Fernandes Tremor 4X und Tremor 5X im Test

Zwei Fernandes E-Bässe, 5- und 4-saitig, stehend

Unter der modernen Optik der Tremor-Bässe steckt eine bewährte Hölzer-Kombination ohne tropische Exoten. Auch ohne Abholzung der letzten Regenwälder bekommt man offenbar wertige Instrumente hin, und die Kombination von hellen Ahornhälsen mit Quilted Maple als Korpusbelag sieht gut aus. wir haben die Fernandes Tremor 4X und Tremor 5X getestet! 

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Dass die blitzsauber gebauten Chinesen auch bei näherer Betrachtung eine gute Figur machen, ist natürlich auch in Anbetracht der reellen Preise erfreulich. Überflüssiger Schnickschnack wurde weitgehend weggelassen, dafür sind alle wichtigen Zutaten von guter Qualität.

 

Konstruktion der Fernandes Tremor 4X und Tremor 5X

Die sieht man vor allem den ölversiegelten Ahornhälsen an, das verwendete Material ist hart und feinzellig. Um nicht unnötig Ressourcen zu verschwenden, bestehen die einstreifigen Hälse nicht aus einem Stück, vielmehr wurden die abgewinkelten Kopfplatten mit großflächiger Verbindung angeleimt. Dagegen ist klanglich oder aus Stabilitätsgründen nichts einzuwenden, man spart gegenüber einer wirklich einteiligen Bauweise allerdings viel Material ein. Die aufgeschraubten Hälse sitzen übrigens mit perfekter Passgenauigkeit in den Korpustaschen und sind dort vierfach verschraubt. Das Grundmaterial für die Bodies ist wie bei den Hälsen ein bewährter Klassiker: Erlenholz.

Allzu dick werden die wunderbar gemaserten Deckenbeläge aus Quilted Maple schon aus Kostengründen nicht sein, aber das wird in den Randbereichen ja gnädig durch die Burst-Hochglanzlackierung verdeckt, sodass die Tremor-Bässe wirklich hochwertig rüberkommen. Schlicht und funktional präsentiert sich die Ausstattung. Gekapselte Tuner auf der Kopfplatte, einfache Stegkonstruktionen am anderen Ende, wobei der Fünfsaiter einen etwas solideren Steg abbekommen hat als der Viersaiter. Elektrisch funktionieren beide Modelle ohne Batteriestrom, da hier alle Komponenten passiv arbeiten. Je zwei Humbucker mit fetten, indirekt aufmagnetisierten Stahlpolen versprechen pfundige Elektro-Sounds, da reichen getrennte Volume-Regler und eine gemeinsame Höhenblende für den praxisgerechten Basston aus.

 

Praxis

Beide Modelle liegen angenehm stabil am Körper und hängen tadellos ausbalanciert am Gurt. Für die angenehm schlanke Halsform des Viersaiters stand offenbar der Jazz Bass Pate, jedenfalls vermittelt die Kombination von schmalem Griffbrett und einem nicht zu schmächtigen C-Profil genau das konkrete und zugleich entspannte Spielgefühl. Auch der 5X greift sich komfortabel, wobei der zwangsläufig verbreiterte Hals in den Gesamtproportionen etwas flacher wirkt, obwohl er bei der Dickenmessung nur minimal weniger Fleisch ausweist. Es handelt sich um einen Fünfsaiter mit annähernd vollen Saitenabständen von 18,5 mm am Steg, was volldynamischen Anschlägen entgegenkommt, während der Hals zum Sattel hin eher schmal zusammenläuft und somit eine saubere Greiftechnik auch mit kleineren Händen erleichtert. Zu dieser Geometrie passen allerdings nicht ganz die verwendeten Tonabnehmer; vor allem beim Pickup in der Halsposition sieht man, dass die G-Saite nicht genau über, sondern schon neben den Polepieces herläuft.

Beim ganz kritischen Hörtest meint man auch herauszuhören, dass die hohe Saite dadurch einen kleinen Hauch zurückhaltender übertragen wird – als wirklicher Makel stellt sich das in der Wiedergabe allerdings nicht heraus. Im Ganzen überzeugen die Tremor-Bässe mit ihrem kraftvollen, aber auch betont frischen und durchsichtigen Klang. Angesichts der fetten Humbucker mit breitem magnetischem Fenster erstaunen sogar die expliziten Brillanzen, die ein guter Singlecoil nicht lebendiger bringen könnte! Irgendwie klingen die beiden Fernandes-Bässe derart druckvoll und drahtig frisch, dass ich noch sicherheitshalber den E-Fach-Deckel aufschrauben musste, um nachzusehen, ob da nicht doch noch eine Aktiv-Elektronik versteckt wurde. Es spricht natürlich eindeutig für die Güte der Tonabnehmer, dass diese Instrumente ihre starken Sounds tatsächlich mit rein passiver Elektrik erzeugen.

 

Resümee

Nicht jedes Schnäppchen, welches man superbillig aus chinesischen Fabriken bekommen kann, ist das wenige Geld auch wirklich wert. Geht man hingegen eine Preisklasse höher, bekommt man mitunter auch erstaunliche Qualität geboten, so wie bei diesen beiden Fernandes-Bässen.

Die sauber verarbeiteten Tremor-Modelle überzeugen durch gute Hölzer, preisgerechte Ausstattung und sogar verblüffende Sound-Ergebnisse, sodass man wirklich nur von seriösen Angeboten reden kann, wo man für einen fairen, günstigen Preis wirklich gute Musikinstrumente geboten bekommt.

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