Der Squier Vintage Modified Jaguar Bass im Test

E-Bass von Squire, stehend

 

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Als Fender vor vier Jahren den Jaguar Bass vorstellte, war eine schwierige Gratwanderung gelungen. Einerseits handelte es sich zweifellos um einen originären Fender, andererseits holte der Griff ins alte Design-Repertoire ein unverbrauchtes Bassmodell ans Tageslicht. Nun ist der Jaguar auch günstig mit Squier-Logo zu haben.

 

 

Schließlich kann eine Traditions-Marke wie Fender nicht einfach irgendein phantasievolles Design als neues Modell herausbringen; entsprechende Experimente sind in der Vergangenheit regelmäßig schiefgegangen. Aber von der Jaguar-Gitarre gab es bislang noch keine Bassversion, und damit hatte man nun das neue Bassmodell mit der vertrauten Optik der Sechziger. Während die in Japan gebaute Fender-Version preislich in den vierstelligen Bereich ragt, ist nun das günstige Squier-Modell aus Indonesien für rund ein Drittel davon erhältlich.

 

Konstruktion des Squier Vintage Modified Jaguar Bass

Das schöne an der typischen Fender-Konstruktion ist ja, dass man sie fabrikmäßig in fast jeder Preiskategorie herstellen kann – nichts anderes hatte der Erfinder einst im Sinn. Und so sieht auch der indonesische Jaguar tadellos aus. Der vierfach auf den Korpus aufgeschraubte Longscale-Hals ist einstreifig aus Ahorn gebaut und besitzt auf der Rückseite den charakteristischen „Skunk Stripe“ aus Palisander, der die Fräsung zum Einlegen des Halsspannstabs verschließt. Von vorne ist ein Griffbrett aus Palisander aufgeleimt, welches markante Block-Einlagen aufweist und mit 20 Medium-Jumbo-Bundstäbchen bestückt ist. Um die Kosten gering zu halten, hat man die Halsrückseite nicht hochglänzend lackiert, sondern matt versiegelt.

Beim Korpusmaterial weicht der Squier von der japanischen Fender-Version ab und nutzt statt der altbewährten Erle das Holz des riesigen Agathis-Baums, welches eine ähnliche Dichte aufweist. Der deckend schwarze Hochglanzlack ist von ordentlicher Qualität, auch die Vorderseite der Kopfplatte ist passend dazu in schwarz lackiert. Die Hardware mit offenen Stimmmechaniken und einem schlichten Blechwinkel- Steg mit einzeln justierbaren Saitenreitern passt zur Vintage-Anmutung des rundum sauber verarbeiteten Instruments.

Während die Fender-Ausgabe wie ein Jazz Bass mit zwei Alnico-Singlecoils im J-Format bestückt ist, findet man beim Squier Jaguar zwei Duncan-Designed-Tonabnehmer in P/J-Konfiguration. Interessanterweise besitzt der zweigeteilte P-Splitcoil klassische Alnico-Magnete, während der J-Singlecoil mit Stahlpolen ausgerüstet ist, die von unten durch einen keramischen Barrenmagenten aufgeladen werden. Das wird nicht ohne Folgen für den Sound des Squier-Modells bleiben, das somit ein eigenes Profil erhält.

 

Praxis

Apropos Profil: Das C-förmige Halsprofil hat sich der Jaguar vom Jazz Bass ausgeliehen, 37,9 mm schmal am Sattel. Entsprechend bequem liegt der Hals in der Hand, auch beim Spiel in den tiefen Lagen sind die Wege auf dem Griffbrett nicht weit. Und in Richtung Steg wächst sich das Ganze aus, damit es auch in den hohen Lagen nicht zu eng wird. 19 mm Saitenabstände am Steg, das ist eine bewährte Geometrie. Die Tuner gehen verblüffend sahnig, exakt und spielfrei.

Am Gurt zeigt das Vintage-Design einen Hang zur Waagerechten, und je steiler der Hals nach oben zeigen soll, desto mehr muss ihn die linke Hand stützen. Alles im beherrschbaren Rahmen, solange man den Jaguar nicht als Superslapper direkt unter dem Kinn haben möchte – eher ein Bass für coole Spielhaltung.

Da man auf die kostentreibenden Pickup-Schiebeschalter und Drehrädchen bei der indonesischen Version verzichtet hat, sind die beiden konzentrischen Knopftürme eine nette Idee, wo jedem Tonabnehmer sein eigener Reglersatz aus Volume und Tonblende bereitgestellt wird. Die Tonblendenpotis weisen beim Drehen eine markante Rasterung auf, was das Auffinden einer bestimmten Einstellung erleichtern kann. Klanglich präsentiert der Squier eine stimmige Mischung aus einem voll authentischen Precision-Sound und einer etwas klareren Variante vom J-Singlecoil. Trotz Vintage-Montageposition des J-PUs ergibt sich somit weniger das Jaco-mäßige Knödeln, sondern eine glattere, offenere Wiedergabe, der es freilich auch nicht an Kante und Durchsetzungsvermögen mangelt. Schließlich klebt unter den Stahlpolen des J-Singlecoils ein fetter Keramikmagnet, der hier für Power sorgt. In der Mischung harmonieren die beiden Tonabnehmer tadellos, wobei die clean-funkigen Anteile aus der Stegposition dem Jaguar seine eigene Klangnuance verleihen.

 

Resümee

Tadellose Leistung trotz günstigen Preises – schließlich mag es sich die Fender-Untermarke Squier auch nicht leisten, die erwartungsvollen Kunden mit Billigschrott zu vergraulen. Der Vintage Modified Jaguar Bass ist rundum sauber und fehlerfrei verarbeitet und unterscheidet sich von seinem teureren japanischen Fender-Bruder vor allem konzeptionell. Man hat die Squier-Version vor allem einfacher ausgestattet und auf kostentreibende Details wie die zusätzlichen Chromfelder mit Schiebeschaltern und Drehrädchen verzichtet, dem Hals ein einfaches Finish verpasst und – als wichtigste Veränderung – eine eigene Pickup-Konfiguration gegeben. Während der Fender klanglich dem Jazz Bass nahe steht, hat der Squier Jaguar den authentischen Precision-Punch drauf, bereichert durch einen kraftvoll-sauberen Singlecoil-Sound aus der Stegposition. Somit ist der Squier klanglich ein eigenes Modell, welches nur optisch der Fender-Version ähnelt.

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