Dingwall Super P Standard 4 im Test

E-Bass von Dingwall, blau-weiß, liegend
FOTO: Dieter Stork

 

Mit neuen Modellen möchte Dingwall die gefächerten Bünde auch weiteren Kreisen schmackhaft machen, und was eignet sich dafür besser als die großen Design-Klassiker? Nach dem Super J ist jetzt auch der gute alte Preci an der Reihe, um mit schrägen Bundstäbchen bestückt zu werden.

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Nach kurzer Eingewöhnung bewegt man sich bereits sicher auf den Fanned Frets, wobei sich einige Vorteile ergeben – sonst müsste man den Aufwand ja schließlich nicht treiben. Dass man nun das Rock-Arbeitspferd schlechthin zur Grundlage des Super P genommen hat, soll Normalität signalisieren: Also nicht an die schiefen Bünde denken, sondern einfach drauflos rocken! Wir haben übrigens den allersten Bass des neuen Standard-Modells zum Test bekommen.

 

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FOTO: Dieter Stork
Während die tiefe Saite eine Longscale-Mensur aufweist, wird der Super P zur G-Saite hin zum Mediumscale.

 

Konstruktion des Dingwall Super P Standard 4

Wegen der gefächerten Bünde ergibt sich ein ungewohntes Bild, denn schließlich müssen Steg und Sattel beim Instrument gehörig schräg eingebaut werden – was auch für den Tonabnehmer gilt, wenn er die klassischen Abtastpositionen für jede Saite einhalten soll. Aus dieser Konstruktion ergibt sich für jede Saite eine andere Mensurlänge: Bei der E-Saite haben wir es mit einem Longscale von 870 mm zu tun, während der Super P bei der G-Saite ein Mediumscale mit 814-mm-Mensur ist.

Der auf den Erlenholzkorpus geschraubte Multimensur-Hals ist einstreifig aus hartem Ahorn gebaut und mit einem Ahorngriffbrett versehen, in dem 22 mittelschmale Medium Bundstäbchen sitzen. Praktischerweise ist der Halsspannstab bequem von der Kopfplattenseite aus einstellbar, ein Niederhalter sorgt bei D- und G-Saite für ausreichenden Andruck auf den Sattel. Halboffene Präzisions-Tuner von Hipshot sorgen für hochgenaues Tuning, am anderen Saitenende kommt ein (von Hipshot gefertigter) Spezialsteg mit besonders massiger Grundplatte zum Einsatz. Die einzelnen Saitenreiter werden nach der Oktavjustierung in der Grundplatte festgeklemmt, wobei die beiden vermeintlichen Höheneinstell-Madenschrauben den Klemm-Mechanismus betätigen. Das eigentliche Einstellen der Saitenhöhe geschieht auf originelle Weise: Die Saite liegt nämlich mittig zwischen zwei Edelstahlschrauben mit Rundköpfen, die mit einem Inbusschlüssel aus dem Saitenreiterblock heraus oder hinein gedreht werden können. Durch diese Konstruktion verhält sich der Steg insgesamt wie einteilig, da kann nichts klappern oder die Saitenschwingung dämpfen.

Wie das klassische Vorbild ist der Super P rein passiv ausgelegt. Allerdings ist der zweigeteilte Splitcoil-Tonabnehmer auf andere Weise frisiert worden, nämlich durch starke Neodym-Magnete. Interessant ist auch die Tone-Fusion-Tonblende mit der Zweifach-Funktion, je nachdem in welche Richtung man das Poti von der Mittelrastung aus bewegt. Erreicht werden die unterschiedlichen Filterwirkungen dadurch, dass alternativ zum gewöhnlichen Tonkondensator ein Bandpassfilter aus Kondensator und Spule angewählt werden kann – pfiffig!

 

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FOTO: Dieter Stork
Die Saiten liegen auf zwei Edelstahl-Rundkopfschrauben auf.

 

Der Dingwall Super P Standard 4 in der Praxis

Beim Korpus mit der traditionellen Preci-Silhouette fällt das geringe Gewicht auf, was durch eine um ca. 5 mm reduzierte Dicke erreicht wird. Obwohl der Super P weniger als 3,4 kg wiegt, hängt er erstaunlich ausgewogen am Gurt, in jedem Fall ist dieser Bass ein Geheimtipp für sensible Rücken!

