Das neue Original

Fender American Deluxe Dimension Bass IV HH im Test

Beim Modellerfinden war die Marke in der letzten Zeit sehr kreativ und setzte aus dem Formen- und AusstattungsBaukasten bestehender Klassiker viele schöne Varianten zusammen. Der Dimension Bass ist hingegen als völlig neues Original angelegt und schafft das Kunststück, ohne offenkundige Ähnlichkeit mit Jazz Bass und Precision wie ein Fender auszusehen.

Fender American Deluxe Dimension Bass IV HH_06

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Technisch läuft hier einiges anders als in der Vintage-Abteilung, was schon die merkwürdigen Tonabnehmer und die Anzahl der Knöpfe signalisieren. Der schlanke, stark unsymmetrische Esche-Korpus verspricht zeitgemäß bequeme und exakte Handhabung, auch im Feinen kann man beim Dimension Bass eine Menge interessanter Details entdecken, die einen wirklich modernen Bass ausmachen

Konstruktion

Einen mutigen Schritt der Erneuerung ist man beim Hals gegangen, genau dem Teil des Basses, welches in der Optik und mit nur 21 Medium-Bünden doch am ehesten Kontinuität und Fender-Tradition ausstrahlt. Aber der erste Blick täuscht: Beim so brav aus einem Streifen Ahorn mit liegenden Jahresringen gebauten Schraubhals helfen unsichtbar eingearbeitete Graphitstäbe den Schwingungseigenschaften nach, der unsymmetrische Hals/Korpus-Übergang erleichtert trotz Fünffach-Verschraubung den Zugriff auf höchste Lagen und am Halsende ist ein großes Spannstab-Einstellrad im Music-Man-Stil völlig ungehindert zugänglich.

Die grundlegende Neuerung liegt jedoch im unsymmetrischen Halsprofil, mit der stärksten Stelle knapp unter der A-Saite greift es sich merklich anders als bei einem konventionellen C-Shape. Auf der traditionellen Kopfplatte sitzen recht fette Chrom-Klunker zum präzisen Stimmen, unter der A-Mechanik wurde der zusätzliche A-Saiten-Niederhalter „Strong Arm“ montiert, der ein altes Problem des nicht abgewinkelten Fender-Headstocks löst und das Schnarren der A-Saite im Sattel zuverlässig unterbindet. Die halboffenen Tuner machen einen überaus seriösen Eindruck und arbeiten perfekt. Am anderen Saitenende sitzt das Gegengewicht in Form eines Fender Hi-Mass-Gussstegs, dessen Design ziemlich unverblümt an einen Badass erinnert. Und am Korpus finden sich arretierbare Schaller Security Locks.

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Ein „starker Arm“ sorgt dafür, dass die A-Saite nicht im Sattel schnarren kann.

Bei der Elektronik sind die Neuerer des Fenderbasses erst richtig in Fahrt gekommen: Zwei fette Dimension-Humbucker mit rechteckigen Polepieces versprechen im fenderschen Klangreich sicherlich Ungewöhnliches und liefern per Slide-Switch fünf verschiedene Grund-Sounds, die mit einer aktiven Dreiband-Klangregelung weiter bearbeitet werden können. Um höchste Pegelspitzen in ungebremster Frische rüberzubringen, arbeitet die Schaltung mit 18 Volt Betriebsspannung; die aktive Grundausrichtung vertritt der Dimension Bass übrigens so selbstbewusst, dass er auf einen Passivschalter verzichtet. Bei einer Stromaufnahme von 0,5 mA darf man damit rechnen, dass der Batteriesatz (Werksfüllung: Duracell) für 1000 Betriebsstunden gut ist; in Falle des Falles lässt sich der Batteriedeckel auf die Schnelle mit einer Cent-Münze öffnen.

Praxis

Auch wenn der solide gebaute Hals mit den massigen Tunern schwer im Gurt liegt, kopflastig ist der Dimension Bass kein bisschen. Die Balance ist ausgewogen und zeigt sich variabel, sodass sich der neue Fender ebenso willig in der Waagerechten wie mit aufgerecktem Hals spielt; mit 3,9 kg gibt sich der Longscale-Viersaiter zudem wendig und ermüdet nicht den Rücken. Sanft legt das unsymmetrische Halsprofil dem Spieler eine manövriertüchtige Handhaltung mit dem Daumen unter der A-Saite nahe, ohne jedoch beim lässigen Fuhrmannsgriff unbequem zu sein.

