Muskel-Paketchen

FMC 112H HP & 115H HP Bass-Boxen

Zwei Bassboxen
FOTO: Tom Schäfer

Kompakt und leicht muss kein Widerspruch zu laut und stark sein, wenn man entsprechend leistungsfähige Lautsprecher nimmt. Hans Struck bietet diese handlichen Downfire-Bassreflexboxen in mehreren Leistungsstufen an.

Die 12″-Box gibt es wahlweise mit 300 oder 600 Watt Belastbarkeit, das 15″Modell mit 300, 400 oder 600 Watt. Die Unterschiede machen sich nicht nur in der Leistungsfähigkeit, sondern auch in Preis und Gewicht bemerkbar. Natürlich besteht eine gute Bassbox nicht nur aus Lautsprecherdaten, es kommt auch darauf an, die Gehäuse optimal auf die Speaker abzustimmen. FMC ist für ausgezeichnete Leistungen bekannt, und da darf man auch an diese kompakten Hochleistungs-Modelle hohe Erwartungen stellen.

Anzeige

Stabile Verhältnisse

Wir haben die leistungsstärkste Variante mit 600 Watt Belastbarkeit im Test. Die außergewöhnlich stabilen Basslautsprecher stammen von Faital aus Italien und sind mit robusten Gusskörben und starken Neodym-Magneten ausgestattet, die Papiermembran ist zur Erweiterung des Frequenzumfangs lackbeschichtet. Zusätzlich ist jeweils ein 1″-Hochtonhorn von Eminence an Bord, das durch einen seitlich im Gehäuse angebrachten Regler stufenlos im Pegel einstellbar ist.

FMC 112H HP & 115H HP
FOTO: Tom Schäfer
Der stufenlose Pegelsteller erlaubt es auch, die Hornhochtöner ganz auszublenden.

Die Gehäuse sind so kompakt wie möglich gebaut, sodass auf der Frontseite neben den Speakern praktisch kein Platz für die Bassreflexöffnungen vorhanden ist. Wo andere Hersteller die Tunnel auf die Rückseite verbannen (was bei wandnaher Aufstellung unterschiedliche Ergebnisse liefert), hat sich FMC für Downfire-Öffnungen auf der Unterseite entschieden, was zusammen mit den hohen Gummifüßen von der Aufstellung unabhängige Verhältnisse schafft. Gegen maßvollen Aufpreis bekommt man passende Gummideckel zum Verschließen der Bassreflexlöcher geliefert, was in akustisch problematischen Räumen sinnvoll sein kann. Ebenfalls als optionales Zubehör gibt es einen unten einschraubbaren Stahlfuß zum Schrägstellen der Kompaktboxen, die somit auf engen Bühnen besser auf die Ohren gerichtet werden können.

Geringes Gewicht bei dennoch zäher Stabilität wird durch 15 mm starkes PappelSperrholz gewährleistet, zusätzlich bei beiden Boxen-Modellen durch eine Querstrebe versteift, bei der 15″-Variante zudem noch durch zwei weitere 45-GradVersteifungen, welche die Seitenwände gegen die Rückwand abstützen. Stehende Wellen im Bassreflexgehäuse werden durch die vollständige Auskleidung mit Noppenschaumstoff eliminiert, der äußere Filzbezug dämpft zudem unerwünschte Gehäuseschwingungen in höheren Frequenzlagen.

Definiert und sauber

Die Speakerfront wird durch ein pulverbeschichtetes Stahlgitter geschützt, dessen Gummilagerung etwaige Resonanzen mit hörbarer Wirksamkeit wegdämpft. In Anbetracht des maßvollen Gewichts von nur 14 kg bei der 112H HP und 16,5 kg bei der 115H HP reicht die oben in ausgewogener Position eingesetzte Griffschale zum Transport über kurze Strecken gut aus.