Der mattlackierte Hals liegt verblüffend komfortabel in der Hand und fühlt sich eindeutig mehr nach „J“ als nach „P“ an; tatsächlich stimmt die Halsbreite von 38,1 mm im Sattelbereich ja auch mit der eines schlanken Jazz-Bass-Halses überein, wobei das Dingwall-Profil zudem noch flacher ist. Entsprechend mühelos und entgegenkommend spielt sich das viersaitige Komfortwunder! Oft wird die gefächerte Bundierung nach dem Novax-System besonders für die günstigere Bespielbarkeit gepriesen; darüber kann man zumindest diskutieren. Fakt ist, dass in den tiefsten Lagen die Wege etwas länger werden, während es sich auf den höchsten Bünden enger anfühlt. Ob man das nun mag oder nicht, ist Geschmackssache. Allerdings gewöhnt man sich an die Fanned Frets erstaunlich schnell.

Auch der kernige Rocksound überzeugt, zumal der aufgepeppte Neodym-Splitcoil noch markiger, lebendiger und druckvoller zupackt als eine originale Alnico-Version. Mit der Tone-Fusion-Blende in der Mitte geht der Super P kraftvoll und wunderbar aggressiv zu Werke, insbesondere der saftige Tiefmitten-Growl ist ein rockiges Statement! Dabei wirkt das Multimensur-Konzept zusätzlich stärkend auf das Klangergebnis; durch die zu den höheren Saiten hin verkürzte Mensur kommen diese nämlich satter und bassiger als sonst üblich rüber, was dem Dingwall-Preci zusätzliches Pfund beschert. Dreht man die Tonblende gegen den Uhrzeigersinn zurück, werden wie gewohnt die Präsenzen und Brillanzen abgedämpft, wobei sich zugleich die Knurrmitten stärker in den Vordergrund spielen. Andersherum betätigt, dämpft der Tonregler nicht nur die Drahtpräsenzen, sondern zudem auch die Mitten, wodurch ein großer, bassiger Ton erzeugt wird. Im Prinzip funktioniert die Zweifach-Funktion der Dingwall-Tonblende tadellos, allerdings könnten die jetzt feinen Unterschiede zwischen beiden Dämpfungsarten durchaus noch stärker herausgearbeitet werden. Sei’s drum, in jedem Fall ist dieser Bass ein starker Rocker.

 

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FOTO: Dieter Stork

 

Resümee

Dass es die Fanned Frets jetzt auch auf dem „alten“ P-Rocker gibt, macht sie gewiss für manche Spieler interessanter, zumal der Super P ein hochwertig gebauter Player mit besonders komfortabler Bespielbarkeit und wunderbar kernigem Sound ist. Top-Features des neuen Dingwalls sind zum einen das angenehm geringe Gewicht, zum anderen der aufgepeppte Neodym-Splitcoil. Auch die Doppelfunktion des Tonreglers ist eine gute Idee, die zumindest nach meinem Geschmack noch ein wenig krasser abgestimmt werden könnte, um noch verschiedenere Klangnuancen zu erzeugen.

 

Übersicht

Fabrikat: Dingwall

Modell: Super P Standard 4

Typ: E-Bass mit Massivkorpus, Viersaiter

Herkunftsland: Kanada

Mechaniken: verchromt; halboffene Hipshot Ultralite Tuner, Hipshot-Spezialsteg mit Klemmarretierung, arretierbare Dunlop-Gurthalter

Hals: aufgeschraubt; einstreifig Ahorn

Griffbrett: Ahorn

Halsbreite: Sattel 38,1 mm, XII. 53,5 mm

Bünde: gefächert; 22 Medium

Mensur: 870 mm Longscale bis 814 mm Mediumscale

Korpus: Erle

Oberflächen: Hals matt, Korpus hochglänzend lackiert

Tonabnehmer: passiv; 1× Dingwall Neodymium Splitcoil

Elektronik: passiv

Bedienfeld: Volume, Tone-Fusion-Klangblende

Saitenabstände Steg: 18,5 mm

Gewicht: ca. 3,35 kg

Lefthand-Option: in Vorbereitung

Vertrieb: Ahead Music

69190 Walldorf

www.dingwallguitars.com

Zubehör: Gigbag

Preis: ca. 2845

 

Plus

  • Klangverhalten
  • kerniger Sound
  • bassige Ausgewogenheit der Multimensur
  • Bespielbarkeit
  • Gewicht
  • Ausstattung
  • Verarbeitung

 

Minus

  • Tone-Fusion-Sounds könnten mit stärkeren Unterschieden abgestimmt werden
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