Massiv günstig

Furch B62-SW5 im Test

Massive Hölzer sind der Schlüssel zum feinen Akustikton, den der Furch-Fivestring sogar aus einer tiefen H-Saite mit vollem Volumen herauskitzeln will. Und er wirkt dabei noch nicht mal unhandlich groß.

Furch B62-SW5

Anzeige

Klar, eine volle Longscale-Mensur braucht man dazu schon, aber in Relation dazu wirkt der Resonanzkorpus genau passend proportioniert und lässt sich mit einer maximalen Zargentiefe von 125 mm noch gut unter den Arm klemmen. Das eigentliche Thema dieses schmucken Fünfsaiters sind freilich die Klangdetails, und da haben massive Hölzer im Vergleich zu laminierten Baustoffen in aller Regel die Nase vorn.

Massiv und stabil

Die massive Schwingdecke ist aus schnurgerade, sehr gleichmäßig gewachsener Sitka-Fichte gebaut und besitzt zur Stabilisierung eine kräftige Kreuzverbalkung – immerhin muss sie ja dem Saitenzug eines Longscale-Fivestrings standhalten.

Für den standardmäßig querverbalkten Boden und die Zarge wurde attraktives Black Walnut gewählt, natürlich sind auch diese Holzteile massiv und keine Schichthölzer. Decke und Boden werden von Tortoise-Kunststoff eingerahmt; die größte Zargentiefe von 125 mm besitzt der Korpus hinter dem Steg und läuft bis zum Halsfuß auf 95 mm zusammen.

Furch B62-SW5 im Detail
Dezent wurde der Pegelsteller des Tonabnehmersystems im Schallloch untergebracht.

Ein Cutaway erlaubt völlig ungehinderten Zugriff bis zur 18. Lage. Bis auf die etwas höhere Saitenlage (die zum freien Schwingen der Saiten bei festeren Anschlägen notwendig ist) spielt sich der Akustik-Fünfsaiter fast so komfortabel wie ein E-Bass. Der einstreifige Mahagonihals besitzt ein 6 mm starkes Griffbrett aus Ebenholz, welches mit 21 mittelstarken Jumbobünden bestückt ist.

Das abgewinkelte Kopfplattenstück ist angeschäftet und wird von vorne durch einen Ebenholzaufleimer versteift, ein kleines Ebenholz-Deckelchen verschließt den Zugang zum Halsspannstab.

Die gekapselten Tuner sind mit Furch-Logos versehen, stammen aber offensichtlich von Gotoh. Am korpusseitigen Halsende verlängert ein aufgeleimtes Ebenholzstück das Griffbrett und bietet sich als Daumenstütze an. Der Furch-Fünfsaiter präsentiert sich rundum makellos verarbeitet, andere Akustikbässe dieser Güteklasse gibt es für den Preis eher nicht.

Akustisch und elektrisch

Schon der erste akustische Eindruck verblüfft, denn eine tiefe H-Saite ist für einen Akustikbass immer eine Herausforderung – die der Furch überzeugend meistert. Denn zum einen sind selbst die allertiefsten Tonlagen klar definiert, zum anderen ist praktisch kein Lautstärkeabfall gegenüber den restlichen Saiten zu bemerken: Hochachtung! Der Fünfsaiter ist allerdings nicht auf maximale Akustik-Lautstärke getrimmt und setzt mehr auf

klanglichen Detailreichtum; zum gepflegten Solieren ist der Bass ein purer Genuss mit stimmigem Verhältnis zwischen drahtiger Präsenz und resonantem Bassvolumen. Durch das oben in Ohrnähe platzierte Schallloch wird neben maximalen Bassanteilen präzise Hörbarkeit gewährleistet.

Zum Zusammenspiel mit anderen ist elektrische Verstärkung zu empfehlen, und dafür ist der Furch mit einer Kombination von Piezo-Stegeinlage und einem Mikrofon ausgestattet, dem Anthem SL System von L.R.Baggs. Das Mikro sitzt dicht unter der Decke, sein Ausgangspegel wird im aktiven Preamp mit dem Piezo-Sound gemischt und für einen natürlichen Klang vorgefiltert.

