Ibanez, LTD, RockBass & Squier im Vergleich

Fretless-Bässe unter € 500

Fünf E-Bässe, stehend
FOTO: Dieter Stork

 

Beim Fretless sind makellose Schwingungseigenschaften der Holzkonstruktion noch wichtiger als bei bundierten Bässen. Der charakterstarke Schnurrklang ist für hochpreisige, ausgesuchte Edelfabrikate eher kein Problem, aber was darf man in der Einsteigerklasse erwarten?

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Gerade weil sich die meisten Bassisten einen bundlosen Bass zunächst eher als Zweitinstrument zulegen werden, sollte der Spaß nicht zu kostspielig sein. Deshalb haben wir die Grenze bei fünfhundert Euro Listenpreis gezogen. Dennoch sind hier große, etablierte Marken vertreten, wenn auch zumeist mit ihren Budget-Labels: Hinter Squier steht Fender, RockBass ist der China-Ableger von Warwick und LTD vereint die günstigen Modellreihen von ESP. Nur Ibanez macht beim Namen keinen Unterschied zwischen günstigen und hochpreisigeren Modellen. LTD ist sogar mit zwei verschiedenen Modellen dabei, sodass nun fünf Fretless-Kandidaten unter 500 Euro gegeneinander antreten können.

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FOTO: Dieter Stork
Das günstigste Modell LTD B-50FL besitzt eine sechsfache Halsverschraubung.

 

Ausstattung von LTD B-50FL, RockBass Streamer Std 4 Fretless, Squier VM Jazz Bass FL, LTD B-204SM FL und Ibanez SR370F

Die fünf Testteilnehmer besitzen zwar alle aufgeschraubte Hälse, sie zeigen aber dennoch in der Grundkonzeption ziemlich verschiedene Charaktere. Der Klassiker schlechthin ist der Jazz Bass von Squier, der sich in der Vintage-Modified-Version deutlich am legendären Fretless von Jaco Pastorius orientiert; mit Sunburst-Body, speziellem Kunststoffgriffbrett und ohne Pickguard kommt der sauber gearbeitete Fender-Nachbau dem Meisterbass schon ziemlich nahe.

Auch recht traditionell gibt sich der LTD B-50FL, er weist eine passive P/J-Bestückung und einen schlichten, in schwarz lackierten Slab-Body mit fettem Steg im Eighties-Stil auf. Im Elektronikfach findet sich übrigens ein vergossener Tone-Booster-Baustein, der den einzig vorhandenen Klangregler zur aktiven Klangblende aufrüstet.

Wer preislich etwas drauflegt, bekommt mit dem LTD B-204SM-FL die modernisierte Edelvariante, bestückt mit zwei Humbuckern, Dreiband-EQ, schöner Spalted-Maple-Decke sowie eleganter und hochwertiger Hardware. Ebenfalls aktiv, mit zwei CAP-Humbuckern und hochgezüchteter Hardware ist der Ibanez SR370FL ausgestattet, der im Soundgear-Flunderstil ja sowieso zu den modern ausgerichteten Komfort-Playern zählt. Bei RockBass kommen trotz des günstigeren Preises viele noble Ausstattungsteile der deutschen Warwick-Modelle zum Einsatz, die aufwendige Steg/Saitenhalter-Kombination ist ins Korpusholz eingelassen und auch der Sattel ist in der Höhe justierbar. Zwei Vintage-Humbucker von MEC besorgen bei diesem Passivbass die Tonabnahme.