Das Oil Finish fühlt sich seidig an, man gleitet stotterfrei von Lage zu Lage. Damit das auch so bleibt, wäre es freilich hilfreich, wenn der Hersteller ein geeignetes Pflegemittel gleich mitliefern würde. Bei 41,5 mm Sattelbreite bietet das Griffbrett viel Platz für einen sauberen Fingersatz – schlunzige Huddeleien fördert das nicht gerade, summa summarum liegt die Stärke der neuen Halsergonomie in differenzierten Ergebnissen, auch wenn es fester zur Sache geht. Der Dimension Bass kommt im stabilen Kunststoff-Rechteckkoffer mit Gurt und 2,5-Meter-Kabel.

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Die neuen DimensionHumbucker zeichnen sich durch ein fein austariertes, detailreiches Klangbild aus.

Klanglich kann man dem neuen Modell reife Leistungen bescheinigen, und dabei gibt es eine große Überraschung. Wer nämlich aufgrund der dicken Humbucker mit irgendwelchen Extrem-Sounds gerechnet hat, trifft auf unerwartet tighte und sorgfältig ausgewogene Klangeigenschaften. Sehr präzise hat man den Dimension-Klang so austariert, dass zwar saftige Bässe kräftig Druck erzeugen, aber die anderen Frequenzbereiche nicht übertönen, und dass zwar klare Drahtpräsenz und ein exakter Brillanzklick die Tonkonturen sauber umreißen, das Ganze aber nicht ins Gitarrenhafte abgleitet. Der Dimension IV HH liefert einen ausgewachsenen, tight abgestimmten Basston in perfekter Mainstream-Manier.

Mit dem Fünfweg-Schalter lassen sich außer den drei üblichen Pickup-Einstellungen noch zwei zusätzliche Kombinationen aus beiden PUs abrufen, nämlich einmal gemeinsam die inneren Spulen von Steg- und Hals-PU, einmal die äußeren. Vordergründige Extrem-Unterschiede liefern die verschiedenen Schalterstellungen übrigens nicht, vielmehr wird hier verblüffend fein das charakterentscheidende Timbre variiert, von Jaco-mäßigem Knurr über filigrane Offenheit bis hin zu kehligen Varianten lässt sich hier das Mitten-Voicing durchstimmen. Wobei alle Einstellungen, also auch der Steg-Tonabnehmer alleine, mit einem ausgewogen tiefen Bassfundament gesegnet sind.

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Die aktive DreibandKlangregelung kultiviert ohne Übertreibungen verschiedenste Charaktere.

Man darf durchaus annehmen, dass Herr Fender auf die tonale Perfektion des neuen Modells stolz wäre! Der ausgewogene Kurs wird auch bei der aktiven Dreiband-Klangregelung fortgeführt. Jeder Regler greift gezielt auf einen musikalisch sinnvoll gewählten Frequenzbereich zu und arbeitet sowohl bei Anhebungen als auch in den Dämpfungen sehr wirksam – geradezu auffällig ist dabei aber, dass praxisferne Übertreibungen komplett entfallen und sämtliche Extremeinstellungen gute, brauchbare Sounds liefern! Dieser blitzsaubere Equalizer erweitert die Palette des Instruments enorm, sodass vom milden Vintagebass über knorrige Mittencharakter, kissenweiche oder bullig schiebende Rocksounds bis zum hochpolierten HiFi-Klang alle Geschmäcker bedient werden, und zwar in bester Güte und stets mit der heraushörbaren Fender-Charakternote.

Resümee

Das neue Fender-Original ist klanglich derart genau auf den Punkt gebracht, dass er tatsächlich in neue Dimensionen vordringt. Er sieht aus wie ein Fender und klingt auch so, nur alles viel perfekter abgestimmt als bei den legendären Klassikern! Durch den Mix von feinen Voicings bei der Pickup-Anwahl und wirkungsvollen, grundlegenden Variationen am aktiven Dreiband-EQ deckt der Dimension HH eine unglaubliche Bandbreite ab, die es bei Fender in einem Bass bislang nicht gab. Gut möglich, dass sich dieser reife, moderne Longscale als neuer Standard in der Profi-Liga durchsetzen wird!

Plus/ minus

+ Klangverhalten, feine Nuancen
+ Wirkung des DreibandEQs
+ exakte Bespielbarkeit, Handhabung
+ Ausstattung, Verarbeitung

– kein Passiv-Schalter

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