Kickdown-Start

Eye Bass Guitars EB-2 im Test

Dieser Bass soll das Erstlingswerk eines absoluten Newcomers sein? Unglaublich! Wenn Marc Lochers Geschichte stimmt, bedeutet das Highend-Niveau vom Start weg.

Eye Bass Guitars (1)
(Bild: Dieter Stork)

Dass der Mann eine umfassende Ausbildung als Industriemechanikermeister und Maschinenbautechniker hat, erklärt das hohe konstruktive Niveau und kommt sichtlich seiner innovativen Bass-Konzeption zugute. Den Instrumentenbau betreibt er übrigens aus Passion, beruflich arbeitet er als Ausbilder in Zerspanungstechnik – daher kommt wiederum die verblüffende Kompetenz in der Materialbearbeitung. Musikalisch ist Marc Locher in der härteren Richtung unterwegs, was ganz klar die kompromisslose Klangausrichtung dieses Basses geprägt hat. Direkt vergleichbare Kollegen findet man nicht leicht, denn wer bietet schon einen Body mit Aluminium-Mittelzone und abgesetzten Holzflügeln? Natürlich ist so ein Experiment nicht nur konstruktiv, sondern auch klanglich interessant.

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Konstruktion

Kernstück des futuristischen EB-2-Designs ist der Alu-Mittelteil der Korpuskonstruktion. Er trägt sowohl den Steg als auch den präzise aufgeschraubten Fünfstreifen-Hals – somit agiert der Leichtmetallkern im Zentrum der Schwingkonstruktion mit entsprechendem Einfluss auf das Klangverhalten. „Leichtmetall“ ist freilich ein relativer Begriff; um dem rund zehn Zentimeter breiten Aluminiumblock zu tragbarer Leichtigkeit zu verhelfen, besitzt dessen Rückseite mehrere tiefe Kammern, wobei auffällt, dass der extrem stabile EB-2-Kern nicht gegossen, sondern aus dem Vollen gefräst ist. Dabei wiegt der Viersaiter noch stattliche 4,8 kg.

Die hölzernen Schwingen besitzen in Sandwich-Manier in der Mitte eine Mahagoni-Sperrung und sind mit 13 fetten Inbusschrauben passgenau auf robust dimensionierten Alu-Flanschen fixiert, mit einigen Millimetern Abstand zum Mittelteil. Charaktervoll grob geriegelten Ahorn zeigt die Vorderseite, die feinere Flammung, wie man sie sonst hoch einstuft, ist auf der Rückseite der Body Wings gelandet. Mir gefällt genau das gut, ebenso wie modernistische Details in Form eines eingepassten E-Fach-Deckels aus Carbongeflecht und der elegant gefrästen Halsbefestigung mit Inbusschraube zum Einstellen des Halsanstellwinkels (die übrigens im Hals auf ein eingelegtes 10-Cent-Stück mit der Jahreszahl der Herstellung drückt). Der Eye-Bass hat seinen eigenen Stil, und der kommt mit gehöriger Präzision rüber, wobei es auch dazugehört, dass man im handpolierten Hochglanzlack noch tatsächlich die Handarbeit erkennt.

Der aufgeschraubte Longscale-Hals ist sehr schlank geformt und besteht aus drei Streifen Ahorn mit zwei schmaleren Mahagoni-Trennstreifen, das abgewinkelte Kopfplattenstück ist angeschäftet und vorne mit einem Riegelahorn-Facing versehen. Die tief weinrote Transparent-Lackierung lässt die Holzmaserung nobel durchscheinen, der Eye Bass sieht wertvoll aus, ohne zu prahlen. Erstaunlich aber, dass dieses hochmoderne Konzept sich mit 22 Bünden im Ebenholzgriffbrett begnügt, zwar fett im Jumbo-Format, aber im Tonumfang doch auch ein wenig Vintage. Zwei Bünde mehr würden die ausgewogene Optik gewiss nicht stören. Elektrisch wird die Aluminium/Holz-Kombination von einem EMG 35DC Aktiv-Humbucker befeuert, dessen Ausgangssignal spartanisch über Volume-Regler und passive Tonblende zum Klinkenausgang geleitet wird.

Stimmig kommt die Satin-Pearl-Hardware rüber, von den gekapselten Schaller-Tunern über die technomäßige Schaller-2000-Bridge mit dreidimensionalen Einstellmöglichkeiten, den Potiknöpfen und den konsequent im gleichen Look ausgeführten arretierbaren Sicherheits-Gurthaltern. In seiner Gesamtkomposition ist der Eye-Bass wirklich etwas fürs Auge.