Wir haben also mit dem RockBass Streamer und dem Squier Jazz Bass zwei passive Bässe und mit dem Ibanez sowie den beiden LTD-Modellen drei aktiv ausgestattete Instrumente. Letztere erlauben erweiterte Sound-Variationen, zumal es sich bei den eingebauten EQs beim Ibanez SR370 und LTD B-204 um Dreiband-Aggregate handelt, wo man separat auf den wichtigen Mittenbereich zugreifen kann. Allerdings gibt es auch viele Fretless-Spieler, die auf den lupenreinen Passivklang setzen, den die aktiven Modellen mangels Passiv-Umschalter wiederum nicht bieten. Die Entscheidung liegt also zwischen den zumindest elektrisch traditionellen Passiv-Designs von Squier und RockBass und den modern aufgebretzelten Modellen LTD B-204 und Ibanez SR370; der in schlichterer Weise aktivierte LTD B-50FL ist ein Mittelding dazwischen. Alle fünf Testteilnehmer sind allerdings mit zwei Tonabnehmern ausgerüstet, was grundsätzlich schon gute Variabilität im Klangcharakter bietet.

Betrachtet man die gesamte Ausstattung, zeigt der Squier Jazz Bass als authentischer Klassiker mit Blechwinkel-Steg und offenen Tunern den einfachsten Standard, gefolgt vom schwarzen LTD B-50, der immerhin gekapselte Stimmmechaniken und eine masseverstärkte Steg-Konstruktion aufweist. Bei den übrigen dreien wird durchweg eine hohe Ausstattungs-Qualität geboten, der RockBass gleicht dabei den fehlenden Aktiv-EQ durch zusätzliche Details wie den höhenverstellbaren Sattel, arretierbare Sicherheits-Gurthalter sowie die mit Abstand aufwendigste Steg-Konstruktion aus. Auch das Einstellwerkzeug ist hier von gehobener Qualität.

 

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FOTO: Dieter Stork
Das extradicke Ebenholz-Griffbrett garantiert beim RockBass einen leicht ansprechenden Schnurrton.

 

Hölzer

Der Squier als großer Traditionalist gleicht zwar in Form und Ausstattung dem Fender-Vorbild, besitzt aber eine variierte Material-Zusammenstellung. Es wird dem Preis geschuldet sein, dass statt Erlenholz beim Korpus nun Agathis verwendet wird, doch hinter dem Kunststoffgriffbrett steckt ein anderer Gedanke. Der berühmteste Fretless-Bassist aller Zeiten hatte einst selbst die Bünde aus seinem Jazz Bass herausgerissen und das Griffbrett fett in mehreren Schichten mit hartem Bootslack versiegelt. Diese Besonderheit war mit verantwortlich für seinen unverwechselbaren Ton und wird nun beim Squier VM-Bass auch in günstigen Preislagen durch das Ebonolgriffbrett geboten – Jaco-Fans sollten sich also diesen Bass näher anschauen!

Der LTD B-50FL ist der günstigste Fretless in diesem Testfeld und kombiniert, wie der Squier, Ahorn als Halsbasis mit einem Agathis-Body. Nur, dass hier kein spezielles Jaco-Griffbrett vorhanden ist, sondern als klassisches Material Palisander verwendet wird. Auch ist beim günstigen LTD die Kopfplatte angeschäftet, während sie bei allen anderen eins mit dem Hals ist. Trotz unterschiedlicher Designs (und dem eingebauten Tone Booster) bildet der B-50FL mit dem Squier Jazz Bass die Traditions-Fraktion.

Deutlich aufgepeppt gibt sich hingegen der LTD B-204FL, wobei nicht nur das Eschenholz, sondern auch die Saitenführung durch den Korpus satten Punch im Klang erwarten lässt. Hals und Korpus sind (übrigens auch beim kleinen Bruder B-50FL) sechsfach miteinander verschraubt, und die fünfstreifige Halsbauweise aus Ahorn und Palisander verspricht ein Plus an Direktheit und Sustain im Ton.

Zwischen dem großen LTD-Modell und dem Ibanez gibt es einige Parallelen, und das nicht nur bei der Hardware-Farbe und dem Dreiband-EQ, sondern auch in der Halskonstruktion, die ebenfalls fünfstreifig aus Ahorn und Palisander besteht und ein Palisandergriffbrett besitzt. Nur, dass hier ein etwas leichterer Korpus aus Ahorn damit kombiniert wird, der statt pfundigem Punch mehr strahlende Oberton-Entwicklung und eine härtere Tonansprache erwarten lässt.

