Lauschangriff!

Test: DV Mark DV 212 GH Kompaktbox

Das Gitarristendasein ist phasenweise mühselig. Hat was von Workout wenn man sein Equipment für ´nen Gig hin und her schleppen muss. Geht kein Weg dran vorbei, wenn man auf den „echten“ analogen Ton eines Ampstacks oder Röhrencombo usw. nicht verzichten will. Aber wäre es nicht schön, zumindest ein kompaktes Wohlklang-Leichtgewicht an Box zur Verfügung zu haben? Aber ja. Vielleicht ist diese DV 212 GH hier die Lösung.

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Mal ab davon, dass das Transportieren der Gerätschaften wohl das ist, was einer Band generell am wenigsten Spaß macht, und leicht immer lieber gesehen ist als schwer, gibt es einen guten Grund, warum eine besonders leichte Box vorteilhaft ist und definitiv Bedarf besteht. Die hier vorgestellte 2×12-Box mit ihren unter 14 Kilogramm ist im Übrigen nicht DV Marks erstes Produkt dieser Art. Es gibt schon länger eine 4×12-Box in der gleichen Leichtbauweise (Test in Ausgabe 04/2015). Und sogar auch ein sehr ähnliches 2×12-Cabinet. Die Variante, die wir hier testen, ist das Ergebnis einer neuerlichen Feinabstimmung mit leicht geänderter Konstruktion, die in Zusammenarbeit mit dem Gitarristen Greg Howe zustande kam, der zuvor schon bei der Entwicklung des Topteils Maragold Pate stand (Test in Ausgabe 01/2015).

magerkur

Man nehme: sechs Holzplatten – hier laut Hersteller italienische Pappel – fertige daraus eine rechteckige Kiste (was in Indonesien geschieht, weiter Weg für das Holz), die vorne zwei große Öffnungen für frontmontierte 12″-Speaker-Chassis hat, hinten eine kleine Öffnung für ein versenkt angebrachtes Anschlussfeld, beklebe es mit Tolex , bringe an allen acht Ecken kleine Schutzkappen an, oben einen Koffergriff, fertig ist das Cabinet. Tatsächlich ist die rundum geschlossene Bauweise die am wenigsten aufwendige aller Konstruktionen.

Die DV 212 GH ist insofern aber verfeinert, als sich hinter der (natürlich) abnehmbaren Frontbespannung eine Schallwand befindet, die mit einer Art faserigem Filz bezogen ist – zum Absorbieren von Reflexionen? Das Anschlussfeld beherbergt drei Klinkenbuchsen, zwei für Mono und Stereo-Betrieb, die dritte dient zum Durchschleifen des Signals an weitere Boxen.

Die Lautsprecher, Eigenkreationen von DV Mark, sind ganz im Sinne der Gewichtsvermeidung Modelle mit Neodym-Magneten, die erheblich weniger wiegen als in der Kraft vergleichbare Keramikmagnete.

leicht macht laut

Was sagt denn DV Mark darüber, was die Qualitäten der DV 212 GH sind? Bitte sehr, ein Auszug: Der Neodym-Speaker soll ein Chassis sein, das „klingt und reagiert wie ein klassischer Lautsprecher“. Keine Angabe was damit genau gemeint sein soll, der Celestion Greenback vielleicht? Und weiter „Die DV 212 GH Greg Howe Signature kennzeichnet … ein in den Abmessungen tieferes Gehäuse, dass vollen und ausbalancierten Sound bieten. Das hinten-geschlossen-Design gibt Wärme, Klarheit und einen beeindruckenden Bassfrequenzdruck um das 4¥12″-Gefühl in kleineren Abmaßen zu bekommen.“ Na, das ist doch mal eine Ansage, vor allem der letzte Nebensatz. Darob ist man doch gleich versucht, die Box gegen einen großen 4×12-Würfel im Wettstreit antreten zu lassen.

Okay, gesagt, getan. Eindeutiges Ergebnis: DV Mark verspricht, was die Basswiedergabe angeht, nicht zu viel. Das Kabinett bringt wirklich ein adäquates Bassvolumen hervor. Beeindruckend. Und diese Erkenntnis betrifft nicht nur den Höreindruck im Raum. Die mikrofonierten Signale bilden ebenfalls diese Kraft im Bass ab. So intensiv sogar, dass meine üblichen Einstellungen an den Referenz-Amps, die ich für solche Testsituationen bevorzugt benutze, (u. a. Marble DCP100, Marshall 2204, Crate BV300, Diezel Paul, Selmer Treble&Bass, Fender Twin Reverb, Fender 75…) nicht wie gewohnt funktionierten: der Bassregler musste durchweg zurückgenommen werden, teilweise war selbst bei Stellung null noch ein gesundes Bassvolumen vorhanden. In diesem Punkt geht DV Marks Rechnung also tatsächlich voll auf.

