Klein, aber wild

Fender Mustang Bass PJ im Test

Vor genau 50 Jahren brachte Fender den Mustang Bass heraus, der mit seiner verkürzten Mensur vor allem Gitarrenspielern den Umstieg auf den E-Bass leicht machen sollte.

(Bild: Dieter Stork)

Gewisse klangliche Kompromisse waren freilich mit der Shortscale-Mensur verbunden, obwohl der Mustang Bass insgesamt recht qualitätsvoll gebaut war. Dennoch verkaufte sich der Kurzbass gut, wenn auch bei den echten Bassisten die kurze Mensur bald ein wenig in Verruf geriet. Ein Zusammenhang mit den damals eher unterdimensionierten Bassanlagen ist dabei nicht auszuschließen, jedenfalls kann man heutzutage die Shortscale-Bässe als weitgehend rehabilitiert ansehen, wohl auch, weil eine moderne Bassanlage einige Defizite an Knackigkeit und Tondefinition auszugleichen weiß. Zum goldenen Jubiläum spendiert der Hersteller zudem dem Mustang Bass eine voll erwachsene Tonabnehmer- Bestückung, mit J-Singlecoil in der Steg- und einem zweigeteilten P-Splitcoil in der Hals-Position.

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E-Update

Der Mustang ist also kurz und handlich, aber im Grunde ganz nach dem bewährten Rezept der großen Fender-Bässe gebaut. Der Massivkorpus besteht aus Erlenholz, der vierfach aufgeschraubte Hals einstreifig aus Ahorn. Hinten füllt ein dunkler „Skunk Stripe“ die Ausfräsung für den Spannstab, vorne ist ein Griffbrett aus Palisander aufgeleimt, welches mit 19 Medium-Jumbo-Bünden bestückt ist. Korpusholz und Kopfplatten-Vorderseite sind dabei hochglänzend lackiert, während die Halsrückseite griffig mattiert ist.

(Bild: Dieter Stork)

Auch die offenen Stimmmechaniken und der simple Blechwinkel-Steg mit separat einstellbaren Saitenreitern entsprechen dem Standard der größeren Brüder, in der aktuellen PJ-Version kann der Mustang jetzt auch mit seinen Alnico-Pickups mithalten. Nur deren Schaltung ist leicht vereinfacht; auf stufenlose Mischbarkeit wie beim Jazz Bass wurde verzichtet, sodass man im Potifeld lediglich einen Volume- Regler plus Höhenblende vorfindet. Die Tonabnehmerwahl geschieht hier mit einem dreistufigen Toggle Switch.

Unterschiedliche Saitenlängen

Als Mensur bezeichnet man die Länge des schwingenden Saitenstücks, die beim ersten Fender-Bass 34″ (864 mm) betrug. Diese Länge wurde von Leo Fender experimentell als günstiger Kompromiss zwischen komfortabler Spielbarkeit und sauberem Klang ermittelt – schließlich ist die klassische Kontrabass-Mensur mehr als einen Meter lang, und dagegen war die rund 20 cm kürzere E-Bass-Mensur geradezu kinderleicht zu greifen. Für kleine Hände oder die Gewohnheiten von Gitarristen allerdings nicht leicht genug, weshalb auch kürzere, noch leichter spielbare Mensuren eingeführt wurden, ebenso wie später auch mit den modernen Five- und Sixstring-Bässen und tief gestimmter H-Saite extralange Mensuren, z. B. mit 888 mm und 915 mm auf den Markt kamen.

Die erwachsene Tonabnehmer-Bestückung entlockt dem Shortscale unerwartet wuchtige Sounds. (Bild: Dieter Stork)

Es gibt nämlich nicht nur einen einfachen Zusammenhang zwischen Saitenlänge und Spielbarkeit, sondern auch mit dem Klang, denn mit wachsender Saitenlänge wird auch – bei gleicher Stimmung – der Saitenzug straffer. Straffer gespannte Basssaiten schwingen definierter, was zu einem „drahtigeren“ Klangergebnis führt. Ob man nun den weicheren, bassigeren Klang einer kurzen Mensur oder die kontrolliertere Saitenschwingung eines Longscale-Basses besser findet, kann man heute getrost als Geschmacksfrage betrachten. Nur für tiefere Stimmungen, wie z. B. bei der H-Saite eines Fünfsaiters, haben längere Mensuren eindeutig die Nase vorn.

Flink und stark

Mit 3,5 Kilogramm hat der Shortscale ein angenehmes Gurtgewicht. Trotz kurzen Halses saust zwar die Kopfplatte nach unten, wenn man beide Hände vom Bass nimmt, wirklich problematisch ist diese Kopflastigkeit jedoch nicht und aufgrund der allgemeinen Kompaktheit des Instruments leicht beherrschbar. Für ein erwachsenes Spielgefühl sorgt das relativ fleischige C-Profil des Halses, sodass man durchaus beherzt zupacken darf, wenn es musikalisch abgeht und man den Vorteil der kurzen Bundabstände für Flitzereien quer übers Griffbrett nutzen will.

Ein fleischiges C-Profil macht den Kurzhals auch bei fester Gangart grifffest. (Bild: Dieter Stork)

Werksmäßig ist der Mustang mit .045er Saiten bespannt, was auch bei festerer Gangart einem satten Ton zugutekommt. Typische Probleme, wie man sie einem Shortscale insbesondere beim freien Ausschwingen der E-Saite mitunter nachsagt, sind hier nicht festzustellen, sie schwingt genauso saftig und definiert wie die übrigen. Allgemein fällt allerdings die Elastizität der Shortscale-Besaitung auf, man flutscht leichtgängig durch die Lagen und bekommt automatisch ein fülligbassiges Tonvolumen geboten. Dabei wirkt der Mustang-Sound mit dem geteilten Splitcoil-Pickup sogar bassmächtiger als beim Precision, was andererseits aber durch den knochigen Klang des relativ stegnah platzierten J-Singlecoils wieder ausgeglichen wird. Das ergibt drei praxisgerechte Grundklänge – vom knackig-trockenen Steg-Pickup über die breitbandig ausgewogene P/J-Kombination bis zur wuchtigen Bassgewalt des P-Splitcoils kann sich der Mustang charaktervoll im Band- Sound durchsetzen.

Resümee

Der Mustang war immer schon ein spezieller Fender-Klassiker, der aufgrund kurzer Bundabstände besonders mühelose Basslines auch in erhöhter Geschwindigkeit ermöglicht. Die nun vorhandene erwachsene Pickup-Bestückung steigert allerdings den Praxiswert enorm, insbesondere der P-Splitcoil liefert zusammen mit der bassigen Shortscale-Charakteristik ungemein wuchtige und kraftvolle Ergebnisse, die manchen Longscale fast schon lasch wirken lassen. Mit seinen markanten Sounds kann dieser kultige Kurzbass jetzt auch echte Bassisten überzeugen.

Plus

  • Klangverhalten, markante Sounds
  • leichtgängige Spielbarkeit
  • Verarbeitung
  • Tonabnehmer

Minus

  • Kopflastigkeit

Aus Gitarre & Bass 01/2017

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Woher habt Ihr die Preisinfo? Schaut mal nach – der kostet – nicht nur beim großen “T” – überall um die 600€ 😉 Das sind schon Welten….. 🙂

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