Als die Stratocaster den Fender-Bass veränderte

Fender American Vintage ‘58 Precision Bass im Test

E-Bass von Fender, stehend
(Bild: Dieter Stork)

 

Ursprünglich war der Precision das Bass-Pendant zur schlichten Telecaster-Gitarre, was man den ersten Modellen an der kantigen Korpusplanke, der Tele-Kopfplatte und dem schmalen Singlecoil-Pickup deutlich ansehen konnte. Als 1954 dann die Stratocaster herauskam, übertrug Leo Fender auch einige Weiterentwicklungen der neuen Gitarre auf den Bass.

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Drei Jahre nach seiner Einführung bekam der Precision Bass zunächst sein von der Strat abgeleitetes Comfort Shaping; die harten Korpuskanten verschwanden zugunsten großzügig abgerundeter Zargen, für Bauch und rechten Unterarm wurde die Korpusform bequemer gestaltet. Mitte 1957 folgte die Angleichung der Kopfplatte an den Strat-Stil, zugleich setzte Fender die Erkenntnis von der Gitarre um, dass nämlich zwei Singlecoil-Tonabnehmer so kombiniert werden können, dass elektromagnetische Einstreuungen nicht mehr zu einem Brummgeräusch bei der Verstärkung führen müssen. Zwar bekam der Precision nicht zwei Tonabnehmer, aber einen zweigeteilten mit entsprechend brummauslöschenden Eigenschaften. Mit diesen Neuerungen besaß der Precision im Grunde schon alle Details, die ihn später zum beliebtesten E-Bass aller Zeiten machen sollten, und eine markante Eigenheit dieser ersten „modernen“ Precision-Ausführung war damals das verkleinerte Pickguard, welches zunächst aus goldfarben eloxiertem Aluminium bestand. Die aktuelle Neuauflage gibt sich detailgenau und wertig verarbeitet.

Zu den spezifischen Eigenheiten, mit denen dann 1958 der Preci typischerweise ausgestattet war, gehörte übrigens auch die standardmäßige 3-Ton-Lackierung auf dem leichten Erle-Body. Alternativ ist das ‘58-Vintage-Modell in Black (Erle) und in White Blonde (Esche) erhältlich.

 

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Das Dämpfungspolster in der Stegkappe soll einen kurzen, bassigen Ton bewirken. (Bild: Dieter Stork)

 

Konstruktion des Fender American Vintage ‘58 Precision Bass

Zum authentischen Ergebnis gehört neben aller Detailtreue in der Ausstattung in jedem Fall die Halsbauweise. Alle drei lieferbaren Varianten sind mit einem Mapleneck bestückt – und zwar in der wirklich einteiligen Bauweise aus einem Stück Ahorn ohne aufgeleimtes Griffbrett. Beim One-Piece-Ahornhals des Testbasses sitzen die schmalen Vintage-Bundstäbchen also direkt im Halsholz, auch das extrabreite C-Profil stimmt.

Die grundsätzliche Bauweise dieses Klassikers ist schon oft beschrieben worden, was bei diesem Vintage-Modell besonders zählt, sind die originalgetreuen Ausstattungs-Details. So sitzen über Steg und Tonabnehmer die werksmäßigen Blech-Abdeckungen, der Steg ist mit gerillten Saitenreitern bestückt, die in gewissen Grenzen die Saitenabstände variieren lassen. Flattop-Metallknöpfe sitzen auf den Potis und die Stimmmechaniken drehen sich anders herum als bei späteren Precisions, die Daumenstütze war früher noch unter den Saiten montiert, weil man offenbar damals noch die Vorstellung hatte, dass die dicken Basssaiten auch mit dem dicksten Finger anzuschlagen wären. Die liebevolle Reproduktion zeigt den Precision genau so, wie er sich im ersten Modelljahr mit den Neuerungen präsentierte, die ihn dann zum großen Klassiker machten. Was als kantiges Brett mit dem eher laschen Ur-Singlecoil wohl kaum so gekommen wäre.

Versiegelt werden die makellosen Tonhölzer durch eine dreilagige „Flash Coat“-Lackierung komplett auf Nitro-Basis. Der dünne Auftrag soll das Holz freier schwingen lassen als ein fetter Polyester-Überzug, tatsächlich wirkt das hochglänzende Flash Coating aber ziemlich robust.

 

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Historisch korrekt stehen die Magnete für die A-Saite weit heraus. (Bild: Dieter Stork)

 

Der Fender American Vintage ‘58 Precision Bass in der Praxis

Zum gelungenen Auftritt des Instruments passt der hochwertige Tweed-Koffer mit sinnvollem Zubehör, welches komplett im Preis inbegriffen ist. Mit 3,9 kg gehört der Erle-Precision zur leichteren Sorte und hängt angenehm am Gurt, ohne an der Schulter zu ziehen. Die Abdeckbleche über Tonabnehmer und Steg gehören natürlich abgeschraubt; ursprünglich sollten sie als Handauflage dienen, stören aber beim Spiel eher. Zumindest in früheren Zeiten benutzte man die Teile gerne als Proberaum-Aschenbecher.