Einen gepflegten Schnurrklang verspricht die Halskonstruktion beim RockBass aus drei Streifen hartem Ahorn und dem extradicken Griffbrett aus dichtem Tigerstripe Ebony. Zusammen mit dem resonanten Korpusmaterial Carolena und der massigen, eingelassenen Warwick-Bridge hat der teuerste Fretless in diesem Vergleich das Zeug zum Sustain-König.

Alle Testteilnehmer weisen übrigens eine makellose und wertige Verarbeitung auf, wobei der preisgünstigste Bass (LTD B-50FL) insgesamt am schlichtesten wirkt und der ebenfalls günstige Ibanez in puncto Preis/Leistung die Nase vorn hat.

 

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FOTO: Dieter Stork
Durch das Ebonol-Griffbrett kommt der Squier den typischen Jaco-Sounds entgegen.

 

Bespielbarkeit von LTD B-50FL, RockBass Streamer Std 4 Fretless, Squier VM Jazz Bass FL, LTD B-204SM FL und Ibanez SR370F

Der Streamer von RockBass ist der einzige Fretless im diesem Test, der seinem Spieler ein Griffbrett ohne Bundlinien zutraut; natürlich sind in der Griffbrettflanke die wichtigsten Lagen markiert. Absolute Bundlos-Anfänger werden auf den anderen Modellen sicherer intonieren können, allerdings ist auch zu erwarten, dass mit einiger Spielpraxis das Hinschauen auf die Fretlines ohnehin entfällt.

Schlanke und leicht beherrschbare Hälse besitzen übrigens alle Testteilnehmer, wobei das Soundgear-Design von Ibanez sich insgesamt am leichtgängigsten bedienen lässt, aber bei den Unterschieden zwischen allen fünf Bässen handelt es sich nur um Nuancen. Das breiteste Griffbrett besitzt der LTD B-204FL, gefolgt vom RockBass Streamer, was ein kleines Plus für saubere und präzise Greiftechnik ausmacht, die ja bei einem bundlosen Bass wichtiger als sonst ist. Am Gurt hängen alle Bässe ebenfalls angenehm und ausgewogen, wobei man den leichten B-50FL von LTD am wenigsten spürt und das große Traditionsdesign von Squier das andere Ende der Skala markiert.

 

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FOTO: Dieter Stork
Beim LTD B-204SM FL hilft die Saitenführung durch den Body beim Sustain nach.

 

Klangverhalten von LTD B-50FL, RockBass Streamer Std 4 Fretless, Squier VM Jazz Bass FL, LTD B-204SM FL und Ibanez SR370F

Vom günstigsten Modell in diesem Vergleich bekommt man einen soliden, fülligen Grundklang geboten, zu dem der P-Splitcoil die saftigen Bässe und der J-Singlecoil die knochig nasalen Anteile beisteuert. Was genau der aktive Tone-Regler beim LTD B-50FL tut, ist nicht so differenziert auszumachen, in jedem Fall wird beim Aufdrehen der Fretless-Ton lauter und in den Eckfreqenzen stärker ausgeleuchtet. Ehrlich gesagt, hätte eine normale passive Tonblende wohl mindestens den gleichen Nutzwert. Für einen lang stehenden Ton muss man bei diesem leichten Bass auch etwas tun; vor allem Anfängern macht es die etwas stumpfe Tonansprache des B-50FL nicht gerade einfach, was sich aber mit beherzter Anschlagstärke ausgleichen lässt. Fazit: Kein schlechter Fretless für ganz kleines Geld.

Von Anfang an merklich wuchtiger und obertonstärker spricht der Jazz Bass von Squier an, der zudem durch die bekannten Charakter-Sounds der Alnico-Singlecoils punktet. Zwar entsteht auch hier der perfekte Jaco-Ton nicht ganz von alleine, das Ebonolgriffbrett sorgt aber grundsätzlich schon für willig ansprechendes Schnurren und markante Obertöne. Dieser Traditions-Fretless hat ein unverkennbares Timbre, und wer Pastorius als Vorbild nacheifern möchte, für den kommt ohnehin kein anderes Modell in Frage. Höchstens die teureren Originale der Muttermarke Fender.

