Fulminaretto

F Bass VF5 Natural im Test

George Furlanetto baut Klasse-Bässe. Bestes Material und äußerst präzise Verarbeitung sind die eine Zutat, eine schlüssige Idee vom Charakter die andere. Heraus kommen fulminante Instrumente, an denen viele Gefallen finden können.

F Bass VF5 Natural_03
(Bild: Dieter Stork)

 

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Fenders Formensprache ist beim Body klar zu erkennen, selbst wenn der Umriss ganz anders aussieht. Materialien und Konstruktion sind gleichermaßen starke Zeugen für den traditionellen Grundgedanken, entscheidende Ausstattungsteile auch, schließlich stammt der Testbass aus der Vintage-Serie. Also eine weitere Nachbildung im bewährten Tiefton-Mainstream? Nö, denn in der Praxis gibt sich der Furlanetto keineswegs wie eine Kopie, sondern eben wie ein – F Bass. Und der Buchstabe steht schließlich für beide.

Konstruktion

Der Eyecatcher ist hier eindeutig die hervorgehobene Zeichnung des zweiteiligen Esche-Bodys, entstanden durch schwarze Beize, die dann wieder heruntergeschliffen wurde und nur in den Poren der wilden Maserung verbleibt. Knackig unter Hochglanzlack präsentiert, ist der wohlgeformte Korpus ein echtes Schmuckstück. Die traditionellen vier Schrauben reichen dem Fünfsaiterhals, um in der passgenauen Korpustasche sicheren Halt zu finden, seine einstreifige Bauweise mit liegenden Jahresringen und 21-Bünde-Ahorngriffbrett versucht erst gar nicht, das Bewährte zu revolutionieren. Wohl merkt man dem VF5 die erstklassige Materialauswahl und äußerst akkurate Verarbeitung an.

Die weit zurückgesetzte und fast unmerklich abgewinkelte Kopfplatte beschert sämtlichen Saiten ausreichenden Druck auf den Sattel ohne zusätzliche Niederhalter, der eigene Umriss des Headstocks verzichtet selbstbewusst auf jede Anspielung. Auch wenn es sich um ein Vintage-Modell handelt, hat man zugunsten präziser Feingängigkeit gekapselte Gotoh-Tuner montiert, am anderen Saitenende sitzt ein klassisch wirkender Blechwinkel-Steg von Hipshot, der freilich aus dickem Stahl gefertigt und durch die zweite Falz oben am Saitenhalter wirksam versteift ist.

Der Testbass ist mit zwei Vintage-Singlecoils bestückt, die natürlich mit Alnico-Stabmagneten in bewährter Doppel-Anordnung ausgerüstet sind. Passend dazu der passive Teil der Elektronik, wo ein Jazz-Bass-Potifeld mit Vol/Vol/Höhenblende geboten wird; der aktive Teil besteht aus drei Boost-Reglern für Bässe, Mitten und Höhen. Durch Herausziehen des Höhenblenden-Knopfs wechselt man vom aktiv geformten Sound zur rein passiven Betriebsart, vom modern aufpolierten Klang zum authentischen Klassiker.

F Bass VF5 Natural_02
(Bild: Dieter Stork)

 

Praxis

Der Hersteller verspricht, dass sich eingefleischte Fender-Fans sofort zu Hause fühlen – was voraussetzt, dass die vorgenommenen Optimierungen so gefühlvoll ausgeführt sind, dass sie nicht den Grundcharakter beeinträchtigen. Da stört es natürlich keineswegs, dass der 4,5-Kilo-Fivestring stabil ausbalanciert am Gurt hängt und nicht in die Waagerechte drängt, der freie Zugriff bis zum letzten Bund gewährleistet und das gebogene untere Korpushorn fürs Spiel im Sitzen bequem ist, hochwertige Hardware ihre Jobs bestens erfüllt und eine vollständige Aktiv/Passiv-Elektronik die Sound-Palette wirkungsvoll erweitert, dabei trotzdem klassische Authentizität wahrt. Und auf dem griffigen und exakt mittelstarken Hals kommt man tatsächlich auf Anhieb bestens zurecht; zum Wohlfühl-Repertoire gehören dabei die abgerundeten Griffbrettkanten, sodass sich der Vintage-Furlanetto auch wie ein alter Player greift.