Die Bassintensität birgt außerdem einen indirekten Vorteil. Manche Amps grummeln im Distortion-Kanal bei tiefen Noten mehr oder weniger hintergründig mit Interferenzen, unreinen Tönen. Nimmt man den Bassregler in der Vorstufe zurück, bereinigt sich das Klangbild oft erheblich. Also auch aus dieser Sicht können sich aus einer besonders satten Basswiedergabe Vorteile ergeben. Den Hinweis auf die klassische Wiedergabe kann ich nur bedingt nachvollziehen. Die DV 212 GH bringt in den Hochmitten einen markanten Frequenz-Peak hervor, der zumindest mit dem Charakter eines alten Greenback nur bedingt Ähnlichkeit hat. Dieses Mitten-Tableau bleibt auch stets prägendes Merkmal des Sounds. Mit der Klangregelung kann man hier nur wenig bewirken, sprich man muss prüfen ob das in Verbindung mit dem/den verwendeten Verstärker(n) den persönlichen Geschmack trifft.

Grundsätzlich ist dieser Teil des Klangcharakters insofern positiv zu bewerten, als die Durchsetzungskraft der Wiedergabe im Allgemeinen davon profitiert und sich weiterhin wesentliche, charakterbildende Frequenzen der E-Gitarre dort bewegen und auf diese Art und Weise gut herausgestellt werden. Insgesamt wirkt die Wiedergabe der Box transparent und präzise, übrigens ohne dass in den Höhen eine übertriebene Schärfe zu Ohren kommt.

Die DV 212 GH bewährt sich außerdem in unterschiedlichen Lautstärken, sie klingt leise bereits ausgewogen und bleibt bei hohen Pegeln straff und artikuliert Details sauber (was ich u. a. prüfe, indem ich feingliedrige Effektsignale wie z. B. Reverb aus einem Studioprozessor via FX-Weg einem Distortion-Signal/-Kanal überlagere und bewerte). Typisch für geschlossene Gehäuse ist, dass sich der Sound nicht in den Raum hinein auflöst, sondern man eine direkte Bestrahlung von den Schallquellen/Speakern erlebt, der Ton bleibt quasi in der Box. Das erlebt man natürlich so auch bei der DV 212 GH; wie soll es anders ein, also nicht wundern.

alternativen

Wenn das Kriterium Gewicht in der Bewertung eine bedeutende Rolle spielt, kennt die DV 212 GH kaum Gegenspieler. Es kommt eigentlich nur das in der Wiedergabe schlankere Schwestermodell in Frage. Und ein deutsches Produkt von Kunz Custom Cabinets, das allerdings viel mehr kostet und anders konstruiert ist, insofern als das Modell 2¥12″ Half&Half zwei verschiedene Lautsprecher in einer geschlossenen und einer offenen Kammer kombiniert.

Wenn man das Gewicht außen vorlässt, wartet ein „Heer“ von Cabinets darauf, der DV 212 GH den Platz streitig zu machen. Engl, Marshall, Hughes & Kettner, Orange, EVH, Peavey, Laney u. v. m. haben gut abgestimmte 2×12-Boxen im Angebot und das in nicht wenigen Fällen zu niedrigeren Preisen.

resümee

DV Mark hat ja schon mit dem 4×12-Cab vorgemacht bzw. in unserem Test bewiesen, dass mit dem entsprechenden Sachverstand Leichtbau und hohe tonale Qualität Hand in Hand gehen können. Auch das Konzept der DV 212 GH geht überzeugend auf. Sehr beeindruckend, mit welchem Volumen diese geschlossene Box im Bassbereich agiert. Auch die Sound-Kultur im allgemeinen, die geprägt ist von markanten, „fordernden“ Hochmitten, punktet voll und ganz im Plus. Die Box ist also uneingeschränkt empfehlenswert. Unter Berücksichtigung der letztlich doch eher schlichten Machart kann man über das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht unbedingt jubeln, es bewegt sich aber unterm Strich in einer akzeptablen Balance. [1315]

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Hinweise zu den Soundfiles:

Für die Aufnahmen kamen zwei Mikrofone mit Großflächenmembran zum Einsatz, ein AM11 von Groove-Tubes/Alesis und ein C414 von AKG, nahe platziert vor einem der beiden Neodym-Speaker.

Die Clips wurden pur, ohne Kompressor und EQ-Bearbeitung über das Audio-Interface Pro-24DSP von Focusrite in Logic Pro eingespielt und gemastert. Das Plug-In „Platinum-Reverb“ steuerte die Raumsimulationen bei.

Die Instrumente sind eine Fender-CS-Relic-Strat-1956 (m. JB-Humbucker v. Seymour Duncan am Steg) und eine Steinberger GL4-T.

Ich wünsche gute „Unterhaltung“ und…, wenn möglich, bitte laut anhören, über ordentliche Boxen, nicht Kopfhörer!

Fragen, Anregungen und ja, auch Kritik sind wie stets willkommen. Nachrichten bitte an frag.ebo@gitarrebass.de. Es klappt nicht immer, aber ich werde mich bemühen möglichst kurzfristig zu antworten.

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