Der Godin Shifter 4 im Test

E-Bass von Godin, stehend

 

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Irgendwie erinnert der Shifter an ein klassisches Vorbild, aber konkret lässt sich das nicht packen. Kunststück, denn hier werden die Zutaten einiger berühmter Vorbilder verarbeitet. Heraus kommt dabei ein durchaus charmantes Instrument mit markantem Charakter.

 

 

Der Marke Godin kann man gewiss nicht nachsagen, dass sie ihren guten Ruf auf stiebitzte Ideen gegründet hätte. Und wenn man sich woanders bedient, dann geschieht das pfiffig. So wie beim Retro-Modell Shifter, das gespickt ist mit Schlüsselreizen aus Fenders Formensprache und Details.

 

Konstruktion des Godin Shifter 4

Die Korpushörner haben den typischen Schwung vom Jazz Bass, das symmetrische Korpusrund und die kaum verrundeten Kanten gemahnen an den Ur-Precision, und die leicht langgezogene Form hat etwas vom Mustang-Modell. Farblich bringt unser Testbass den Pferdezahn-Gilb einer typisch halbtransparenten Telecaster-Lackierung rüber, wozu auch das schlichte Bedienfeld passt. Aber dort sitzt der Slideswitch wie bei der Strat schräg, und das tut auch der Tonabnehmer in der Stegposition, so wie die dreifache Pickup-Ausrüstung sowieso an die Stratocaster erinnert. Ganz abgesehen von der bewährt einfachen Schraubhals-Bauweise und dem einstreifigen Ahornhals mit der Tele-Kopfplatte: Geschickt wird bei diesem Bass mit altbekannten Formelementen gespielt, und trotzdem ist der Shifter nicht die Kopie eines bekannten Fender-Modells. Der Korpus besteht aus kanadischem Lindenholz und ist hochglänzend lackiert, während der Ahornhals mit seidenmattem Lack versiegelt ist. Im Griffbrett sitzen 20 mittelstarke Bundstäbchen. Der Shifter wird in Kanada hergestellt und ist rundum akkurat verarbeitet, erhältlich ist eine vier- und eine fünfsaitige Version.

Einige Zutaten sind beim Shifter versteckt, die durchaus auf das Klangergebnis wirken. Auch wenn der Sattel wie klassischer Knochen aussieht, hat das verwendete Tusq-Material verbesserte Eigenschaften und steigert nach Angaben des Herstellers Graphtech Obertongehalt und Sustain. Durch die Teflon-Behandlung ist das Teil wie ein Graphitsattel selbstschmierend und vermeidet das Verklemmen der rauen Roundwound-Saiten in den Sattelkerben. Des Weiteren hat man beim Steg die Wahl, die Saiten entweder konventionell von oben einzufädeln oder von hinten durch den Korpus einzuziehen, wo ein ins Korpusholz eingearbeiteter Messingbalken zudem als Sustain-steigerndes Widerlager für die Ballends dient.

 

Praxis

Mit seinen 3,9 kg hat der Viersaiter ein gesundes Durchschnittsgewicht und pendelt sich am Gurt in der Waagerechten ein. Störend kopflastig kann man das noch nicht nennen, und mit einem breiten Gurt wird der Hals auch willig in einer nach oben weisenden Haltung verbleiben. Die schmalen Maße am Sattel sind vom Jazz Bass übernommen, ebenso das fleischige C-Profil, welches gut in der Hand liegt und auch bei festerer Gangart günstige Bespielbarkeit bietet. Der Shifter ist nicht nur optisch ein Retro-Modell, sondern fühlt sich auch so an. In der Werkseinstellung ist der Bass für festere Spielstile justiert: Zwar bietet der Steg ausreichend Spielraum für niedrigere Saitenlagen, günstiger wäre es jedoch, in die Korpustasche am Halsende ein Furnierstück o. ä. einzulegen, um den Hals gegenüber dem Korpus leicht abzuwinkeln.

Die drei Singlecoil-Tonabnehmer mit den fetten 10-mm-Alnicomagneten übertragen den Saitenton sehr charakterstark und steigern sogar noch den typisch präsenten Biss, den man von Vintage-mäßigen J-Pickups her kennt. Ausgesprochen markant setzen sich die Sounds dieses rein passiv arbeitenden Tonabnehmer-Trios in der Band durch, und wem das schon zu offensiv ist, kann die Ergebnisse mit der mild, aber wirksam abgestimmten Höhenblende harmonisch entschärfen. Am fünfstufigen Slideswitch sind diverse Pickup-Kombinationen abrufbar, wobei sich die Ergebnisse im Timbre sehr deutlich voneinander unterscheiden und dem Passivbass einen beachtlichen Nuancenreichtum entlocken. In Stellung 1 arbeitet der Steg-Singlecoil alleine, in Stellung zwei bildet er mit dem Mittel-PU nach dem Humbucker-Prinzip eine brummfreie Kombination. Stellung 3 präsentiert den Mittel-Tonabnehmer einzeln, während Stellung 4 Hals- und Steg-PU kombiniert. Aus prinzipiellen Gründen ist bei dieser Variante keine Brumm-Kompensation möglich; die erhält man dann allerdings wieder in der letzten Schalterstellung, wo der Hals-PU mit dem Mitteltonabnehmer zusammen arbeitet. In dieser Einstellung lässt sich sogar durch Herausziehen des Tonblenden-Knopfs noch die Phasenlage der Tonabnehmer umschalten, was eine sechste Klangvariante mit hohlmittiger Färbung erzeugt, die nicht nur beim Attack-betonten Plektrumspiel interessante Ergebnisse verspricht.

 

Resümee

Der Shifter 4 ist ein pfiffiges Retro-Design, welches vielerlei Anleihen aus Fenders Formensprache miteinander kombiniert. Ausgesprochen überzeugend sind vor allem die markanten Klangergebnisse, bei denen der frische Singlecoil-Biss überdeutlich herausgestellt wird. Die sechs verschiedenen Timbre-Varianten bescheren diesem Retro-Passivbass eine ungewöhnliche Nuancen-Vielfalt, und dabei liefert jede Einstellung sehr praxistaugliche Sounds. Man merkt, dass sich Godin sehr gründlich und kompetent damit befasst hat, was einen guten Vintage-Bass ausmacht, und der Shifter ist deshalb trotz des maßvollen Preises in dieser Kategorie herausragend.

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