Bei aller Wertigkeit, die das Instrument rundum ausstrahlt, passt ein Detail nicht recht ins Bild: Alle Klangregler sind so leichtgängig, dass es sich fast schon billig gegenüber den sahnig laufenden Volume-Potis anfühlt. Mit einem Satz Filzscheiben unter den Knöpfen würden die Einsteller seriöser rüberkommen, oder auch, wenn Knöpfe gewählt würden, welche die Potimuttern verdecken. Ansonsten leistet sich der VF5 keine Blöße und kombiniert authentische Vintage-Werte mit wohldurchdachten Optimierungen.

Klanglich hat der Fünfsaiter ohnehin keine Probleme, das Versprechen an die Traditionalisten zu erfüllen: die Vintage-Singlecoils liefern den typischen J-BassKlang, charakterstark mit intimer Präsenz, leider auch inklusive der prinzipbedingten Einstreu-Empfindlichkeit. Und mit hoher Gleichmäßigkeit für alle Saiten, denn die Magnethöhen bilden den Griffbrettradius nach. Aber die Tonabnehmer-Wahl erfasst noch nicht das Wesentliche beim F Bass. Seine gleichfalls bewährte wie präzise hochgebrezelte Holzbasis ist so auf den Punkt gebracht, dass die Mitte des Dynamikumfangs genau bei mittlerer Spielstärke gefühlt wird.

Wo mancher Edelbass bei fester Bearbeitung längst komprimiert, hat der VF5 noch eine Menge Headroom, wo echte Vintage-Klassiker mitunter recht rustikal vorgehen, hat der F Bass noch feine Details parat. In der Passiv-Einstellung deckt man damit in hoher Klasse alle traditionellen Anforderungen ab, Hölzer und Elektro arbeiten stimmig zusammen. Beim Umschalten auf Aktiv kommen maßvoll austarierte Boost-Funktionen hinzu, mit denen sich der Vintage-Sound gezielt aufpolieren lässt, knackig offensive Attack-Höhen, warmknurrender Growl in den Mitten und saftiger Wumms im Punchbass. Auf Dämpfungs-Einstellungen, wie sie konventionelle Aktiv-EQs bieten, hat man verzichtet, weil sie in den Bässen sowieso keiner benutzt und für die Höhen ja noch die passive Tonblende bereitsteht. Und dass der F Bass Preamp keine Mittendämpfung kann, stärkt eher den offensiven Charakter des Instruments, als dass man ultratrockene Sounds vermisst. Im aktiven Modus will der VF5 nicht unauffällig klingen, hier geht es darum, Dampf zu machen und die Groove-wirksamen Details nach vorne zu holen. Schließlich ist der Vintage-Furlanetto in jeder Einstellung ein fulminanter Charakterdarsteller.

F Bass VF5 Natural_01
(Bild: Dieter Stork)

Resümee

In der Meisterschaft, Leo Fenders Grundgedanken weiterzuspinnen, ist dieses Vintage-Modell von George Furlanetto weit vorne unterwegs. Nein, der VF5 ist keinesfalls eine augenfällige Kopie eines alten Klassikers, und trotzdem hat er all dessen Stärken an Bord. Und er bringt sie genau auf den Punkt, kombiniert mit einem Plus an Präzision, einem Plus an Ergonomie und einem Plus an Sound-Optionen. Mit derart positiven Vorzeichen spielt man tatsächlich in der Spitzenklasse, was natürlich auch der Preis signalisiert.

 

Plus

  • Klangverhalten, Vintage-Charakter u. Boost-Optionen
  • Spielbarkeit, Balance
  • Präzision
  • Hölzer, Verarbeitung

Minus

  • sichtbare Potimuttern, zu leichtgängige Klangregler

 

F Bass VF5 Natural_profil

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