Maximale Vielseitigkeit im Klang und entspannteste Handhabung kombiniert der SR370F von Ibanez. Per Dreiband-EQ lassen sich verschiedenste Klangcharaktere formen, vom knorrigen Nasalton bis zum wuchtigen Basskissen. Doch auch bei diesem Leichtgewicht ergeben sich lang stehende Töne nicht von selbst und erfordern eine entsprechend energetische Anschlagtechnik. Die Stärken dieses Modells liegen somit weniger in Legato-Schwelgereien, sondern eher in flinken Läufen mit klanglicher Variabilität, was Ausstattung und leichtgängige Spielbarkeit nahe legen.

Dass solide Korpusmasse und eine Saitenführung durch den Body dem Sustain auf die Sprünge helfen kann, beweist der B-204FL. Ausgesprochen erwachsen und lässig präsentiert das große LTD-Modell seinen Schnurrklang, der ohne besondere Kraftinvestition bereit steht. Vielseitige Variabilität ist auch hier durch die Ausstattung gegeben, wobei vor allem die tiefe Abstimmung des EQ-Mittenreglers für knurrig-satte Tragfähigkeit von Vorteil ist. Nicht nur optisch, sondern auch klanglich spielt der schmucke B-204FL seinen kleinen Bruder lässig an die Wand!

Und dass es sich mitunter wirklich lohnt, etwas tiefer in die Tasche zu greifen, beweist schließlich der Streamer Std von Rock-Bass. Wie bereits aufgrund der Konstruktion und Holzzusammenstellung zu erwarten war, hat dieser Fretless mit einem schwelgenden, lang und stabil schwingenden Ton keine Schwierigkeiten und braucht quasi nur gestreichelt zu werden, um charakterstark loszuknurren.

Zwar ist er klanglich nicht so flexibel wie die Modelle mit Dreiband-EQ, dafür sind seine drei Grund-Sounds, knorrig am Steg, dezente Begleitung mit beiden Pickups und warm mit kehligen Obertönen aus der Hals-Position gleichermaßen gut auf den Punkt gebracht.

 

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FOTO: Dieter Stork
Die Soundgear-Flunder von Ibanez ist ein Preis/Leistungs-Wunder.

 

Resümee

Es ist schon verblüffend, was man in den unteren Preisregionen an Qualität, Ausstattung und Verarbeitungsgüte geboten bekommt. Jeder der fünf Testteilnehmer hat seine eigenen Stärken, sei es der niedrige Preis beim LTD B-50FL, Variabilität und üppige Ausstattung bei Ibanez und dem größeren LTD-Modell B-204FL, klassische Charakterstärke in Jaco-Manier beim Squier oder besonders mühelose Schnurr-Ergebnisse, die der RockBass tadellos auf den Punkt bringt. Je nach Präferenz bieten also tatsächlich auch günstige Einsteiger-Modelle eine Menge Spielspaß!

 

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LTD B-50FL

Plus

  • günstiger Preis
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung

 

Minus

  • Tonregler-Wirkung indifferent

 

RockBass Streamer Std 4 Fretless

Plus

  • schwelgender Sustain-Ton
  • ausgewogene Grund-Sounds
  • Bespielbarkeit, leichte Tonerzeugung
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

 

Minus

  • keine Fretlines im Griffbrett

 

Squier VM Jazz Bass FL

Plus

  • klassische Charakter-Sounds
  • Ebonolgriffbrett
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung

 

LTD B-204SM FL

Plus

  • Klang-Variabilität
  • Sustain
  • Ausstattung
  • Bespielbarkeit
  • Verarbeitung

 

Ibanez SR370F

Plus

  • Klang-Variabilität
  • sehr leichtgängige Bespielbarkeit
  • Ausstattung, Preis/Leistungs-Verhältnis
  • Verarbeitung
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