Legendärer Beatbass

Framus Vintage 5/150 Star Bass im Test

Thinline-Halbresonanzbass im Vintage-Style von Framus, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Bill Wyman und Paul McCartney haben einige Gemeinsamkeiten. Beide sind berühmte Bassisten, spielten in den 1960ern in den gefragtesten Bands der Welt – und machten dabei deutsche Instrumente weltbekannt.

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Vielleicht ist Wymans Framus nicht ganz so bekannt geworden wie McCartneys Höfner, doch ein Star Bass war das Instrument aus fränkischer Produktion ohne Frage von Anfang an. Auch wenn die alten Framus-Originale mittlerweile gesuchte und rare Sammlerstücke geworden sind, kann man sich neuerdings wieder am authentischen Klang und Spielgefühl erfreuen, denn die Marke hat eine getreue Wiederauflage des einstigen „Stone-Basses“ herausgebracht.

Natürlich haben sich die Zeiten geändert und die Marke Framus eine wechselvolle Geschichte durchgemacht, sodass der aktuelle Star Bass nicht mehr im fränkischen Bubenreuth gebaut wird, sondern im fernen Korea. Das soll kein Nachteil sein, denn schließlich sind sämtliche Parameter und Baudetails ja durch die alten Originale einwandfrei festgelegt – nur wäre der Preis bei deutscher Fertigung heute kaum noch akzeptabel, und da können die blitzsauber arbeitenden Koreaner ein wesentlich attraktiveres Angebot machen. Am Ende zählt für den Musiker sowieso das Instrument selbst, und das wäre wohl, ohne den tadellosen Neuzustand, praktisch kaum von seinem alten Vorbild zu unterscheiden. Framus hat bis ins Detail ganze Arbeit geleistet.

 

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Zum vierstufigen Schnellwahlschalter für die Tonabnehmer kommen hier Passivblenden für Höhen und Bässe. (Bild: Dieter Stork)

 

Konstruktion des Framus Vintage 5/150 Star Bass

Der Star Bass ist eine echte Halbresonanz-Konstruktion, sein großer, flacher Thinline-Korpus aus Ahorn-Schichtholz besitzt keinen massiven Mittelblock und produziert einen entsprechend vollen Akustikklang. Boden und Decke sind für eine stabile Statik gewölbt und kommen somit ohne stützende Innenverbalkung aus, die Korpusränder sind vorne und hinten hell eingefasst, was ebenfalls für die beiden F-Löcher gilt. Wie bei den alten Originalen wurde übrigens für die Rückseite eine fein geriegelte Deckschicht gewählt, während die Frontmitte bei der „Black Rose“-Hochglanzlackierung deckend in tiefem Rosenrot ausgeführt ist.

Der eingeleimte Hals besitzt eine 762er Shortscale-Mensur und ein hell eingefasstes Griffbrett aus Palisander, welches mit 20 Nickelsilber-Bundstäbchen im Medium-Jumbo-Format bestückt ist. Unter dem schwarzen Halslack befindet sich massives Mahagoni-Holz, und das dürfte den entscheidendsten Unterschied zu den Instrumenten aus den Sixties ausmachen, die zumeist einen aus vielen dünnen Buchenholzstreifen zusammengeleimten „Everstraight Neck“ besaßen. Den tonalen Feinheiten wird das nun verwendete Massivholz gewiss nicht schaden.

Für die liebevolle Detailgenauigkeit, mit der man den Star Bass wieder ins Leben gerufen hat, stehen zum einen die authentisch konstruierten Singlecoil-Tonabnehmer mit den separat einstellbaren Magnet-Polepieces und zum anderen die nachgefertigten, cremefarbenen Spezial-Potiknöpfe inklusive der eigenartigen Passiv-Schaltung auf dem gemeinsamen Chrom-Schlagbrett. Auch Saitenhalter und Palisandersteg entsprechen der früheren Original-Ausstattung, ebenfalls die wieder nachgebauten kleinen Vintage-Stimmmechaniken. Bis hin zum schmucken zweifarbigen Metall-Spannstabdeckel mit eingeprägter Framus-Weltkugel stimmt bei der Ausstattung jede Einzelheit und präsentiert sich zudem qualitativ hochwertig verarbeitet.

 

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Bis in feine Details hat Framus für originalgetreue Ausstattung gesorgt. (Bild: Dieter Stork)

 

Der Framus Vintage 5/150 Star Bass in der Praxis

Der 2,9 kg leichte Shortscale hängt angenehm am Gurt und hält verblüffend stabil in jeder gewünschten Spielhaltung. Naturgemäß macht auch die Kurzmensur das Greifen leicht, zumal hier noch der schmale Hals die Muskulatur entlastet und mühelose Bespielbarkeit garantiert. Interessanterweise kann der Star Bass auch eine festere Gangart ab, wobei lediglich die engeren 16-mm- Saitenabstände am Steg die Anschlagsstärke auf diesem entgegenkommenden Player begrenzen.