Hals der Furch B62-SW5
Die Platzierung des Gurthalters hinter dem Halsfuß verbessert die Balance dieses Akustikbasses am Gurt.

Der Pegelsteller ist unauffällig im Schallloch montiert, während die notwendige 9-Volt-Batterie in einem kleinen Nylon-Täschlein innen am Halsfuß festgeklettet ist. Nur das Trimmpoti zum Vorjustieren des Mikrofonpegels ist leider bei dieser Montageart schwer zugänglich. Ansonsten betont einfach und praktisch in der Bedienung, punktet die Zweifach-Abnahme mit eindrucksvoll natürlichen Klang-ergebnissen, die tatsächlich keine weitere Bearbeitung erzwingen.

Im runden Elektroton stammen die Tiefen vom Piezo, die charakterbestimmenden Mitten und Höhen vom Mikrofon, was in den oberen Registern ein deutliches Plus an Raum und tatsächlichem Akustikklang ausmacht, die Bässe bei aller Tiefe hingegen konkret und direkt abbildet, wobei die nervig spitzen Piezo-Höhen hier prinzipiell nicht auftreten können.

Saiten der Furch B62-SW5
Zur Tonabnahme ist nicht nur die übliche Piezo- Stegeinlage, sondern auch ein Mikrofon vorhanden.

Die Ergebnisse überzeugen auch für gehobene Ansprüche bei Studio-Aufnahmen, während die Rückkopplungs-Empfindlichkeit im Live-Einsatz gut beherrschbar ist. Das involvierte Mikrofon verhält sich also auch kaum kritischer als die sonst üblichen Piezo-Tonabnehmer. Allerdings gilt auch die Grundregel, dass empfindliche, auf feinen Ton gezüchtete Instrumente nicht ganz so robust sind wie Sperrholz-Konstruktionen, dafür aber intensiver schwingen. Die stabile Kreuzverbalkung der Furch-Decke macht statisch davon aber einiges wieder wett.

Alternativen

Den Furch gibt es zwar nicht geschenkt, aber was man hier bezüglich massiver Hölzer, akkurater Verarbeitung und hochwertiger Ausstattung geboten bekommt, kostet sonst auch gerne mal das Doppelte. Wer also einen günstigeren Akustikbass sucht, wird sich mit schichtlaminierten Hölzern zufrieden geben müssen. Und bei den hochwertigen Massivholz-Akustikbässen schafft es selbst der deutsche Instrumentenbauer Magnus Krempel mit seinem bekannt guten Preis/Leistungs-Verhältnis nicht ganz, an den günstigen Kurs der tschechischen Furch-Bässe heranzukommen.

Resümee

Fein detaillierter Klang, verblüffende Ausgewogenheit trotz tiefer H-Saite, hochwertige Klanghölzer und akkurate Verarbeitung: Was der Furch Akustik-Fivestring bietet, hat hohes Niveau und garantiert gehörige Spielfreude. Weil das Instrument nicht auf maximale Lautstärke getrimmt ist, ist ein hochwertiges Abnahmesystem eingebaut, welches mit einer Kombination von Piezo und Mikrofon viel vom tatsächlichen Akustikklang einfängt und bemerkenswert runde Ergebnisse für Studio und Bühne liefert.

 Furch B62-SW5 Übersicht


Massiv- vs. Schichtholz

Schichtlaminierte Hölzer sind zweifellos eine stabile Lösung, weil sie weniger empfindlich auf klimatische Einflüsse reagieren und sich, insbesondere bei gesperrter Verleimung, nicht verziehen können wie massive Hölzer, die aus diesem Grund zudem generell hochwertiger ausgesucht werden müssen. Wo jedes Stück Massivholz seinen individuellen Charakter hörbar macht, lässt sich ein Holzlaminat gleichmäßiger auf den Punkt bringen. Günstige Sperrholz-Modelle können klanglich durchaus überzeugen, wenn es aber um Klangdetails, Identität und Charakter geht, sind massive Hölzer angesagt. Sehr hochwertige Holzlaminate kommen mitunter schon nahe dran. n

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Das könnte Sie auch interessieren: