Fender Sting Bass im Test

Stings Signature-Modell von Fender gibt sich auf den ersten Blick eindeutig rückwärtsgewandt. Auch auf den zweiten. Schließlich basiert der Bass auf dem Preci von 1953, den Sting auf der „Brand New Day“-Tour gespielt hatte.

Offenbar fühlt sich dieser anerkannte Spitzenmusiker von der Schlichtheit inspiriert, und schlichter als bei diesem Vintage-Precision aus den ersten Jahren geht es nun wirklich nicht. Beim Sting Bass leistet man sich immerhin den Luxus eines Contour-Bodys mit gerundeten Kanten. Denn mit den echten alten Modellen von ‘51 bis ‘53, dem Pendant zur Telecaster-Gitarre, hängte man sich ein kantiges Brett um; der Sting Bass liegt hingegen wie von einem „modernen“ Precision gewohnt komfortabel am Körper, was Fender ab 1954 einführte

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Mit dieser Konstruktion hatte Leo Fender den Standard für den E-Bass vorgelegt. In einer Frästasche auf einem aus mehreren Holzstücken zusammengeleimtem Eschekorpus ist ein Ahornhals festgeschraubt. Der Hals ist aus einem Streifen Ahorn gebaut, inklusive Griffbrett also einteilig. Der Halsspannstab wird bei der Herstellung von hinten in den Hals eingesetzt, diese Ausfräsung ist durch einen dunklen Walnut-Holzstreifen verschlossen.

Die Mensur von 34″ (864 mm Longscale) war bei Versuchen schlichtweg die Längste, die sich noch leicht spielen ließ – kürzere Mensuren hatten sich bei Leo Fenders Versuchen als klangschwächer erwiesen. Der Sting Bass ist ganz nach alter Art mit schmalen Bundstäbchen bestückt. In der zwölften Lage ist Stings Signatur in einem Block Inlay verewigt.

Korpus und Hals sind inklusive Griffbrett glänzend lackiert, der Korpus zweifarbig im Two-Tone-Sunburst gehalten und ausschließlich in dieser Farbgebung lieferbar. Der komfortabel geshapte Korpus wurde ab 1954 eingeführt, natürlich passt hier nicht mehr das alte, bis ins obere Korpushorn reichende Schlagbrett. Der Contour-Body kommt aber dem Spielkomfort des Sting Basses merklich zugute und ist als authentisch anzusehen, wenn man das Signature-Modell als 54er Preci einordnet.

 

Ausstattung

Einfacher geht’s nicht, und tatsächlich verströmt diese Reduziertheit ihre ganz eigenen Reize. Der simple Blech-Flachsteg besitzt noch nicht einmal separate Saitenreiter, für jeweils zwei Saiten lässt sich bezüglich der Oktavreinheit nur ein gemeinsamer Kompromiss einstellen. Bei den langhalsigen, offenen Stimm-Mechaniken hat man auch das Original-Detail beachtet, dass sie sich andersherum drehen als die späteren Typen.

Die simpelste Konstruktion auch beim Tonabnehmer: Dieser ist einspulig, der lackisolierte Draht ist um vier dürre Alnico-Stabmagnete gewickelt; aus gutem Grund wird man den späteren Fender-PUs zwei Magnete pro Saite gegönnt haben und ist nicht wieder zur Single-Polepiece-Bauweise zurückgekehrt. Aber der alte Pickup klingt natürlich speziell. Statt durch eine Schutzkappe werden die sensiblen Drahtwicklungen mit gewachster Kordel gegen potenziell tödliche Fingernagel- und Plektrum-Attacken geschützt. Alles Aktive spielte sich früher noch ausschließlich im Verstärker ab, eine Bass-Elektronik arbeitete natürlich passiv. Der Sting Bass belässt es dabei und besitzt außer seiner Ausgangsbuchse einen Volumenregler und eine Höhenblende. Dass Sting hier nichts veränderte, gereicht Leo Fender zur Ehre und hat wohl auch etwas mit Respekt zu tun.

Wenn man sich sonst kaum etwas gönnt, darf es doch wenigstens ein bisschen Komfort sein. Die Vorzüge gerundeter Korpuskanten und einer abgeschrägten Auflagefläche für den Unterarm wurden bereits gelobt. Der Hals liegt satt und rundlich in der Hand, fordert beim Dauereinsatz eine trainierte Muskulatur. So leicht wie ein moderner Schlankhals-Bass lässt sich der Sting Bass nicht beherrschen, und eine gewisse Vintage-Begeisterung sollte der Kunde bei der Wahl dieses Modells schon mitbringen.

 

Die Gründe, warum man beim Bau von Bass-Tonabnehmern vom Prinzip dieses schlichten Singlecoils abgekommen ist, lassen sich leicht benennen. Durch einen einzelnen schwachen, dünnen Stabmagneten besitzt der Tonabnehmer kein besonders breites Magnetfeld. Bei festeren Anschlägen schwingen die Saiten sehr bald so weit aus, dass sie das homogene Feld des Pickups verlassen. Statt Power kommt dann bei beherztem Spiel eher warme Luft.

Aber diese Eigenart des frühen Fender-Bass-Pickups hat auch Charme. Spielt man im Streichelgang, liefert dieser Ur-Preci Nuancen eines Piano-String-Sounds. Im leicht indirekten Ton ist eine Menge Raum, mit einer reichen Oberton-Wiedergabe hat ein Singlecoil-Pickup sowieso keine Probleme. Und wenn es dann strenger zur Sache geht, spart man sich den Kompressor. Die deutlich begrenzte Dynamik fällt beim bassigen Fingeranschlag stärker auf als beim knackigen Plektrumspiel. Wer sich auf die Eigenarten des „alten“ Fenders einzustellen weiß, wird durch gefühlvollen Umgang mit der Anschlagdynamik hier sicherlich interessante Klangergebnisse ernten. Aber dass sich der Sting Bass in seiner kompromisslosen Vintage-Art ausgesprochen speziell verhält, steht doch außer Frage.

Bis auf den gerundeten Contour-Body bietet der Sting Bass die schlichtestmögliche Ausführung eines erwachsenen E-Basses. Weitestgehend orientiert am Ur-Precision, präsentiert das Signature-Modell auch die Eigenarten, die Leo Fenders erster E-Bass aufwies. Nicht nur durch die Schlichtheit, auch in der Bespielbarkeit fordert dieser Bass vom Spieler eine gewisse Intensität ein, und sein Sound ist eine spezielle Mischung aus feiner Obertonzeichnung und sehr gutmütiger Dynamik. Piano String bei leichten Anschlägen, Kompression wenn man stärker zulangt. Hier arbeitet man mit den Fingern am Ton, nicht mit aktiven Klangreglern und PU-Überblender.

 

Übersicht

Fabrikat: Fender

Modell: Sting Bass

Gerätetyp: viersaitiger E-Bass

mit Massivkorpus

Herkunftsland: Japan

Mensur: 864 mm, Longscale

Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn, 20 schmale Bünde

Halsbreite: Sattel: 42,5, XII. Bund: 57 (mm)

Saitenabstände Steg: 19 mm

Korpus: mehrteilig Esche

Oberflächen: Hochglanzlack

Tonabnehmer: passiv; 1x Precision Singlecoil

Elektronik: passiv

Bedienfeld: Volumen, Höhenblende

Mechaniken: verchromt; offene Vintage-Tuner, Blech-Steg mit 2 justierbaren Saitenreitern, konventionelle Gurthalter

Gewicht: ca. 3,9 kg

Vertrieb: Fender Musical Instruments, D-40472 Düsseldorf

 

 

Plus

  • Vintage-Stil
  • Verarbeitung
  • Spezieller Sound

 

Minus

  • Kein Allround-Instrument
Ein Kommentar zu “Fender Sting Bass im Test”
  1. Giuseppe

    Mit dem richtigen Musikern klingt das Teil wirklich gut, Siehe Sting Konzert in Mönchengladbach “back to bass”

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