G&B Testbericht

Gallien-Krueger MB115 & MB210 im Test

Bassverstärker MB115 und MB210 von Gallien-Krueger
(Bild: Dieter Stork)

Moderne Class-D-Endstufentechnik und belastbare Neodym-Lautsprecher machen es möglich, auch einem kompakten Bass-Combo ordentlich Muckis mit auf den Weg zu geben. Und was noch vor wenigen Jahren innovativ und teuer war, ist jetzt in den günstigen Preisklassen angekommen.

 

Anzeige

 

Bei der Bassverstärkung waren die technologischen Umwälzungen in den letzten Jahren besonders dramatisch. Es fing eigentlich ganz unauffällig mit einem besonderen Magnetmaterial für die Lautsprecher an, welches zehnmal stärker war als die bislang üblichen Magnete und somit kräftigere und leichtere Speaker möglich machte. Dann gab es einige mutige Vorreiter, die zur Stromversorgung hochfrequente Schaltnetzteile einsetzten und damit einen kostspieligen und schweren Netztrafo einsparten. Schließlich haben sich die „digitalen“ Class-D-Endstufen mit ihrem hochgezüchteten Wirkungsgrad immer mehr durchsetzen können, wovon vor allem Bass-Amps profitieren, denen man damit ohne großen Aufwand sogar extrem hohe Leistungen bescheren kann. Und das alles zusammen hat die gute, alte Bassanlage ziemlich verändert, sie ist leichter und zugleich stärker geworden. Was bei einem Kofferverstärker natürlich eine besonders praktische Kombination darstellt

Ausstattung von Gallien-Krueger MB115 & MB210

Unsere beiden Testmodelle unterscheiden sich nicht nur in der Lautsprecher-Bestückung, sondern auch in der Endstufenleistung voneinander. Aus der Modellbezeichnung leitet sich ja schon mal ab, dass der MB115 mit einem Fünfzehnzoll-Speaker ausgestattet ist, während der MB210 zwei Zehnzöller aufweist. Für spritzige Brillanz-Wiedergabe kommt jeweils noch ein Piezo-Hochtöner hinzu, der sich vom Bedienfeld aus per Schalttaste auch ausschalten lässt. Der 15″-Combo ist mit einer 200-Watt-Endstufe bestückt, die ihre volle Nennleistung an den eingebauten Lautsprecher abgibt.

Beim 2×10″-Modell hat man hingegen an eine mögliche Erweiterung gedacht, sodass auch eine Speakon/Klinken-Kombibuchse für eine zusätzliche Box vorhanden ist. Hier kann die Endstufe schon 350 Watt an die beiden Neodym-Zehnzöller abgeben, das Leistungsvermögen erhöht sich gar auf 500 Watt, wenn eine Zusatzbox (8 Ohm) angeschlossen ist. Für aktive oder passive Bässe sind getrennte Klinkeneingänge vorhanden. Außer Gain und Master-Volume findet sich dazwischen noch ein weiterer Pegelsteller, der mit Boost bezeichnet ist. Hier lässt sich subtile Rotzigkeit hineindrehen, was Brutalität und Lautheit des Tons steigert und bei voller Dosierung sogar fetzig angezerrte Sounds ermöglicht. Als Versicherung, dass auch heftige Anschläge nicht über’s Ziel hinausschießen, ist ein Limiter zuschaltbar.

Der Vierband-EQ wird durch ein Contour-Preset ergänzt, außerdem kann man den Abschaltknopf für den Tweeter noch als eine Art Klangregler bezeichnen. Per Miniklinke können Playbacks z. B. vom iPod eingespielt werden, und wenn der Kopfhörer-Ausgang benutzt wird, schaltet er die Lautsprecher-Wiedergabe automatisch ab, sodass man auch ganz für sich alleine üben kann. Der symmetrische Direct Out gibt das Vorstufen-Signal bereits vor Gain-Regler und Klangregelung heraus. Wer seinen Sound mit den Mitteln des Verstärkers formt, wird das über diesen D.I.-Ausgang leider nicht an die P.A. weitergeben können.

Die MB-Combos sind zweckmäßig schlicht gebaut und ordentlich verarbeitet. Sie punkten dabei durch angenehm geringes Gewicht, was man bei häufigeren Transporten schätzen wird.