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Die hölzernen Body Wings sind präzise auf stabile Alu-Flansche aufgesteckt und verschraubt. (Bild: Dieter Stork)

Praxis

Heavy ist der erste Eindruck und mit 4,8 kg bei einem Viersaiter wohl auch gerechtfertigt. Aber der EB-2 verteilt die Last ausgewogen, der Gurt zieht nicht einseitig an der Schulter – das lässt sich mit einem breiten, gepolsterten Gurt durchaus komfortabel lösen. Mit Vorteilen beim ultrastabilen Sitz in der gewünschten Spielhaltung; und der schlanke Hals plus niedrig einstellbare Saitenlage verhelfen dem Eye-Bass zu bemerkenswerter Leichtgängigkeit, ganz im Gegensatz zum physikalischen Gewicht. Natürlich klingt Alu anders als Holz, und zunächst als steifes, Sustain-förderndes Halsmaterial haben Travis Bean und Kramer damit schon vor 40 Jahren gepunktet. Allerdings fühlt sich Metall auch kälter an, was dann den Erfolg der Alu-Hälse doch ziemlich begrenzte.

Beim Eye-Konzept hält man das kalte Material nicht in der Hand, und das ist eine neue Chance für den Alu-Sound, der dem EB-2 eine deutlich andere Tonhüllkurve beschert, als man es von hölzernen Instrumenten gewohnt ist. Am auffälligsten ist, dass jeder Ton sofort mit voller Energie anspricht, egal ob mit Fingern, Daumen oder Plektrum angeschlagen – dieser Viersaiter ist ein Attack-Wunder. Und dann steht der breitbandige Ton sehr, sehr lange und stabil, ohne sich verabschieden zu wollen; auch darin übertrifft der EB-2 wohl selbst die besten Holzbässe. Nun könnte man meinen, dass dies ein technisch-kühles Klangbild erzeugt, aber das stimmt nicht so ganz. Denn schließlich ist hier noch ein Holzhals im Spiel, der feine hölzerne Charaktereigenschaften ins Timbre transportiert.

Zugegeben, echte Vintage-Freunde sind bei diesem innovativen Konzept an der falschen Adresse, aber jeder, der für sein Spiel hervorgehobene Impulsfrische und energische Tondichte gebrauchen kann, spielt mit dem EB-2 in einer neuen Spitzenliga! Mit seiner breitbandigen Übertragungscharakteristik und sauberem Bassdruck ist der aktive EMG-Humbucker die perfekte Wahl. Der schubkräftige Sustainbass wird mit cleaner Power dargestellt, wozu die drahtigen Präsenzen genau im rechten Verhältnis stehen, aber die Höhen dennoch nicht spitz übertrieben wirken: Das ergibt sozusagen einen Piano-String-Charakter mit praxisgerecht milder Abrundung und einer charakterstärkenden Note knurrigem Growl. Wie gesagt, der Erbauer ist selbst in der härteren Gangart unterwegs und dazu passt dieser straighte Hochenergie-Bass perfekt. Und wer mehr Einstellmöglichkeiten wünscht, kann sie natürlich bekommen.

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Tief ausgefräste Kammern machen den Alu-Mittelblock tragbar, die Querstege dienen der Versteifung.he aufgesteckt und verschraubt. (Bild: Dieter Stork)

Resümee

Was für ein Blitzstart in die Highend-Liga! Marc Lochers Futuristen-Bass hatte gerade mal einen hölzernen Vorgänger, umso spektakulärer ist nun die hochpräzise Verarbeitung und stimmige Funktionalität des Serieninstruments. Mit dem extrem stabilen Aluminium-Mittelblock und angeflanschten, schönen Holzteilen geht der Eye-Bass einen ganz eigenen Weg, der klanglich mindestens so eindrucksvoll wie die Optik ist. Jeder Ton spricht hier unmittelbar mit voller Energiedichte an und hält das Niveau unglaublich lange. In der Attackpower und im nicht enden wollenden Sustain eröffnet dieses Aluminium/Holz-Hybrid eine neue Klasse, wobei die außergewöhnliche Ton-Hüllkurve charaktervoll hölzerne Timbre-Nuancen stimmig integriert.

Von diesem Hightech-Instrument profitieren alle Spielstile, die auf Impulsfrische und Energiedichte setzen, wobei gewiss nicht nur die Heavy-Metal-Bassisten begeistert sein werden!

Plus

  • eigenständiges Klangverhalten
  • extrem Attack-stark, extrem stabil stehender Ton
  • Spielbarkeit, Balance
  • Konzept, Verarbeitung, Design

Minus

  • erhöhtes Gewicht

 

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