Der Squier Vintage Modified Precision Bass im Test

E-Bass von Squier, stehend

 

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Keine Marke wird so oft kopiert wie Fender, und womöglich stellen dabei weniger die nobel hochgezüchteten Edel-Versionen als vielmehr die Massen von billigen Fernost-Nachbauten ein Problem dar. Der Hersteller kontert mit attraktiven Squier-Modellen, die auch für Bassisten mit schmalem Budget erschwinglich sind.

 

 

Wozu eine zweifelhafte No-Name-Copy kaufen, wenn man doch von Squier sozusagen ein Original bekommt? Am Preis soll es künftig nicht mehr liegen, zumal die in Indonesien hergestellten Modelle auch noch verblüffend sauber und wertig gebaut sind. Für echte Precision-Fans bietet Squier eine Preci-Version mit Rosewood-Griffbrett in Olympic White sowie nun auch unseren Testbass in Amber Maple mit Ahornhals an.

 

Konstruktion des Squier Vintage Modified Precision Bass

Dieser Ahornhals mit den traditionell liegenden Jahresringen hat’s in sich, denn er ist tatsächlich einteilig und besitzt kein aufgeleimtes Griffbrett. Die Bünde sitzen hier direkt im Halsholz, der Spannstab wurde von hinten eingesetzt, wo nun ein dunkler Walnut-Streifen die Fräsnut ausfüllt. Einen echten One-Piece-Mapleneck bekommt man im diesem Preis-Segment sicherlich woanders nicht geboten!

Lecker sieht auch der honigfarben lackierte Naturholzkorpus aus, der massiv aus drei Stücken hochwertigen Soft Maples gebaut ist. Der hochglänzend polierte Polyesterlack präsentiert die feinen Maserungsdetails knackig, während der Hals hauchdünn und griffig mit hartem Polyurethanlack versiegelt ist. Die Verarbeitung ist rundum sauber und präzise, der Hals sitzt passgenau in der Korpustasche, die 20 Medium-Bünde sind akkurat eingesetzt und poliert sowie an den Enden sorgsam verrundet, sodass nichts übersteht.

Auch an der Ausstattung gibt es nichts zu bemängeln, die offenen Vintage-Stimmmechaniken arbeiten sogar verblüffend gleichmäßig und genau, der schlichte Blechwinkel-Steg mit den vier einzeln justierbaren Saitenreitern entspricht der historischen Vorgabe. Ein großes Plus ist in jedem Fall der Duncan-Designed-Tonabnehmer, der nicht einfach nur wie ein Preci-Splitcoil aussieht, sondern auch authentisch mit Stabmagneten aus Alnico 5 ausgestattet ist. Wie es sich für einen Vintage-Precision gehört, arbeitet die Elektrik straight passiv und bietet einen Volume-Regler sowie eine Höhenblende.

 

Praxis

Bei allen überzeugenden Qualitäten lässt sich am Squier-Preci dann doch ein Minuspunkt finden. Die aufgespannten Roundwounds sind zwar im Klang gar nicht so übel, aber beim Testbass (der frisch aus der verschlossenen Werksverpackung kommt) schon verrostet. Immerhin hat das Instrument ja eine lange Seereise hinter sich, und die feuchtsalzige Luft hat dem Rest des Instrument selbst keinen Schaden zugefügt. Im Laden und beim Endkunden machen die angerosteten Saiten allerdings keinen guten Eindruck, sodass der Hersteller diesem kleinen Problem im eigenen Interesse auf den Grund gehen sollte.

Ansonsten lässt sich nur Bestes über den Squier berichten, er sieht gut aus, fühlt sich – bis auf den matten Halslack – authentisch wie ein Fender Precision an und spielt sich auch in der festeren Gangart entspannt. Mit 40,6 mm Sattelbreite, dem bewährten C-Shape und 19 mm Saitenabständen am Steg hält man das altbewährte Arbeitspferd in den Händen, das mit seinem sonoren, satten Basston so viele Kapitel der Rock- Geschichte mitgeprägt hat. Klanglich fallen die Ergebnisse bei unserem Testbass sogar besonders markant und eindrucksvoll aus, wobei sich der einteilige Ahornhals mit knackiger Präsenz hervortut und auch bei bassigen Verstärkereinstellungen klare Tonkonturen garantiert.

Aber nicht nur das perkussive Element ist hier gut vertreten, auch in der Sustain-Entwicklung merkt man dem Squier seinen günstigen Preis nicht an. Der leichte Ahorn des Bodys stärkt die präsente Art und die strahlenden Obertöne im Sustain, was im Elektro-Sound allerdings nicht zu übermäßiger Härte führt. Denn der verwendete Alnico-Splitcoil ist eher von der heißeren Sorte und offenbar mit etwas mehr Wicklungen als ein normaler Vintage-P-Pickup ausgestattet worden. Am Ende liefert der Vintage Modified Precision deshalb den typisch fundierten, sattkehligen Preci-Sound mit gehörigem Pfund, der in den obersten Brillanzen sogar ein wenig milder und abgerundeter rüberkommt als das Original. In Anbetracht dessen arbeitet die passive Höhenblende beim Zurückdrehen bereits ein wenig zu radikal, und wer den Vintage-Ton lieber etwas mittiger und weniger dumpf mag, sollte womöglich einen kleineren Tonkondensator einsetzen.

 

Resümee

Stark, was Squier hier zu einem günstigen Preis liefert! Besonders der einteilige Ahornhals ohne aufgeleimtes Griffbrett ist ein klangentscheidendes Detail, welches man bei billigen Kopien sonst garantiert nicht geboten bekommt, aber auch alle anderen Zutaten überzeugen bei diesem Bass. Damit der Squier nicht den wirklichen Fender-Originalen zuviel Konkurrenz macht, hat man bewusst einige Details modifiziert – wobei zum Beispiel der schöne Korpus aus leichtem Ahorn sogar günstig auf den besonders sauber konturierten und schwingstarken Ton einwirkt. Der pfundige Alnico-Splitcoil sorgt am Ende ja dafür, dass trotzdem ein authentisch satter Preci-Sound herauskommt.

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