Aufgrund des gesunden Akustiktons macht das Üben schon ohne Verstärker Spaß, wobei der markante Halbresonanz-Klang mit relativ kurzem Sustain dem Framus einen markanten Eigenklang verleiht. Bei lauterer elektrischer Verstärkung ergibt sich automatisch eine gewisse Rückkopplungsneigung, die in den tiefen Frequenzen einsetzt und dem ursprünglich eher schroffen Tonverlauf einigen Rückenwind beschert; mit dieser Sustain-Verlängerung kann man schon durch leichte Pegelvariation wunderbar spielen. Und falls der Basston dann durch übermäßige Beschallung doch einmal außer Kontrolle geraten sollte, hat der Star Bass sogar einen Kill Switch an Bord, denn der Pickup-Wahlschalter besitzt ja auch eine Nullstellung.

Die Alnico-bestückten Singlecoils übertragen den Halbresonanzton drahtig und klar, aber auch mit mächtigem Bass, sodass der Framus deutlich größer klingt, als er aussieht. Da die Pickups im verchromten Schlagbrett montiert sind und oben, wo man den Daumen auflegt, keine Befestigung in der Decke besitzen, sollte man von grober Behandlung absehen; allzu leicht verbiegt der dünne Metallrahmen, der den Tonabnehmer hält. Man kann das durchaus als Konstruktionsmangel ansehen, allerdings hält sich Framus streng an die historischen Original-Vorgaben und bei einer gewissen Spieldisziplin treten dadurch auch keine Nachteile auf.

Ungewöhnlicherweise besitzt die passive Schaltung nicht nur eine Höhenblende, sondern auch eine für die Bässe. Beide Regler zeigen eine tadellose Wirkung, wobei man auch die Bässe durchaus ganz zurückdrehen kann, ohne dass der Sound zu knochig wird – die starken Singlecoils haben nämlich ausreichende Tiefenreserven. Insbesondere für Beat-Bands, aber durchaus auch für andere treibende Bass-Stile ist der Star Bass ein überzeugender Performer, der zwar auf der Bühne einen gewissen Abstand zur lauten Bassanlage einfordert, aber mit einem markanten Eigenklang entschädigt, den kein Solidbody hervorbringen kann.

 

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Die Alnico-Magnete sitzen in höhenverstellbaren Messing-Schraubhülsen. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Der Star Bass ist eine liebevolle Hommage an die Instrumententechnik der Roaring Sixties und bis ins Detail originalgetreu bestückt, was der Neuauflage ein gehöriges Maß an Authentizität verleiht. Seine extrem leichtgängige Spielbarkeit und Handlichkeit beschert ebenso wie der markante, bassmächtige Eigenklang puren Spielspaß und inspiriert direkt zu einem Beat-Projekt. Was den Framus von anderen Vintage-Lookalikes unterscheidet, ist die Detailgenauigkeit, sodass er eben nicht nur ein Bass ist, der wie früher aussieht, sondern auch einer, der exakt genauso klingt wie damals.

 

Übersicht

Fabrikat: Framus

Modell: Vintage 5/150 Star Bass

Typ: viersaitiger Thinline-Halbresonanzbass

Herkunftsland: Korea

Mechaniken: verchromt; geschlossene Vintage-Stimmmechaniken, Palisander-Steg mit Vintage-Saitenhalter, konventionelle Gurtknöpfe

Hals: eingeleimt; Mahagoni

Griffbrett: Palisander, eingefasst

Halsbreite: Sattel 38,5 mm, XII. 50,6 mm

Bünde: 20 Medium Jumbo

Mensur: 762 mm, Shortscale

Korpus: Schichtholz

Oberflächen: Hochglanzlack „Black Rose“

Tonabnehmer: passiv; 2× Framus Singlecoil

Elektronik: passiv

Bedienfeld: Volume, vierstufiger Pickup-Wahlschalter, Höhenblende, Bassblende

Saitenabstände Steg: 16 mm

Gewicht: ca. 2,9 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Warwick

08258 Markneukirchen

www.framus.de

Zubehör: Einstellschlüssel

Preis: ca. 1699

 

Plus

  • markanter Eigenklang, drahtig mit satten Bässen
  • leichte Bespielbarkeit, Handlichkeit
  • authentische Reproduktion des Originals, Ausstattung
  • Verarbeitung

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