Nun fallen beim freigelegten P-Tonabnehmer die stark hervorstehenden Stiftmagnete auf, die ursprünglich bei der in den Fifties üblichen Flatwound-Besaitung für eine bessere Pegel-Balance sorgen sollten. Da der Bass heute mit modernen Roundwounds geliefert wird, hat diese Maßnahme ihren Sinn verloren, wurde aber der historischen Korrektheit halber trotzdem beibehalten. Um ausgeglichene Pegel für alle Saiten zu erhalten, lassen sich die beiden Pickup-Hälften ja entsprechend gekippt einstellen, was auch bereits ab Werk geschehen ist. Nachteile könnten die vorwitzigen Alnico-Stäbe womöglich beim Slappen zeigen, aber an solche Spieltechniken hat man 1958 wohl weniger gedacht.

Eher schon an einen kurzen, dumpfen Ton, wie ihn das Moosgummi-Dämpfungspolster bewirkt, welches in die Stegabdeckung eingeklebt ist. Man hat den Dämpfer sogar für die beiden höheren Saiten dünner geschnitten, um eine ausgewogene Wirkung für alle Saiten hinzukriegen. Leider wurde dann aber der gesamte Streifen so schräg in die Kappe geklebt, dass drei von vier Saiten gar nicht erfasst werden – übrigens der einzige Verarbeitungsmangel, der sich an diesem schönen Stück finden lässt.

Klanglich erfüllt der 58er Precision alle Erwartungen, die man an einen „alten“ Fender stellt und liefert mit seiner Mapleneck-Bestückung den typisch bellenden Sound mit ausgeprägter Holznote und markanter Präsenz. Perkussive Elemente stehen in einem guten Verhältnis zum satten Tonfundament, und bei abgenommener Stegkappe kann der Longscale mit gesunder Schwingungsdauer punkten. Wer die alten Klangstärken vollkommen authentisch genießen möchte, findet im Koffer sogar einen Satz Flatwound-Saiten! Natürlich ist der neue Bass noch nicht so eingespielt wie ein echtes Vintage-Stück, dafür ist dann der künftige Besitzer zuständig.

 

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Auch das reichhaltige Zubehör ist nicht von schlechten Eltern. (Bild: Dieter Stork)

 

Resümee

Mit konsequenter Detailtreue hat Fender den ersten „modernen“ Precision nachgebaut und dabei auch nicht den echten One-Piece-Mapleneck vergessen. Erstklassige Verarbeitung ist Ehrensache, und so liefert das schöne Vintage-Modell auch ausgesprochen typische Sounds mit Tiefe und prägnantem Biss. Der ‘58 Vintage P-Bass ist ein schönes Sammlerstück, aber eines mit hohem Nutzwert!

 

Übersicht

Fabrikat: Fender

Modell: ‘58 American Vintage Precision Bass

Typ: viersaitiger E-Bass mit Massivkorpus

Herkunftsland: USA

Mechaniken: vernickelt/verchromt; offene Reversed Tuner, Blechwinkel-Steg mit gerillten Stahl-Saitenreitern, konventionelle Gurthalter, Blechkappen f. Pickup und Steg

Hals: aufgeschraubt; einteilig Ahorn

Griffbrett: kein separates Griffbrett; einteiliger Ahornhals

Halsbreite: Sattel 44,3 mm, XII. 58,2 mm

Bünde: 20 Vintage

Mensur: 862 mm, Longscale

Korpus: Erle

Oberflächen: Nitro Flash Coat Laquer, hochglänzend

Tonabnehmer: passiv; 1¥ P-Splitcoil mit Raised Magnets f. A-Saite

Elektronik: passiv

Bedienfeld: Volume, Höhenblende

Saitenabstände Steg: wählbar; eingestellt auf 19,3 mm

Gewicht: ca. 3,9 kg

Lefthand-Option: nein

Vertrieb: Fender Deutschland

40549 Düsseldorf

www.fender.de

Zubehör: Tweed-Case, Ledergurt, Klinkenkabel, Putztuch, Instruction Manual, Flatwound-Saiten

Preis: ca. 2867

 

Plus

  • markanter, typischer Klang
  • Bespielbarkeit
  • Detailtreue, Verarbeitung
  • hochwertiges Zubehör

 

Minus

  • Dämpfungspolster unwirksam in Stegkappe eingeklebt

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