Tatsächlich können die High-Power- Modelle mächtige Verstärkerleistungen verarbeiten, ohne aus der Fassung zu geraten – wer es also laut braucht, ohne große Boxentürme aufzubauen, darf den 600-Watt-Aggregaten ordentlich was auf die Mützen geben. Die saubere Wiedergabe ist dabei nicht nur den starken Lautsprechern zu verdanken, auch die stabil und rappelfrei gebauten Gehäuse liefern eine tadellose Performance. Klanglich ist die tief hinabreichende Vorstellung ohne auffällige Färbungen und legt den Spieler nicht auf einen bestimmten Sound fest, mal abgesehen von den grundsätzlichen Unterschieden zwischen 12″ und 15″. Dabei legt der Zwölfzöller den Akzent ein wenig mehr auf knurrige Darstellung, was insbesondere Fretless- Bässen gut ansteht, aber auch offensiveren Rocksounds bei der Durchsetzung hilft, ohne dass es wummert.

FMC 112H HP & 115H HP
FOTO: Tom Schäfer
Eine optionale Stahlstütze lässt die Boxen schräg nach oben strahlen.

Der Fünfzehnzöller agiert hingegen trockener in den Mitten auf naturgegeben breiterer Bassbasis, seine Wiedergabe kommt insgesamt entspannter rüber, das gepflegte Klangbild ist sehr universell angelegt. Die eingebauten Hochtonhörner spielen sich selbst bei voller Dosis nicht überlaut in den Vordergrund, sondern liefern homogen integrierte Brillanz; die neutrale Einstellung liegt dabei ein klein wenig unter dem Vollpegel. Da die Tweeter stufenlos bis zur völligen Ausblendung einstellbar sind, darf man die FMC-Kompaktboxen auch für böse Zerrorgien empfehlen, wo allzu explizite Brillanz sonst fiese Obertöne produzieren würde. Aufgrund der beschichteten Membranen liefern beide Basslautsprecher auch ohne Hochtöner ein ausreichend hoch hinaufreichendes Frequenzspektrum, sodass man nichts vermisst und auch ohne Hochtonhorn einen stimmigen Fullrange-Sound geboten bekommt, der nicht dumpf nach Vintage klingt.

Verblüffend verlässlich arbeitet die Bassreflex- Unterstützung in den tiefsten Registern nach dem Downfire-Prinzip, und selbst bei gekippter Aufstellung mit der optionalen Schrägstütze ändert sich das Klangbild nicht. Einen markanten Unterschied macht allerdings der eingesetzte Gummideckel-Verschluss der Bassreflexöffnung, durch den die tiefen Subbässe wirksam ausgeblendet werden, wodurch die Gesamt-Wiedergabe beider Boxenmodelle hörbar brettiger, konturenschärfer und markanter wird. Nicht nur bei schwieriger Raumakustik kann man diese Steigerung an Deutlichkeit mögen, der geringe Aufpreis für den Gummiverschluss ist gut angelegt. Fürs persönliche Antesten ist übrigens noch erwähnenswert, dass die FMC-Boxen jetzt auch im Fachhandel erhältlich sind, eine Liste der Händler gibt es auf der Hersteller-Page im Internet.

FMC 112H HP & 115H HP
FOTO: Tom Schäfer
Zusammen mit den hohen Gummifüßen ergibt die Downfire-Bassreflexöffung verlässliche Verhältnisse.

Resümee

In allen bisherigen Tests haben die FMC-Boxen eine gute Figur abgegeben, und das kann man auch diesen kompakten High-Power-Modellen bescheinigen. Färbungsarme Performance, sauber bis in beachtliche Lautstärken, praxisgerecht durchdacht – das sind Stärken, die diese grundsolide und dennoch transportfreundlich gebauten Downfire-Boxen für einen weiten Anwenderkreis attraktiv machen. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist mal wieder FMC-typisch gesund ausgefallen, und dass man für Schrägstütze und Bassreflex-Verschlussstopfen maßvolle Aufpreise verlangt, hat den Vorteil, dass die Kunden, die solches Zubehör nicht brauchen, auch nicht dafür zahlen müssen.

Plus

  • Wiedergabe, färbungsarme Ausgewogenheit
  • Belastbarkeit
  • Verarbeitung, Gehäuse
  • Gewicht
FMC 112H HP & 115H HP Übersicht

[4832]


 

(Aus Gitarre & Bass 05/2018)

Hinterlasse einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: