Kein billiger Jakob

FLEXX Jacob 4 aged im Test

Asiatische Fabrikware zu Wahnsinnskursen beherrscht den Versandhandel, aber Jürgen Weidner vom Duisburger Custom Music Shop wollte etwas Eigenes. Und das sollte tadellose Qualität mit einem dreistelligen Preis zusammenbringen.

FLEXX Jacob 4 aged_1.1Das ist keine leichte Aufgabe, wenn das Instrument in Deutschland gebaut werden soll – aber schließlich hat der Musikladen ja den Custom Shop im Namen. Vorprodukte werden aus Spanien (Korpus und Halsrohling) bezogen, dann in der CMS-Werkstatt veredelt und zusammengebaut. Dabei hat auch der Macher der noblen Waja-Bässe, Wassilios Nikolaidis, die Finger im Spiel; das Ergebnis macht einen überzeugenden Eindruck.

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Konstruktion

Als Jazz-Bass-Kopie hält sich der Jacob 4 an die Materialvorgaben: Der Body besteht aus Erlenholz, der aufgeschraubte Hals ist einstreifig aus Ahorn gebaut. Soweit alles ordentlich, die entscheidende Veredelung geschieht am Ende noch in Duisburg, wo das Palisandergriffbrett bundiert und bei dem Aged-Modell der Hochglanzlack des Bodys fachgerecht zerschunden wird. Ageing-Spuren findet man auch an der Kopfplatte, allerdings sind alle funktionalen Komponenten wie Bünde, Griffbrett, Mechaniken, Elektrik von der künstlichen Alterung ausgenommen. Dass die Schrammen nicht so authentisch wie bei teureren Instrumenten ausfallen, kann man angesichts des günstigen Preises gut verkraften – außerdem gibts den Jacob ja auch ohne Ageing.

Insbesondere bei der Ausstattung geht der Hersteller keine Kompromisse ein und setzt auf Qualität: Hochwertige Schaller-Tuner kommen zum Einsatz, der Vintage-Steg stammt von Wilkinson und ist mit Sustain-fördernden Messing-Saitenreitern bestückt. Die Tonabnehmer werden von Bassculture eigens für die Flexx-Bässe angefertigt, gestackte Spulen unterdrücken die sonst lästigen Brumm-Einstreuungen. Und damit keine Klangfeinheit in der Verkabelung steckenbleibt, sind die amerikanischen CTS-Potis mit Rheingold-Kabelmaterial verdrahtet, eine kontaktsichere Switchcraft-Klinkenbuchse und aufgeschraubte Metall-Potiknöpfe sind Ehrensache, sogar arretierbare Gurthalter sind montiert.

FLEXX Jacob 4 aged_03
Dieter Stork
Hochwertige Schaller-Tuner sichern die Stimmstabilität.

Praxis

Der Viersaiter wiegt exakt 4 Kilogramm und hängt am Gurt, wie ein Jazz Bass nun mal austariert ist, nämlich mit leichtem Hang zur Waagerechten. Mit 39,7 mm am Sattel ist der Hals einen Hauch breiter als die meisten Vorbilder, liegt gut in der Hand und spielt sich entspannt. Nur der Sattel könnte zugunsten des Greifkomforts in den tiefsten Lagen für die E-Saite etwas tiefer eingefeilt sein – wobei die Anpassung an die persönlichen Vorlieben natürlich keine große Sache ist.

In Spielgefühl und Aussehen mag der Flexx-Viersaiter eine Jazz-Bass-Kopie sein, aber klanglich zeigt der sorgfältig verarbeitete Bass erstaunlich eigene Züge. Da fällt beim Testinstrument zunächst das ungemein lange Sustain und die bemerkenswert lebhafte Schwingfreude auf, die den Schraubhals-Bass auf Anhieb in die gehobene Liga befördert. Auch die hochwertigen Bassculture-Tonabnehmer machen sich deutlich bemerkbar, und damit ist nicht nur deren Brummfreiheit gemeint. Ungemein satt und tief werden die Bässe produziert, was dem Viersaiter gehörige Trag- und Füllkraft im Band-Sound beschert.

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FLEXX Jacob 4 aged_3.3Die bullige Basspower geht aber nicht zulasten des knurrigen Jaco-Charakters in den Einzel-Einstellungen, und die seidigen Höhen werden ohne gitarrenhafte Härte in bester Vintage-Manier abgebildet, was insgesamt ein sehr stimmiges Klangbild ergibt. Eine Eigenheit des Stacked-Prinzips liegt im reduzierten Ausgangspegel, und auch beim Flexx-Bass muss man den Gain-Regler am Amp etwas weiter als sonst aufdrehen. Lobenswert ist beim traditionell angelegten Bedienfeld auch die perfekte Arbeitsweise aller Regler, wo sich die Wirkung gleichmäßig über den gesamten Einstellweg verteilt und die Höhenblende feinste Nuancierungen erlaubt.

Resümee

Der dreistellige Preis ist für einen deutschen Bass auffallend, aber ein billiger Jacob ist der Flexx-Viersaiter keineswegs. Vielmehr punktet der hochwertig ausgestattete Bass mit lebhafter Schwingfreude und bemerkenswert schubstarken Sounds, die ihm ein deutliches Plus an bassiger Tragkraft und Sound-Flexibilität bescheren. Hier passt alles stimmig zusammen, da kann man nur eine klare Antest-Empfehlung aussprechen!

Plus
• Klangverhalten, Sustain
• tiefe, satte Bassentwicklung
• brummfreie Tonabnehmer
• Spielbarkeit
• Ausstattung, Verarbeitung

Minus
• Sattel für E-Saite könnte tiefer eingefeilt sein

 

FLEXX Jacob 4 aged_profil
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