G&B Testbericht

FGN Neo Classic JB 5 im Test

Schwarzer fünfsaitiger Fujigen-Bass, stehend

Wenn es einen japanischen Hersteller gibt, der sich mit dem Bau von Fender-Bässen auskennt, dann ist es natürlich Fujigen – und hier kann man wohl noch nicht einmal wirklich von einer „Kopie“ sprechen. Jedenfalls ist der fünfsaitige JB wohl näher am Original als es andere Fremdmarken überhaupt sein können. Selbstverständlich stimmt die Materialrezeptur exakt: mitteldichte Erle für den Korpus, harter, feinzelliger Ahorn für den Hals und dunkles Palisander für das Griffbrett. Dabei sieht der Hals/Korpusübergang an der Korpustasche (womöglich auch wegen der fehlenden Halsankerplatte) etwas kantiger aus als bei Fender, wirkt allerdings auch besonders solide. Die gesamte Verarbeitung ist blitzsauber und ohne jede Schwachstelle.

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Ein ganz besonderes Detail erkennt man selbst bei ganz genauem Hinsehen kaum, nämlich das Circle Fretting System, bei dem die Bundstäbchen nicht einfach gerade, sondern ganz leicht gebogen ins Griffbrett eingesetzt werden. Sinn der Maßnahme soll sein, dass die zu den höheren Lagen hin auseinander laufenden Saiten jeden Bunddraht exakt im rechten Winkel treffen. Zwar ist der Fehlwinkel bei einer konventionell geraden Bundierung ausgesprochen gering, aber die patentierten Spezialbünde sollen trotzdem dafür sorgen, dass die Saiten freier und sauberer schwingen. Erfahrungsgemäß würde ich dicke Basssaiten eher als unsensibel für solche Mikro-Feinheiten einschätzen, werde aber natürlich im Praxistest umso genauer hinhören.

Bei der Hardware verwendet Fujigen Qualitätsteile von Gotoh. Die offenen Stimmmechaniken im Vintage-Look machen mit ihrer Guss-Basis einen sehr dauerhaften Eindruck und arbeiten mit sahniger Gleichmäßigkeit. Beim Steg handelt es sich im Prinzip um den altbewährten Blechwinkel-Klassiker, der allerdings im Bereich der Saitenhalterung stabiler ausgeführt ist und durch zusätzliche Befestigungsschrauben überall fest auf die Korpusdecke gepresst wird. Außerdem stehen die Standschrauben der Saitenreiter in eingepressten Nuten auf der Grundplatte, was bei harten Anschlägen ein seitliches Verrutschen verhindert. Schließlich ist der Fünfsaiter mit zwei Alnico-Singlecoils von Fujigen bestückt, die mit der typischen Passiv- Schaltung vom Jazz Bass kombiniert sind. Die Potis drehen sich ohne Achsspiel und mit einigem Widerstand, was sich wertig anfühlt und versehentliches Verstellen durch leichte Berührungen vermeidet.

FGN Neo Classic JB 5 in der Praxis

Mit 4,3 kg hat der Fünfsaiter ein solides Gewicht, aber nicht zu viel Speck auf den Rippen. Der JB sieht aus wie ein Fender, fühlt sich an wie ein Fender und er spielt sich wie ein Fender. Angenehm sind die Vintage-mäßig gerundeten Griffbrettkanten, die sofort das Gefühl vermitteln, ein eingespieltes Instrument in der Hand zu halten. Und so kommt der Bass auch klanglich rüber, er legt sich mit harmonischer Schwingfreude ins Zeug und beschert dem Spiel grundsätzlich schon einen gewissen Rückenwind.

Bei aller Präzision zeigt sich der FGN nie spröde oder übertrieben hart, eindeutig steht hier immer der authentische Charakterton im Fokus, und der kultiviert den legendären Jazz-Bass-Sound geschmeidig, rund und warm. Auffällig ist neben der Schwingfreude vor allem auch die Gleichmäßigkeit in der Tonbildung – der FGN spielt auf hohem Niveau, und man glaubt dem Hersteller, dass nicht nur dieses eine Testgerät so beeindruckend klingt.

Sind das etwa die CFS-Bundstäbchen? Schließlich legt der fünfsaitige JB im Praxistest eine derart begeisternde Performance hin, dass man ihm allein aus Klanggründen ein erstklassiges Preis/Leistungs-Verhältnis bescheinigen muss – und das, obwohl er nicht aus der Billigkategorie stammt. Hm, da hier schließlich alle Komponenten inklusive der Pickups offenbar von bester Qualität sind, hochwertige Klanghölzer akkurat verarbeitet wurden und das Instrument perfekt justiert aus dem Gigbag kam, lässt sich der Einfluss der unmerklich gebogenen Bundstäbchen nicht mit letzter Sicherheit bemessen. Dazu wäre es womöglich aufschlussreicher, die CFS-Bundierung mal auf einem wirklich schlechten Bass auszuprobieren, aber der FGN ist „leider“ in jeder Hinsicht ein erstklassiger Bass, der auch aus allen sonstigen Anlagen glaubhaft das Zeug bereithält, einen so runden und harmonischen Ton zu produzieren.

Resümee

Dass der JB von Fujigen so ungemein nahe am Fender-Vorbild gebaut ist und bis ins Detail auch das authentische Spielgefühl bietet, könnte man ihm womöglich als Profilschwäche auslegen. Doch wenn man ihn spielt, entdeckt man gerade wegen dieser Nähe einen eigenen Charakter, der auf die Feinheiten setzt. Die perfekte Kultivierung des runden Charaktertons gerät hier auffallend harmonisch und gleichmäßig, und ob es nun die gebogenen CFS-Bünde oder die Summe aller hochwertigen Zutaten ist – der FGN ist einfach ein beeindruckendes Musikinstrument mit starken Praxis-Qualitäten.

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