Warmer Ton aus heissen Hölzern

Franz Bassguitars Sirius DC 5 Olive im Test

Xaver Tremel baut schöne Bässe und hat im dreijährigen Bestehen seiner Firma Franz Bassguitars schon erstaunlich viele Instrumente verkauft. Das mag zum einen an der Leistungsfähigkeit seines deutschen Exklusivhändlers Thomann liegen, aber natürlich muss an seinen Kreationen auch etwas besonders sein.

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Franz Bassguitars Sirius_1.1Und das Besondere ist nicht allzu schwer auszumachen: Ungewöhnliche Holz-Kombinationen gehen mit attraktiver Formgebung, Top-Ausstattung und kompetenter Konzeption einher. Schauen wir uns seinen fünfsaitigen Sirius-Doublecut DC 5 einmal näher an.

Konstruktion

Schon bei der durchgehenden Halskonstruktion gibt es gleich mehrere Eigenheiten: Esche ist normalerweise zwar ein pfundsbetontes Klangholz für einen Basskorpus, wird aber fast nie für den Hals verwendet. Das hat seine Gründe, schließlich ist das gröbere Eschenholz längst nicht so homogen und dicht gewachsen wie der bewährte Ahorn. Damit das beim Sirius nicht zu Stabilitätsproblemen, indirekter Ansprache und geringer Sustain-Entwicklung führt, ist der fünfstreifige Hals einerseits aus thermobehandelter Esche gebaut, andererseits innen durch zwei Graphitstäbe versteift. Auch die Mensur ist etwas länger als üblich, 34,5″ bzw. 876 mm bewirken einen strafferen Saitenzug und entsprechend kontrolliertere Tonartikulation.

Im Ebenholzgriffbrett sitzen 24 Jumbo-Frets und, zusätzlich zum saitenführenden Ebenholzsattel, ein Nullbund. Für die seitlich angeleimten Korpusflügel hat Xaver Tremel schön gerade gewachsenes Walnuss-Holz ausgesucht und mit dunkler Zwischenlage vorne eine geschlossene Decke aus hartem Olivenholz aufgeleimt. Die dicke, stabile Kopfplatte des DC 5 ist passend dazu ebenfalls mit einem schönen Olive-Frontbelag versehen. Verarbeitet ist die attraktive und zugleich spezielle Holzkonstruktion ausgesprochen akkurat, die seidigen Oberflächen mit Öl und Wachs wetterfest versiegelt.

Franz Bassguitars Sirius_02
FOTO: Dieter Stork
Durch den tiefen Lagerpunkt für die Ballends üben die Saiten festen Druck auf den Steg aus

Ausstattung

Der dreidimensional justierbare ETS-Steg sitzt leicht versenkt im Deckenholz, die Ballends werden in separat angeordnete Metallhülsen von oben eingeklinkt. Am anderen Saitenende sorgen gekapselte Gotoh-Tuner für feingängige und präzise Stimmbarkeit, Schaller Security Locks halten das wertvolle Instrument sicher am Gurt. Zwei Delano-Dual-Coil-Humbucker vom Typ SBC sind für die Tonabnahme vorhanden und werden per Überblender angewählt.

Ebenfalls von Delano stammt die aktive Zweiband-Klangregelung, deren Höhenregler im Passiv-Modus (bei gezogenem Volume-Knopf) zur passiven Höhenblende umfunktioniert wird. Im rückwärtigen Elektronikfach sieht es sehr aufgeräumt aus, die sauber angebrachte Auskleidung mit Kupferfolie und der ins Korpusholz eingelassene Alu-Deckel schirmen die Schaltung lückenlos gegen Fremdeinstreuungen ab. Obwohl für die Batterie ein separates Klappfach vorhanden ist, greifen die Schrauben des E-Fach-Deckels in eingelassene Gewindemuffen.

Franz Bassguitars Sirius_03
FOTO: Dieter Stork
Alles ist hier extrem akkurat verarbeitet

Praxis

Der Sirius ist mit seiner verlängerten Longscale-Mensur ein sehr erwachsener Fivestring, dennoch hält sich das Gewicht mit 4,5 kg in tragbaren Grenzen. Um das zu erreichen, wurden die Korpusflügel mit Hohlkammern versehen, außerdem schmiegt sich der leicht gewölbte Body angenehm an den Körper. Der Hals ist zugleich breit und flach geformt, was viel Raum für einen sauberen Fingersatz bietet und zugleich kraftsparend spielbar ist. Dabei hilft übrigens die bemerkenswert flache Saitenlage, welche dennoch kein störendes Bundscheppern produziert; kein Wunder, denn einerseits besitzt das Griffbrett einen Compo- und-Radius und außerdem ist die Bundierung hochpräzise auf einer Plek-Maschine abgerichtet.

Die Thermo-Esche des Halses sieht nicht nur dunkelbraun aus, sie klingt offenbar auch so. Jedenfalls fällt beim DC 5 die warmklingende, bassbetonte Tonansprache auf, die sich bei aller Genauigkeit doch deutlich der schroffen und harten Spitzen enthält, die man beispielsweise bei Ahorn wahrnimmt. Auch der Walnut-Anteil im Body unterstützt den dunklen Ton mit füllig-warmem Timbre, was dem Extralong scale insgesamt viel tiefe Schubkraft mit betontem TiefmittenGrowl verleiht. Und als dritte, bassverstärkende Instanz kommen noch die Delano-Humbucker mit relativ großem Magnetfenster hinzu. Damit so viel Tieftonkompetenz nicht zu unkontrollierten Ergebnissen führt, sorgen die Graphitstäbe im Hals nicht nur für Sustain-starke Gleichmäßigkeit, sondern wahren auch ein tightes Obertonspektrum, was ebenfalls die Rolle der harten Olivenholz-Decke in dieser Komposition ist.

Um den satt drückenden Ton vollkommen aufzuklaren, darf man dennoch den aktiven Höhenregler der Zweiband-Klangregelung etwas aufdrehen. Allerdings ist gerade das dunkle, tiefe Timbre des Instruments sein besonderes Charaktermerkmal, welches den Fivestring von konventionelleren Holzbässen deutlich unterscheidet. Denn schließlich ist der Growl-betonte Sirius nicht einfach nur dunkel und fett, sondern zugleich auch ein kultiviertes Schwingwunder, mit dem sich eine tragende Bass-Rolle im Bandgefüge hervorragend ausfüllen lässt.

Franz Bassguitars Sirius_05
FOTO: Dieter Stork
Der Fünfsaiter besitzt eine dicke Kopfplatte mit besonders stabilem Übergang zum Hals.

Resümee

Dunkle Hölzer, dunkles Timbre – mit seiner pfundbetonten und knurrig tiefmittigen Stimme ist der Sirius DC 5 von Franz Bassguitars ein nobler Spezialist für den schubstarken Ton. Durch allerlei kluge Konstruktionsdetails bleibt das bassige Pfund aber stets tight und präzise und liefert bei aller Tragkraft im Band-Sound perfekte Ergebnisse, die man im besten Sinne nur als stark bezeichnen kann.

 

Plus

  • dunkles Timbre, tighte Präzision
  • pfundiger, Sustainstarker Klang
  • Hölzer, Konstruktion
  • Verarbeitung, Ausstattung

 

Franz Bassguitars Sirius_profil

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