Basso continuo

Eich Amplification T-900 im Test

Tech, Tech Soundsystems, TecAmp und jetzt Eich Amplification: Über fast drei Jahrzehnte hat Thomas Eich kontinuierlich am guten Basston gearbeitet und sein Markenprofil geschärft. Selbstverständlich hat er auch mit seiner neuen Firma vor, bei der Tieftonverarbeitung ganz vorne mitzuspielen.

(Bild: Dieter Stork)

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Dafür ist sein neues 900-Watt-Kompakt-Top alleine schon leistungsmäßig gut gerüstet. Und es sieht gut aus, im frischen, eleganten Flach-Design, was natürlich nur mit Class-D-Technik und Schaltnetzteil möglich ist. Das aufgeräumte Design lässt trotz der besonders kompakten Ausführung keine Enge aufkommen, dabei ist alles vorhanden, was man für den amtlichen Basssound braucht.

Plattform-Konzept

Die neue Linie seiner Basstops ist bewusst schlank gehalten und besteht aus vier Leistungsklassen: 300, 500, 900 und 1000 Watt. Wobei der vermeintlich kleine Sprung zwischen den beiden Spitzenmodellen am Ende größer ist, da beim T-1000 einige interessante Extras hinzukommen. Zunächst haben wir aber den T-900 im Test, der gleich auch für seine kleineren Brüder steht, weil sie nämlich bei unterschiedlicher Ausgangsleistung das gleiche Grundkonzept besitzen.

Direkt neben dem Klinkeneingang sitzt der Gain-Regler, bei der korrekten Anpassung an den Instrumentenpegel hilft die Anzeige einer Clip-LED. Typisch Eich ist der darauffolgende Taste-Regler gestaltet, wo man den Sound von der neutralen Mittelrastung aus wahlweise fülliger abrunden (Richtung „Rich“) oder knackiger („Dry“) abstimmen kann, je nachdem, ob der vorhandene Instrumentenklang etwas Nachhilfe in die eine oder andere Richtung braucht. Dadurch bleibt der eigentliche EQ mit seinen vier Einstellbereichen frei für die spezielleren Geschmacks-Details. Rechts schließt die Reglerreihe mit dem Master, neben dem sich auch gleich der Mute-Schalter für die Spielpausen befindet. Übersichtlicher geht’s nicht, zumal die Klangregler jeweils in der neutralen Mittelstellung fühlbar einrasten.

Zum Festhalten auf der Box werden Gummifüße, starke Neodym-Magnete und eine Antirutschmatte angeboten. (Bild: Dieter Stork)

Praktisch ist die Anordnung des symmetrischen DI-Ausgangs auf der Frontseite, wo man gegebenenfalls auch den gewählten Signalabgriff vor oder hinter EQ und Effektweg im Blick hat. Auch der dazugehörige Ground/Lift-Schalter befindet sich hier. Hinten liegen die beiden Klinkenbuchsen des Effekt-Einschleifwegs, der, anders als es den Anschein hat, nicht seriell arbeitet, sondern den Effektanteil parallel zumischt – und dessen Return laut Beschriftung auch als Line Input benutzt werden kann. Für externe Zuspielungen braucht man ihn aber nicht, denn als Aux In ist noch eine Stereo-Miniklinke vorhanden, direkt darüber der zum stillen Üben nützliche Kopfhörer- Anschluss. Eine eigene Klinke für das Stimmgerät ist ebenfalls da, außerdem ein Line Out zum Ausspielen des Vorstufensignals. Für die Lautsprecher besitzt der T-900 eine Kombibuchse von Neutrik, die wahlweise Speakon- oder Klinkenstecker aufnimmt.

Harmonie mit wenig Knöpfen

Der nur 1,7 kg leichte T-900 ist mit mittelgroßen Gummifüßen bestückt, zusätzlich sitzen zwei starke Neodym-Magnete auf der Unterseite, die für zusätzlichen Halt auf den Eich-Boxen sorgen. Und als universelle Lösung liegt dem Amp eine Antirutsch- Matte bei. Durch den rückwärtigen Umschalter für die Netzspannung ist der T-900 international einsetzbar. Die Eich-Leistungsangabe von 900 Watt erscheint nicht arg übertrieben, der Lieferant der Class-D-Endstufe gibt für das gebrückte Stereo-Modul in seinen Datenblättern 850 Watt an 4 Ohm bei 1% Klirrfaktor an. Das darf man im Musiker- Einsatz getrost maßvoll aufrunden. Jedenfalls spielt der T-900 mit überzeugen- der Souveränität auf, sodass dem Cleansound auch bei sehr lauten und gewaltvollen Einsätzen nicht die Puste ausgeht.

Ein anderes großes Plus hat der Eich in Form des musikalisch abgestimmten Vorverstärkers mit Taste- und Vierband- Klangregelung an Bord, das war ja auch die Stärke seiner Puma-Tops bei TecAmp. Eine hörbare Verwandtschaft ist nicht abzustreiten, auch wenn die neuen Preamps laut Hersteller komplett mit hochwertigen Bauteilen überarbeitet und verfeinert wurden.

Wenig Knöpfe, aber die mit der passenden Wirkung – das Konzept kann nicht so universell sein wie ein mit allem Pipapo und zwanzig Reglern ausgestatteter Bass-Amp, aber bei gelungener Abstimmung doch die allermeisten Ansprüche komfortabel und harmonisch befriedigen. So ist es dann auch beim T-900-Preamp, dessen Taste-Regler schon eine ganze Menge an komplexer Justierung erspart, sodass man für mehr Vintage oder präsente Aggressivität nicht den eigentlichen EQ zu bemühen braucht. Der punktet im Lo-Bereich mit präziser, fester Tiefenfülle ohne dröhnende Auffälligkeiten, in den Lo Mids mit saftigem Growl und rockiger Durchsetzungskraft, am Hi-Mid- Regler hat man Nasaltimbre und Drahtpräsenz feinfühlig unter Kontrolle, während der Hi-Regler die obersten Highlights bearbeitet.

Aufgeräumt, aber alles da (Bild: Dieter Stork)

Mit diesem harmonisch zusammenwirkenden Besteck lässt sich eine gute Auswahl vom gediegenen Edelton über trockenen Funk-Sound bis zum kernigen Rockbass einstellen, wobei natürlich auch die milderen Vintageund Blues-Varianten mit im Spiel sind. Eine Stärke dieser Klangregelung ist, dass sie eben nicht zu stark den Klang verbiegt, sondern bis in die Extremeinstellungen praxisgerechte Ergebnisse liefert, was nicht nur bei Boosts, sondern auch bei Abdämpfungen filigran funktioniert. Gegenüber Eichs altem Puma-Design wirkt die T-Vorstufe nun noch feinfühliger auf den gediegenen Grundklang ein.


Leichtgewichte können fliegen

Moderne Verstärker mit Schaltnetzteil sparen einen gewichtigen Netztrafo ein und sind selbst mit hohen Leistungen unglaublich leicht geworden. Das hat natürlich Vorteile beim Transport, aber auch Nachteile in der Praxis: Schon mit einem mittelstarken Rupfen am Klinkenkabel reißt man den Amp problemlos von der Box. Manche Leichtgewichts-Verstärker haben Füße, die in passende Mulden der Box greifen – eine passende Box vorausgesetzt. Andere benutzen starke Magnete, die sich an metallenen Einlagen im Boxengehäuse festhalten – wieder muss die Box zum Amp passen, damit das funktioniert. Universeller ist eine rutschfeste Unterlage (z. B. Gummi), die den Amp schon besser fixiert als kleine Gummifüße. Festschrauben wäre eigentlich die beste Methode, aber es geht manchmal auch ganz einfach: Zur Zugentlastung kann man das Instrumentenkabel um einen vorhandenen Griff der Box schlingen, bevor man es in den Amp einstöpselt.


Resümee

Mit seiner neuen Firma setzt Thomas Eich auf Kontinuität. Auch wenn seine Basstops nun noch kompakter und durchdachter rüberkommen, tauchen die harmonischen Stärken seiner alten Puma- Reihe hier in verfeinerter Weise wieder auf. So schafft es der sehr aufgeräumt wirkende Kompaktverstärker, mit wenigen Knöpfen viele stimmige Sounds zu erzeugen, und das gerade nicht mit überstarken EQ-Wirkungen, sondern durch maßvoll begrenzte und filigran abgestimmte Klangregler, die das Beste aus einem gediegenen Instrumententon machen.

Plus

  • Wiedergabegüte
  • filigran einwirkende Klangregelung
  • Kompaktheit, Gewicht
  • übersichtliches Design

Aus Gitarre & Bass 01/2017

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