 2 umschaltbare Preamp-Kanäle
• Compressor

 Minus
• Gewicht
• Lüftergeräusch
• Netztrafo beim Testgerät lose

 

Harley Benton HB-300B_profil

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