Gallien-Krueger MB115 & MB210 in der Praxis

Die grundsätzlichen, einfacheren Bass-Bedürfnisse werden vom MB115 bestens abdeckt, das Modell ist auch preisgünstiger als der Testkollege, der freilich mit erweiterten Möglichkeiten lockt. Zum Beispiel macht eine zusätzliche Box aus dem handlichen 210-Combo schon eine ziemlich fette Bassanlage, wofür ja auch die höhere Endstufenleistung nützlich ist. Bei sonst gleicher Ausstattung richten sich die Modelle an verschiedene Spielertypen.

Wer größtenteils im klassischen Sinne die Bassbegleitung zur Band liefert und dabei auch keine brutale Rock-Band-Lautstärke erzeugen muss, wird mit dem MB115 zufrieden sein. Sein satt fundierter, bassiger Grundcharakter ist genau das, was eine praxisoriertierte Bassbegleitung tragfähig macht, und der eingebaute Limiter kann den Ton noch zusätzlich verdichten. Natürlich ist man nicht allein auf braves Gebrumme festgelegt, und am Boost-Regler lässt sich eine ordentliche Portion an rauher Rock-Power nachlegen. Sowohl die hoch hinaufreichende Wiedergabe der Lautsprecher, wie auch die wirkungsvoll ausgelegten Klangregler am Verstärker erlauben weitere Variationen, sodass der Combo auch bei Funk-Licks und Soloeinlagen eine gute Figur macht. Und das tut er auch bei echter Band-Lautstärke, ohne angestrengt zu wirken.

Wo das 15″-Modell aber insgesamt eher einen klassisch voluminösen Basston fokussiert, setzt der MB210 den Akzent bei den präsenteren, moderneren Sounds, die insgesamt flinker und härter rüberkommen. Die elektrischen Variationsmöglichkeiten sind hier die gleichen wie beim MB115, trotzdem fallen die Klangergebnisse anders aus. Lang gehaltene Basstöne werden von den Zehnzöllern zwar verblüffend fundiert, aber trotzdem nicht ganz so mächtig und schubstark wie vom MB115 dargestellt, dafür zeigt sich aber der knackige Attack hier offensiver und auch die präsenten Drahtanteile spielen sich ein wenig frecher in den Vordergrund.

Für treibende Grooves und blitzschnell gespielte Kunststücke liefern die 10″-Speaker eine präzisere Grundlage, hier ist das Fahrwerk ein wenig straffer abgestimmt als beim fülligeren MB115. Und die zusätzliche Endstufenleistung ist für dynamischere Spielweisen auch willkommen und schafft den nötigen Headroom für unverzerrte Pegelspitzen. Wer aus seinem MB210 dann den ganz großen, voluminösen Basston herausholen will, braucht dafür nur eine geeignete Zusatzbox anzuschließen, Power ist mehr als genügend vorhanden.

Resümee

Die MB-Combos von Gallien-Krueger sind zwar schlicht designed, aber dennoch ernstzunehmende Bassanlagen für den Band-Musiker, wobei die beiden Modelle sich an verschiedene Nutzer wenden. Für den Mainstream-Bassisten, der im Band-Hintergrund geerdete Bassarbeit abliefert, ist der bassig-satte MB115 genau richtig. Wo es mehr um Attacke, Offensivität und knallige Dynamik geht, hat der MB210 mit seinen Zehnzöllern und der Erweiterungsmöglichkeit durch eine Zusatzbox die Nase vorn. Preis und Leistung stehen in beiden Fällen in einem gesunden Verhältnis zueinander.

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Hallo,

    ich stehe genau vor der Entscheidungsfrage zwischen dem 115er und dem 210er (allerdings die MB-II Serie). Würdet ihr sagen, dass man mit dem 115er (200w) neben einem Schlagzeuger bestehen kann (als Monitoring)? Ich habe derzeit einen Ibanez Promethean 3115 mit 300w stehen, der zum Teil untergeht – aber heutzutage kann man die Watt-Anzahlen ja nicht mehr vergleichen…
    Irgendwelche Praxiserfahrungen? Es geht um den Monitoreinsatz in einer Karnevalsband (also eher Richtung Rock).

    Auf diesen Kommentar antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: